Finanzlexikon

Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.

D

Direktbank

Eine Direktbank ist eine Bank ohne Filialnetz. Hier liest du, wer sie beaufsichtigt, wie dein Geld geschützt ist und wann sie dir die KESt abzieht. Was du über Direktbanken wissen musst 🏦 Direktbank: Eine Direktbank betreut dich ohne Filialnetz über Internet, App, Telefon oder Post; hat sie ihren Sitz in Österreich, braucht sie eine Bankkonzession und untersteht wie jede Filialbank dem Bankwesengesetz und der Aufsicht von FMA und OeNB 💰 Einlagensicherung: Einlagen sind bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut gesichert; sitzt die Direktbank in einem anderen EU-Staat, zahlt dessen Sicherungssystem, und ist sie nur eine Marke deiner Hausbank, gilt die Grenze für beide Guthaben zusammen ✅ KESt: Hat die Direktbank ihren Sitz oder eine Zweigstelle in Österreich, zieht sie 25 % KESt von deinen Zinsen ab; fehlt beides, gibst du die Zinsen selbst in der Steuererklärung an, der Satz bleibt 25 % ⚠️ Neobank: „Neobank“ ist kein Rechtsbegriff; ist der Anbieter ein E-Geld-Institut und keine Bank, gilt dein Guthaben gesetzlich nicht als Einlage und wird nicht verzinst Du begegnest dem Begriff in Tagesgeld- und Festgeldvergleichen, beim Girokonto ohne Filiale und wenn du Erspartes vom Sparbuch deiner Hausbank zu einer Bank ohne Filiale umschichten willst. Was ist eine Direktbank? Eine Direktbank ist eine Bank, die ihre Geschäfte nicht über ein Filialnetz abwickelt, sondern über Direktkanäle wie Internet, App, Telefon oder Post. Kontoeröffnung, Überweisungen und Sparen erledigst du selbst, Rückfragen klärst du telefonisch oder schriftlich. Rechtlich ist eine Direktbank eine Bank wie jede andere. Sie braucht eine Bankkonzession, darf Einlagen entgegennehmen und ist Mitglied einer Einlagensicherung. Der Unterschied zur Filialbank liegt im Vertriebsweg. Ohne Filialen fallen bei einer Direktbank vor allem weniger Personalkosten an. Das ermöglicht ihr bessere Konditionen bei Zinsen oder Entgelten, verpflichtet sie aber nicht dazu. Ob ein Angebot tatsächlich günstiger ist, zeigt erst der Vergleich. Viele Direktbanken sind Töchter von Finanzkonzernen oder größeren Banken, manche treten nur als Marke einer bestehenden Bank auf. Für die Einlagensicherung zählt, ob sie eine eigene Konzession hat. Eröffnet eine Direktbank eine Beratungsstelle, ist das keine klassische Filiale. Direktbank, Filialbank, Neobank: der Unterschied Filialbank und Direktbank unterscheiden sich im Weg zu dir, nicht im Recht. Beide brauchen eine Konzession, beide unterliegen der Bankenaufsicht und beide müssen Mitglied einer Einlagensicherung sein. Die Filialbank bietet zusätzlich Beratung und Schalter vor Ort. Neobank ist ein Marktbegriff für digitale Anbieter, die ausschließlich per App und online arbeiten. Kein österreichisches Aufsichtsgesetz regelt Neobanken oder FinTechs als eigene Kategorie. Hinter einer Neobank kann eine Bank mit voller Konzession stehen, dann ist sie rechtlich eine Direktbank. Es kann aber auch ein E-Geld- oder Zahlungsinstitut sein, das ohne Bankkonzession arbeitet. Für dich zählt der Unterschied bei deinem Guthaben. Ein E-Geld-Institut darf keine Einlagen entgegennehmen. Was du dort auflädst, gilt nicht als Einlage und darf nicht verzinst werden (§ 3 Abs. 4 und 5 E-Geldgesetz 2010). Das Institut muss die Kundengelder nach eigenen Regeln sichern (§ 12 E-Geldgesetz 2010). Die Einlagensicherung schützt dagegen Einlagen, und ein E-Geld-Guthaben ist gesetzlich keine. Merkmal Filialbank Direktbank Neobank Kontakt Filiale, Online-Banking, Telefon Internet, App, Telefon, Post App und online Zulassung Bankkonzession Bankkonzession Bankkonzession oder Lizenz als E-Geld- bzw. Zahlungsinstitut Einlagen und Zinsen ja ja nur mit Bankkonzession Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Bank bis 100.000 Euro pro Person und Bank nur mit Bankkonzession; E-Geld-Guthaben sind keine Einlagen Stand: 15.09.2026. Quellen: OeNB, Glossar „Direktbank“; FMA, „Was ist FinTech?