Versorgungslücke bedroht vor allem Frauen

Frauen und das liebe Geld – ein Thema, bei dem es durchaus widersprüchliche Fakten gibt. So sind Frauen bei der Finanzanlage prinzipiell vorsichtiger als Männer – das besagt zumindest eine Studie von JPMorgan von Anfang des Jahres. Doch wegen der akut niedrigen Zinsen bedeutet weniger Risiko auch weniger Rendite, das wiederum kann sich nachhaltig auf die Wertentwicklung der Vermögen von Frauen auswirken. Mehr als die Hälfte der befragten Frauen bevorzugen Anlagen mit wenig Wertschwankungen. Was einer anderen Studie zufolge aber gar nicht heißen muss, dass am Ende weniger rauskommt: Laut der Hochschule Luzern sind Frauen zwar wirklich risikoscheuer als Männer, doch dafür beschäftigen sie sich intensiver mit Geldthemen, haben mehr Geduld und vertrauen auch auf Nachhaltigkeit. Das hat (positive) Auswirkungen: Mit ihren Investments verdienen Frauen im Schnitt etwas besser als Männer – was auch daran liegt, dass sie sich nicht von undurchsichtigen, teuren Finanzprodukten zu einer Anlage verleiten lassen. Tatsache ist zudem, dass Frauen mit Geld abseits von Anlagethemen sorgsamer umgehen können als Männer. So zeigte eine Untersuchung in Deutschland, dass Frauen wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei der Coronakrise ihre Ausgaben stärker reduziert haben als Männer.

Wie auch immer: Trotz dieser unterschiedlichen Fakten stellt sich Frauen allerdings ein gravierendes Problem bei der finanziellen Absicherung ihrer Zukunft: Weil viele Arbeitnehmerinnen in Österreich in Form von Teilzeitbeschäftigung tätig sind, droht ihnen eine geringe Pension. Im Vorjahr warnte die Pensionsversicherung bereits vor der „Falle Teilzeitarbeit“. De facto wird die Arbeit, die Frauen etwa bei der Kinderbetreuung leisten, nämlich kaum abgegolten – und später zahlen sie wegen niedriger Pensionen noch drauf. Tatsächlich sind in Österreich Frauen stärker von Altersarmut betroffen als Männer.

Dazu trägt bei, dass Frauen generell zu wenig für die private Altersvorsorge tun. Laut einer Umfrage des Finanzdienstleisters SwissLife ist der Mehrheit der Österreicherinnen das Risiko einer niedrigen Pension zwar bewusst, vor allem die Gruppe der 30- bis 39jährigen ist sich der Problematik bewusst. Häufig wird dagegen aber nichts getan, denn vor allem wegen der Doppelbelastung von Familie und Job bleibt für Finanzthemen gefühlt wenig Zeit. Außerdem gibt es nur wenig spezialisierte Vorsorgeprodukte für Frauen in Österreich. Die Unterversicherung der Frauen – sowohl bei der staatlichen als auch bei der privaten Vorsorge – ist ein Thema, das langfristig große Auswirkungen hat. Es bleibt zu hoffen, dass es hier bald zu einer Optimierung kommt.

Mehr Infos unter https://www.sozialministerium.at


Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.