Fixzinsen in Österreich auf dem Vormarsch

Wie wäre es mit einer Ersparnis von 16.000 Euro? Klingt nicht schlecht, oder? Die Experten der ING haben berechnet, dass sich Kreditnehmer diesen Betrag ersparen, wenn sie jetzt von einem Darlehen mit variabler Verzinsung auf eines mit Fixzinsen umsteigen.

Angenommen wurde dafür ein offener Kreditbetrag von 200.000 Euro und eine Restlaufzeit von 15 Jahren bei einem derzeitigen Zinssatz von 1,5 Prozent. Wer dann auf einen Fixzins mit 0,5 Prozent umsteigt, erspart sich den oben angegebenen Betrag. Damit sollte sich doch die eine oder andere Reise ausgehen.

Rechenbeispiele wie diese hängen natürlich von den konkreten Umständen – unter anderem die Bonität des Kreditnehmers oder die genauen Bedingungen eines Wohnkredits – ab. Doch die Richtung ist klar:

Fixzinsen werden in Österreich immer beliebter.

Robert Prazak

Der wichtigste Grund dafür ist das anhaltend niedrige Zinsniveau. Wer jetzt einen Kredit festzurrt, kann sich diese niedrigen Zinssätze über einen längeren Zeitraum sichern. Kein Wunder also, dass immer mehr Kreditnehmer in diese Richtung denken. Laut Nationalbank machen Kredite mit einer Zinsbindungsfrist von mehr als 5 Jahren bereits rund 40 Prozent aller Kredite aus; Tendenz steigend. Und das Jahr 2020 hat in dieser Hinsicht gut begonnen: Laut einer Analyse des Baufinanzierungsspezialisten Interhyp liegen die Kreditzinsen zu Jahresbeginn deutlich unter jenen des Vorjahres. Wer Immobilien finanzieren möchte, wird das ganze Jahr über interessante Konditionen vorfinden. Die weiterhin lockere Geldpolitik in Europa spricht dafür, dass die Zinsen in absehbarer Zeit nicht steigen werden.

Nicht zuletzt spielt aber auch der steigende Wettbewerb am Markt für Baufinanzierungen eine Rolle: War vor wenigen Jahren die Konkurrenz noch überschaubar, gibt es heute für die Österreicherinnen und Österreicher eine große Auswahl an Anbietern. Diese versuchen, mit attraktiven Konditionen neue Kunden zu gewinnen. Das hat einen weiteren Effekt: Wer einen Kredit bei einer Bank hat, ist für andere Finanzprodukte dieses Anbieters offen. Daher sind Umschuldungen längst an der Tagesordnung, denn Kreditnehmer sehen sich ständig nach Alternativen zu ihrer derzeitigen Kredit- und Anlagesituation um. Ob es dann tatsächlich der Fixzinskredit oder doch ein variabler Kredit sein sollte, hängt wiederum von der persönlichen Situation und der Risikoeinstellung ab.

Prinzipiell achten die Österreicher aber noch immer sehr auf die finanzielle Sicherheit: 77 Prozent scheuen laut einer Umfrage von ING davor zurück, Immobilien anzuschaffen, weil sie sich vor den Schulden fürchten. Die niedrigen Zinsen könnten aber dafür sorgen, dass sich das ändert. Schließlich ist Eigentum immer noch eine der besten Möglichkeiten, für die eigene Zukunft und jene der nachfolgenden Generationen vorzusorgen.


Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.

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