“ und „Konzession & Notifikation“; E-Geldgesetz 2010 § 3; ESAEG § 7. Wer eine Direktbank beaufsichtigt Hat die Direktbank ihren Sitz in Österreich, braucht sie für das Einlagengeschäft eine Bankkonzession (§ 1 Abs. 1 Z 1 in Verbindung mit § 4 Abs. 1 BWG). Die laufende Aufsicht teilen sich die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Banken, die als bedeutend eingestuft sind, beaufsichtigt die Europäische Zentralbank direkt. Hat die Direktbank ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), braucht sie keine österreichische Konzession. Die Zulassung in ihrem Herkunftsland berechtigt sie, auch in Österreich Bankgeschäfte anzubieten, entweder über eine Zweigstelle oder ohne Niederlassung im freien Dienstleistungsverkehr. Bevor sie startet, verständigt die Aufsichtsbehörde ihres Herkunftslandes die FMA (§ 9 BWG). Beaufsichtigt wird eine solche Bank von der Behörde ihres Herkunftslandes (Art. 49 Abs. 1 Richtlinie 2013/36/EU). Für ihr Geschäft in Österreich muss sie zusätzlich ausgewählte Vorschriften des Bankwesengesetzes einhalten. Sitz und zuständige Aufsichtsbehörde muss jede Bank auf ihrer Website leicht zugänglich angeben, meist im Impressum (§ 5 Abs. 1 E-Commerce-Gesetz). Dort siehst du vor der Kontoeröffnung, in welchem Land die Bank zu Hause ist. Einlagensicherung: Das Sitzland entscheidet Einlagen bei einer Direktbank sind genauso gesichert wie bei einer Filialbank: bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut (§ 7 Abs. 1 Z 5 ESAEG). Die EU hat diese Deckungssumme für alle Mitgliedstaaten vereinheitlicht (Richtlinie 2014/49/EU). Die österreichische Einlagensicherung zahlt im Sicherungsfall binnen sieben Arbeitstagen aus, einen Antrag musst du dafür nicht stellen. Welche Sicherungseinrichtung zahlt, hängt vom Sitz der Bank ab. Für eine Direktbank mit Sitz in Österreich ist es die österreichische Einlagensicherung. Für eine Bank aus einem anderen EU-Staat ist es das Sicherungssystem ihres Heimatstaates, auch wenn sie in Österreich eine Zweigstelle betreibt. Die Regeln sind in den meisten EU-Staaten im Wesentlichen gleich, im Detail kann es Abweichungen geben. Welches System für dein Geld zuständig ist, steht im Informationsbogen für Einleger. Die Bank muss ihn dir vor Vertragsabschluss aushändigen, bei einer Kontoeröffnung im Internet elektronisch. Die 100.000 Euro gelten pro Kreditinstitut, nicht pro Marke. Tritt eine Bank unter mehreren Marken auf, zählen alle Guthaben bei diesen Marken zusammen. Hast du 70.000 Euro bei deiner Hausbank und 50.000 Euro bei deren Direktbank-Marke, sind 100.000 Euro gedeckt und 20.000 Euro nicht. Hat die Direktbank eine eigene Konzession, sind beide Beträge voll gedeckt. Wie die Auszahlung abläuft und welche Sonderfälle es gibt, erklärt der Ratgeber zur Einlagensicherung in Österreich. KESt: Wann eine Direktbank steuereinfach ist Zinsen auf Guthaben bei Banken versteuerst du in Österreich mit 25 % Kapitalertragsteuer (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Wer die Steuer abführt, hängt wieder vom Sitz der Bank ab. Hat die Direktbank ihren Sitz in Österreich oder betreibt sie hier eine Zweigstelle, gelten ihre Zinsen als inländische Kapitalerträge (§ 93 