Konto im Minus

Autor
Robert Prazak | Aktualisiert am 25. Feber 2021
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Von Tag zu Tag wird das Guthaben auf dem Konto geringer und eines Tages ist es schließlich passiert: Das Konto rutscht ins Minus. Wird schon nicht so schlimm sein, denkt man sich – und ignoriert die Warnungen. Doch ein überzogenes Konto (so der andere Ausdruck für ein Konto im Minus) kann weitreichende Folgen haben: Die Zinsen können horrend hoch sein und es kann auch noch andere, unangenehme Konsequenzen geben.

Dabei ist ein Überziehungsrahmen im Prinzip gar nicht unpraktisch: Man braucht keinen eigenen Kredit zu beantragen, wenn die Ausgaben mal höher waren als die Einnahmen und das Konto daher kein Guthaben mehr aufweist. Dann wird das Konto einfach mal überzogen und irgendwann wird es schon wieder ins Plus kommen, denkt man sich. Doch diese angebliche Freiheit ist problematisch: Das Minus am Konto ist teuer und man kann sich damit schwer verschulden. Immerhin 17 Prozent der Österreicher überziehen ihr Konto regelmäßig.

Wir haben daher die wichtigsten Fakten rund um das Konto im Minus zusammengetragen und einige Tipps parat:

Was passiert, wenn mein Konto im Minus ist?

Die Bank verrechnet Überziehungszinsen, der Fachausdruck dafür lautet Dispokredit (korrekt Dispositionskredit) – in Österreich spricht man aber eher vom Überziehungsrahmen bzw. Kontorahmen. Das Besondere dabei: Die Zinsen dafür können hoch sein, sehr hoch sogar. Denn obwohl die Zinsen derzeit allgemein niedrig sind, verrechnen Banken für das Überziehen des Kontos saftige Zinsen. Und viele Kontoinhaber wissen gar nicht, welche Kosten da auf sie zukommen. Die Zinsen für den Dispokredit sind nämlich nur selten transparent dargestellt; die Banken hüllen lieber den Mantel des Schweigens darüber. Derzeit werden in Österreich für Überziehungsrahmen bis zu 12 Prozent an Überziehungszinsen verlangt – im Gegensatz dazu liegen die Guthabenzinsen entweder bei null Prozent oder sind so niedrig, dass sie gar keine Rolle spielen. Die Unterschiede zwischen den Banken sind groß, daher sollte man sich vor der Auswahl eines Kontos unbedingt die Bedingung für den Überziehungsrahmen ansehen.

Eine weitere mögliche Folge: Die Banken führen Aufträge nicht mehr aus, zum Beispiel Daueraufträge, aber auch andere Überweisungen. Das kann dazu führen, dass beispielsweise die Stromrechnung nicht mehr bezahlt wird. In weiterer Folge kann die Bonität, also die Kreditwürdigkeit des Kontoinhabers, leiden: In Zukunft wird es schwieriger sein, Kredite oder andere Finanzierungen zu bekommen.

Wie teuer ist es, wenn mein Konto im Minus ist?

Die Antwort ist einfach: Es kann sehr teuer sein. Rasch können mehrere hundert Euro oder noch höhere Beträge zusammenkommen. Das hängt natürlich in erster Linie davon ab, wie hoch das Minus ist und wie lange das Konto überzogen wird. Rasch gerät man dabei in einen Teufelskreis: Das Minus wird nicht weniger, sondern immer größer – und irgendwann könnte die Bank das Konto sogar sperren. Außerdem können extra Gebühren der Bank anfallen.

Disposaldo im Minus: Wie lange darf mein Konto im Minus sein?

Das hängt von der Einschätzung der Zahlungsfähigkeit des Kontoinhabers ab: Wenn man bisher alles pünktlich bezahlt hat und die Bank damit rechnen kann, dass regelmäßig Geld aufs Konto kommt, wird man über einen längeren Zeitraum im Minus sein dürfen. Im Prinzip ist das ja für die Bank wegen der hohen Überziehungszinsen kein schlechtes Geschäft.

Wie hoch ist der Überziehungsrahmen?

Nicht bei jedem Konto ist es überhaupt möglich, ins Minus zu kommen. So gibt es bei Konten für Jugendliche und oft auch bei Studierendenkonten gar keinen Überziehungsrahmen. Das bedeutet: Die Bank borgt kein Geld her, wenn das Konto ins Minus ist. Ansonsten hängt die Höhe des Überziehungsrahmens von der Einschätzung der Bonität des Kunden ab. Wird der vorgesehene Kontorahmen noch weiter überzogen, wird sich die Bank zweifellos melden und mal nachfragen, was passiert. Außerdem fallen immer höhere Zinsen und eventuell sogar Zusatzgebühren an.

Kontoüberziehung: Was kann ich tun, wenn das Konto im Minus ist?

Die Situation in aller Ruhe analysieren: Kann ich das Minus in kurzer Zeit ausgleichen oder wird es selbst nach den nächsten Einzahlungen (Gehalt etc.) nicht wirklich kleiner? Wenn nicht absehbar ist, dass man das Konto wieder ins Plus bringen kann, sollte man sich überlegen, einen Kredit zu günstigeren Konditionen aufzunehmen – man spricht von einer Umschuldung. Dazu nimmt man am besten Kontakt zur Bank auf, erkundigt sich aber auch nach Alternativangeboten, zum Beispiel von Direktbanken. Wie bei allen Finanzangeboten hilft das Vergleichen: Höhe der Zinsen, Laufzeit, Rückzahlungsmöglichkeiten und andere Kriterien sind wichtig. Dabei muss man allerdings aufpassen, nicht auf unseriöse Anbieter hereinzufallen. Extrem niedrige Zinsen können ein Warnzeichen sein.

Langfristig muss man sich fragen, ob trotz einer Umschuldung nicht bald wieder das nächste Minus am Konto droht. Ein Darlehen zur Abdeckung bekämpft zwar das Symptom, nicht aber das zugrunde liegende „Übel“: Wenn die Finanzen ständig in Schieflage sind, muss man sich generell etwas überlegen. Dabei kann es hilfreich sein, das derzeitige Konto nochmals anzusehen: Eventuell gibt es bei einer anderen Bank bessere Konditionen.

Die wichtigsten Tipps rund um das überzogene Konto

  • Ständige Kontrolle der privaten Finanzen ist das Um und Auf: Wie viel Geld gebe ich jeden Monat aus, wie viel nehme ich ein? Mindestens einmal pro Monat sollte man sich das genau ansehen.
  • Disziplin ist nötig, um das Minus am Konto ausgleichen zu können: Die Balance zwischen Einnahmen und (zu hohen) Ausgaben muss hergestellt werden.
  • Bei gröberen Schwierigkeiten kann es Sinn machen, sich beispielsweise bei der Schuldenberatung beraten zu lassen und sich über Wege aus der persönlichen Finanzkrise zu informieren. Viele Menschen nehmen täglich diese Dienste in Anspruch.
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Über den Autor Robert Prazak

Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.

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