Crowdinvesting in Österreich wächst weiter

In Österreich entdecken immer mehr Kleinanleger die Vorzüge von Crowdinvesting, vor allem Immobilien sind in dieser Hinsicht ausgesprochen beliebt.

Was haben Photovoltaikanlagen, ein Wildfleischhändler, eine Bienenschutz-Initiative und ein Mehrfamilienhaus im 17. Wiener Gemeindebezirk gemeinsam? Diese Projekte werden zum Teil über Crowdinvesting finanziert.

Die Idee, die breite Masse als Anleger für unternehmerisches Wachstum oder bestimmte Projekte zu gewinnen, erfreut sich in Österreich steigender Beliebtheit: Im Vorjahr wurden laut einer Analyse des Branchenportals CrowdCircus bereits rund 67 Millionen Euro auf diese Weise veranlagt. Längst sind es aber nicht nur High-Tech-Gadgets, Gesundheitsdrinks oder außergewöhnliche Dienstleistungen, die dadurch das nötige finanzielle Futter bekommen. Vielmehr hat die Immobilienbranche das Crowdinvesting für sich entdeckt: Rund 79 Prozent des gesamten Volumens entfallen auf diese Sparte. Dahinter steckt einerseits die Attraktivität des Immobilienmarktes, der Sicherheit und Wachstumspotenzial bietet. Speziell in Ballungsräumen wie Wien ist Wohnraum knapp und entsprechend rasch sind neue Immobilien auch vergriffen; zudem ist die Preisentwicklung rasant. Andererseits sind alle Renditeversprechen jenseits der Mini-Zinsen auf Sparbüchern für Privatanleger derzeit interessant.

Quelle: CrowdCircus.com

Ursprünglich war Crowdfunding als Alternative zum klassischen Bankkredit für junge Unternehmen gedacht. Damit wollen sie einerseits Kapital für das Wachstum lukrieren, andererseits auch ihre Ideen einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Über das finanzielle Engagement von Kleinanlegern können Start-ups nämlich gleich potenzielle Kunden oder Partner gewinnen. In Österreich schlummert außerdem viel Privatvermögen auf Sparbüchern oder anderen Anlagevarianten, die aber vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen wenig bis gar nichts bringen. Traditionell interessierten sich bisher aber vergleichsweise wenige Anleger für ein direktes Investment in Unternehmen (etwa über Beteiligungen) oder Projekte. Über das Crowdfunding hat sich das zumindest teilweise geändert: Die Österreicher entdecken ihre Liebe zum Investment.

Einen großen Schub erlebte das Crowdfunding in Österreich, das damit endgültig zum Crowdinvesting avancierte, im Jahr 2018 mit einer Gesetzesnovelle: Die Informationspflichten wurden im sogenannten Alternativfinanzierungsgesetz (AltFG) erleichtert, seither besteht bis zu einer Höhe von 250.000 Euro keine Verpflichtung mehr, ein Prospekt zu erstellen. Wie davor gilt aber eine Höchstsumme, die ein Privatanleger investieren darf: 5000 Euro dürfen es maximal pro Jahr sein – außer man hat einen Nachweis über ein höheres Einkommen. Das hat schon seine Berechtigung: In den meisten Fällen werden Investments via Crowdinvesting oder Crowdfunding als Nachrangdarlehen abgewickelt. Das bedeutet, dass bei einem Scheitern des Projekts der Investor mit großer Wahrscheinlichkeit gar nichts bekommt. Steuerlich ist zu beachten, dass Zinserträge aus solchen Investments der Einkommensteuer unterliegen, nicht aber der Kapitalertragsteuer. Das hat von Fall zu Fall unterschiedliche Auswirkungen.

Jedenfalls wurde dieses Finanzierungsinstrument auch für größere Unternehmen, beispielsweise eben für Immobilienprojekte, interessant. Generell kann nun nicht mehr von einer „alternativen“ Finanzierung gesprochen werden, Crowdinvesting ist als Variante zu traditionelleren Formen längst akzeptiert. Die wichtigsten Plattformen für Crowdinvesting und Crowdfunding in Österreich sind Dagobertinvest (vom Volumen her derzeit die Nummer 1, vor allem Immobilien), Home Rocket, die ebenfalls auf Immobilien spezialisierte Plattform Rendity, Green Rocket sowie die traditionsreiche Plattform Conda, auf der noch viele klassische Crowdfunding-Kampagnen zu finden sind.

Fakten & Zahlen zum Crowdinvesting

  • 67,1 Millionen Euro wurden im Vorjahr in Österreich über Crowdinvesting umgesetzt – ein Plus von 68 Prozent.
  • 53 Millionen Euro davon betreffen Immobilien-Projekte, das ist ein Anteil von knapp 79 Prozent am Gesamtvolumen.
  • 1440 Euro hat der einzelne Investor im Schnitt im Vorjahr ausgegeben, ein leichter Rückgang gegenüber 2018 (1600 Euro je Investment im Durchschnitt).
  • 450.000 Euro betrug 2019 das durchschnittliche Projektvolumen, 2018 waren es erst 334.000 Euro.

Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.

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