Abs. 2 Z 1 EStG 1988). Die Bank zieht die KESt direkt ab, damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen in der Regel abgegolten. Im Marktjargon heißt so eine Bank steuereinfach. Bietet eine Bank aus einem anderen Staat ihre Konten ohne österreichische Zweigstelle an, zieht niemand die KESt ab. Dann musst du die Zinsen in deiner Einkommensteuererklärung angeben. Der Satz bleibt 25 %, getrennt von deinem übrigen Einkommen. Bekommst du im Jahr 400 Euro Zinsen, zahlst du darauf 100 Euro Steuer über die Veranlagung. Welche Beilage du dafür brauchst und was mit einer ausländischen Quellensteuer passiert, steht im Lexikoneintrag KESt in Österreich. Wann eine Direktbank zu dir passt und wann nicht Eine Direktbank passt Du erledigst Überweisungen, Daueraufträge und Sparen gern selbst online oder per App Du vergleichst Zinsen und Kontoentgelte selbst und wechselst, wenn ein Angebot besser zu dir passt Die Bank hat Sitz oder Zweigstelle in Österreich: Dann ist die KESt mit dem Abzug erledigt Eine Direktbank passt weniger Du willst persönliche Beratung in einer Filiale oder zahlst regelmäßig Bargeld am Schalter ein: Einen eigenen Schalter hat eine Direktbank nicht Die Bank sitzt im Ausland und hat keine Zweigstelle in Österreich: Du erklärst die Zinsen jedes Jahr selbst Grenzfall Marke: Ist die Direktbank eine Marke deiner Hausbank, teilen sich beide Konten eine Sicherungsgrenze von 100.000 Euro Grenzfall E-Geld: Ist der Anbieter ein E-Geld-Institut, ist dein Guthaben keine Einlage und bringt keine Zinsen Prüf vor jeder Kontoeröffnung bei einer Direktbank drei Dinge: den Sitz der Bank im Impressum, das Sicherungssystem im Informationsbogen für Einleger und ob die Bank die KESt für dich abzieht. Eine Direktbank ist eine vollwertige Bank ohne Filialen. Ob sie aus Österreich oder einem anderen EU-Staat kommt, ändert nichts an der Deckungssumme von 100.000 Euro, wohl aber daran, welche Sicherungseinrichtung zahlt und ob du die Zinsen selbst versteuerst. Bei Marken und E-Geld-Instituten lohnt sich ein zweiter Blick. Konkrete Empfehlung: Vergleich zuerst Zinsen und Entgelte, dann prüf Sitz, Sicherungssystem und KESt-Abzug. Aktuelle Angebote findest du im Tagesgeld-Vergleich für Österreich, bei Festgeld mit fixer Laufzeit und im Girokonto-Vergleich. Häufige Fragen zur Direktbank Was versteht man unter Direktbank? Unter einer Direktbank versteht man eine Bank ohne eigenes Filialnetz. Sie wickelt ihre Geschäfte über Internet, App, Telefon oder Post ab. Rechtlich ist sie eine vollwertige Bank mit Konzession, Bankenaufsicht und Einlagensicherung. Viele Direktbanken sind Töchter oder Marken größerer Banken. Was sind die Nachteile einer Direktbank? Du bekommst keine Beratung am Schalter und kannst Bargeld nicht in einer eigenen Filiale einzahlen. Hat die Bank weder Sitz noch Zweigstelle in Österreich, zieht sie keine KESt ab und du erklärst die Zinsen selbst. Ist die Direktbank nur eine Marke deiner Hausbank, teilen sich beide Konten die Einlagensicherung von 100.000 Euro. Welche Direktbanken gibt es in Österreich? Konten ohne Filiale bieten in Österreich drei Gruppen an: Direktbanken mit Sitz in Österreich, oft Töchter oder Marken heimischer Banken; Banken aus anderen EU-Staaten mit einer Zweigstelle in Österreich; und Banken aus anderen EU-Staaten, die ihre Konten ohne Niederlassung anbieten. Einzelne Banken stellt der Überblick über Banken in Österreich vor. Welche Direktbank ist gut? Das hängt davon ab, was du suchst: ein Girokonto, Tagesgeld oder Festgeld. Capitalo bewertet die Angebote in den Vergleichen mit dem Capitalo Score. Prüf zusätzlich