Bezahlen mit Karte boomt wegen Corona-Krise

Österreich gilt als Schlaraffenland für Bargeld-Fans: In kaum einem anderen Land der Welt wird so gerne mit Münzen und Banknoten bezahlt. Eine Umfrage von ING im Vorjahr hatte gezeigt, dass nur jeder 10. Österreicher bereit wäre, in Zukunft auf Bargeld zu verzichten. In anderen Ländern wie Deutschland oder Italien war die Zustimmung zum bargeldlosen Zahlen viel höher. Tatsächlich ist Cash in Kaffeehäusern, Restaurants, Supermärkten oder Taxis in Österreich noch immer die beliebteste Methode, die Rechnung zu begleichen.

Das änderte sich während der Corona-Krise nun drastisch: Zu den empfohlenen Maßnahmen zählt ja, in Geschäften besser kontaktlos zu zahlen – also etwa über eine Karte oder mittels Smartphones. Der Höchstbetrag für eine Bezahlung ohne PIN-Eingabe wurde von 25 auf 50 Euro erhöht. Knapp drei Viertel aller Österreicher sind laut einer aktuellen Umfrage von ING auch der Meinung, es sei nun vernünftiger, bargeldlos zu bezahlen.

„Kartenzahlungen werden durch die aktuelle Krise angekurbelt“

Barbaros Uygun, ING-Chef

Die Einstellung zum Bargeld wird nun von vielen Österreichern überdacht.

Die Popularität des bargeld- und kontaktlosen Bezahlens steigt auch, weil derzeit ja vor allem viele Einsatzmöglichkeiten von Cash beschränkt sind – etwa Kaffeehäuser oder der Würstlstand ums Eck. Dabei ist weniger die Angst vor einer Übertragung der Viren über das Geld selbst ausschlaggebend, denn laut Virologen könnte es kaum auf den Scheinen oder Münzen haften bleiben. Vielmehr ist es die Nähe zu anderen Personen während des Bezahlens, die hier zu beachten ist. Beim Zahlen mit Karte kommen wir ja nur dem Bezahlterminal näher.

Interessanter Nebeneffekt: Während Bezahlen mit Karten oder Smartphone immer beliebter wird, legen sich viele Österreicher daheim einen Vorrat an Bargeld an. Die Banken mussten Mitte März teils die Ausgabe von Banknoten beschränken, weil zu viele Personen Bargeld abheben wollten. Statt wie üblich rund 200 Millionen Euro an Cash pro Tag mussten die heimischen Banken bis zur dreifachen Menge bereitstellen. Offenbar sollte das Bargeld für eine weitere Verschärfung der Krise daheim gebunkert werden.

Dennoch könnten die Erfahrungen, die in der Krise gemacht wurden, für das bargeldlose Zahlen in Österreich einen großen Schub bringen. So wird offensichtlich, dass die Sicherheitsrisiken dabei nicht hoch sind und generell sinkt die Scheu vor dem Einsatz von Karten, Smartphones oder Smartwatches beim Einkaufen in Geschäften oder auch in der Gastronomie. Dass das Bargeld indes ganz von der Bildfläche verschwinden könnte, ist unwahrscheinlich und auch gar nicht gewünscht.

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Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.