Nachhaltig investieren wird wichtiger

Die Corona-Krise hat den Klimaschutz aus den Schlagzeilen verdrängt, doch der Kampf gegen die Erderwärmung bleibt das wichtigste Thema für die Menschheit. Das schlägt sich auch zunehmend auf die Finanzbranche und generell auf die Investitionen nieder – Geld ist eindeutig der wichtigste Hebel, um Klimaschutzmaßnahmen anzukurbeln und eine Kehrtwendung einzuleiten. Eine große Rolle spielen dabei naturgemäß jene Gelder, die von Versicherungen angelegt werden. Nun hat Allianz Österreich angekündigt, nach und nach alle Kundengelder nur noch nachhaltig anzulegen. Bis 2030 – also in 10 Jahren – soll dann ein Nachhaltigkeitsgrad von 100 Prozent erreicht werden. Im Vorjahr waren es nach Aussagen des Unternehmens 88 Prozent, die nachhaltig am Kapitalmarkt veranlagt wurden. Bis 2025 soll dieser Wert schon auf 94 Prozent steigen.

Aber was heißt überhaupt nachhaltig? Dieser Begriff ist ja nicht eindeutig definiert und so könnte sich sogar ein Mineralölunternehmen, das am Dach der Firmenzentrale rasch ein paar Solarzellen montiert, als nachhaltig loben. Tatsächlich entsprechen gerade nachhaltige Investments nicht immer den Ansprüchen, die sie eigentlich erfüllen sollten – vielmehr handelt es sich oft um Marketingschmähs. In so manchen „nachhaltigen“ Fonds finden sich beispielsweise Unternehmen, die auf durchaus traditionelle Weise fossile Energie verwenden oder sich um ethische Vorgaben wenig kümmern. Doch mit steigendem Druck seitens der Konsumenten wird auch genauer hingesehen, in welche Firmen und in welche Branchen tatsächlich das Geld gesteckt wird. Jährlich werden immerhin schon mehr als 15 Milliarden Euro in Österreich auf diese Weise veranlagt. Nachhaltige Geldanlage hat nicht nur moralische Gründe, sondern bringt auch etwas für die Rendite – das zeigen zumindest Statistiken, wonach solche Investments im Vergleich sehr gut abschneiden. Gerade in Krisenzeiten werden daher verstärkt jene Unternehmen gesucht, die langfristig dank ihrer Einstellung bessere Überlebenschancen haben.

Bei der Allianz soll eine strenge Kontrolle durch den WWF sicherstellen, dass es sich tatsächlich um solche Investments handelt, die den Kriterien der Nachhaltigkeit entsprechen. Konkret sollen ökologische, soziale und ethische Maßstäbe herangezogen werden. Im Detail werden diese Vorgaben jährlich von ESG Plus überprüft – das Wiener Unternehmen ist auf das Thema nachhaltige Investments spezialisiert. Jedenfalls will die Allianz die Gelder, die aus den diversen Bereichen wie Haushalts- und Lebensversicherungen stammen, in Zukunft vermehrt in Erneuerbare Energie, öffentlichen Transport und Gesundheit stecken. Für WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides ist die Allianz-Offensive ein wichtiger Schritt, es brauche aber noch weiteres Umdenken in der Finanzbranche, die ihre Position in dieser Hinsicht noch viel zu wenig nutze. Außerdem verlangt sie für Österreich eine ökosoziale Steuerreform, um umweltschädliche Subventionen abzubauen.


Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.