Sitz, Sicherungssystem und KESt-Abzug, denn diese drei Punkte entscheiden, wie viel Aufwand dir das Konto neben den Zinsen macht. Ist mein Geld bei einer Direktbank geschützt? Ja, bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut, sofern es Einlagen bei einer Bank sind. Die Einlagensicherung gilt für Direktbanken genauso wie für Filialbanken. Bei einer Bank aus einem anderen EU-Staat zahlt das Sicherungssystem ihres Heimatstaates. Guthaben bei einem E-Geld-Institut sind keine Einlagen und fallen nicht darunter. Ist eine Neobank eine Direktbank? Nur wenn sie eine Bankkonzession hat. Neobank ist ein Marktbegriff für App-Anbieter, kein Rechtsbegriff. Hat der Anbieter eine volle Bankkonzession, ist er rechtlich eine Direktbank mit Einlagensicherung. Ist er ein E-Geld-Institut, darf er keine Einlagen annehmen und dein Guthaben nicht verzinsen. Rechtsstand: BWG §§ 1, 4 und 9, ESAEG § 7 und Anlage (Informationsbogen für Einleger), EStG 1988 §§ 27a und 93, E-Geldgesetz 2010 §§ 3 und 12 sowie E-Commerce-Gesetz § 5 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09. und 15.09.2026); Richtlinien 2014/49/EU und 2013/36/EU. Quellen: OeNB, Glossar „Direktbank“ und FAQ Einlagensicherung; FMA, „Einlagensicherung“, „Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit / EWR“ und „Bankenunion“; Bundesministerium für Finanzen, „Allgemeine Informationen zu Einkünften aus Kapitalvermögen“ (Stand 01.01.2026). Das Rechenbeispiel ist eine eigene Modellrechnung.

K

KESt (Kapitalertragsteuer)

Die KESt ist die Kapitalertragsteuer in Österreich. Hier erfährst du, welcher Satz für Zinsen und Wertpapiere gilt, wer sie abzieht und wann du selbst etwas tun musst. Was du über die KESt wissen musst 💰 Zwei Sätze: 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Banken (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Girokonto), 27,5 % auf Dividenden, Kursgewinne, Fondserträge, Anleihezinsen und Kryptowährungen (§ 27a Abs. 1 EStG 1988) 🏦 Endbesteuerung: Zieht eine inländische Bank oder ein inländischer Broker die KESt ab, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel abgegolten und du musst sie nicht in die Steuererklärung aufnehmen ⚠️ Ausland: Zieht deine Bank oder dein Broker keine österreichische KESt ab, musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben; der Sondersteuersatz von 25 bzw. 27,5 % gilt trotzdem 💡 Regelbesteuerungsoption: Wäre deine Steuer nach dem Einkommensteuertarif niedriger als die KESt, kannst du auf Antrag den Tarif anwenden lassen, allerdings nur für alle Kapitalerträge mit Sondersteuersatz gemeinsam Du begegnest der KESt auf dem Kontoauszug nach der Zinsgutschrift, auf der Abrechnung nach dem Verkauf von ETF-Anteilen und in Angeboten, die als „steuereinfach“ beworben werden. Was ist die Kapitalertragsteuer in Österreich? Die Kapitalertragsteuer (KESt) ist keine eigene Steuer, sondern eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen. Bei inländischen Kapitalerträgen wird die Einkommensteuer direkt an der Quelle erhoben: Die Bank oder die auszahlende Stelle behält die KESt ein und führt sie an das Finanzamt ab (§ 93 Abs. 1 EStG 1988). Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zählen vier Gruppen: Erträge aus der Überlassung von Kapital wie Zinsen und Dividenden, realisierte Wertsteigerungen wie Kursgewinne beim Verkauf, Einkünfte aus Derivaten und Einkünfte aus Kryptowährungen (§ 27 Abs. 1 EStG 1988). Für die meisten davon gilt ein fixer Sondersteuersatz. Er wird getrennt von deinem übrigen Einkommen angewendet und erhöht deshalb nicht den Steuersatz, mit dem dein Gehalt oder deine Pension besteuert wird. Nicht verwechseln: Die deutsche Abgeltungsteuer ist ein eigenes Steuerregime mit eigenen Regeln. Dieser Eintrag behandelt ausschließlich die österreichische KESt nach dem EStG 1988. KESt-Sätze: 25 % oder 27,5 %? Welcher Satz gilt, hängt nicht davon ab, ob ein Ertrag „Zinsen“ heißt, sondern woher er stammt. 25 % gelten für Geldeinlagen und nicht verbriefte Forderungen bei Kreditinstituten, 27,5 % für alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 27a Abs. 1 EStG 1988). Ertragsart Beispiele KESt-Satz Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Girokonto, Bauspareinlage 25 % Zinsen aus Wertpapieren öffentlich angebotene Anleihen und andere Forderungswertpapiere 27,5 % Dividenden und Fondserträge Aktien, ETFs, Investmentfonds, auch ausschüttungsgleiche Erträge 27,5 % Kursgewinne Verkauf von Aktien, ETFs, Anleihen und verbrieften Derivaten 27,5 % Kryptowährungen Gewinne aus dem Verkauf, laufende Einkünfte aus Kryptowährungen 27,5 % Keine KESt, sondern Einkommensteuertarif Privatdarlehen, echte stille Beteiligung, nicht verbriefte Derivate ohne freiwilligen Steuerabzug Tarif Stand: September 2026. Quelle: § 27a Abs. 1 und 2 EStG 1988 (RIS, Fassung gültig ab 20.07.2024), BMF „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026), oesterreich.gv.at (Stand 20.01.2026). Die häufigste Verwechslung betrifft Zinsen außerhalb des Bankkontos. Die Zinsen einer Anleihe und die Ausschüttungen eines Geldmarktfonds fallen unter 27,5 %, weil sie nicht aus einer Einlage bei einer Bank stammen. Nur was du einer Bank als Einlage überlässt, wird mit 25 % besteuert. Wer zieht die KESt ab? Endbesteuerung und „steuereinfach“ Die KESt zieht die inländische Stelle ab, die den Ertrag gutschreibt oder den Verkauf abwickelt: bei Sparzinsen die Bank, bei Wertpapieren die depotführende Bank oder der Broker, bei Kryptowährungen seit 2024 verpflichtend der inländische Kryptodienstleister. Bei Zinsen gilt auch die österreichische Zweigstelle einer ausländischen Bank als inländischer Schuldner (§ 93 Abs. 2 Z 1 EStG 1988). Mit diesem Abzug ist die Einkommensteuer auf die Erträge in der Regel abgegolten. Das nennt man Endbesteuerung: Du musst die Erträge nicht mehr in deine Steuererklärung aufnehmen (§ 97 Abs. 1 EStG 1988). Keine Abgeltung tritt ein, wenn die Bank nach einem Depotübertrag die Anschaffungskosten nicht kennt und mit pauschalen Werten rechnen muss; dann sind die Erträge in der Steuererklärung zu erfassen (§ 93 Abs. 4 EStG 1988). Im Marktjargon heißen Banken und Broker, die diesen Abzug übernehmen, „steuereinfach“. Welche Anbieter das beim Wertpapierhandel sind, zeigt der Überblick über steuereinfache Broker in Österreich. Rechenbeispiel: So viel KESt fällt an Fall Ertrag KESt Bleibt dir Sparbuchzinsen im Jahr 200 Euro 50 Euro (25 %) 150 Euro Kursgewinn beim Verkauf von ETF-Anteilen 1.000 Euro 275 Euro (27,5 %) 725 Euro Eigene Beispielrechnung mit den Sätzen nach § 27a Abs. 1 EStG 1988. Wie sich die KESt auf die Rendite über mehrere Laufzeiten auswirkt, rechnet der Ratgeber KESt auf Festgeld durch. Ausländische Bank oder ausländischer Broker: Wann du selbst erklären musst Ohne inländische Stelle gibt es keinen KESt-Abzug. Das betrifft typischerweise Zinsen einer Bank ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich und Erträge aus einem Depot bei einem ausländischen Broker. In diesen Fällen bist du verpflichtet, die Erträge in deiner Einkommensteuererklärung anzugeben; Kapitalerträge gehören in die Beilage E 1kv. Der Steuersatz ändert sich dadurch nicht. Auch in der Veranlagung gilt der jeweilige Sondersteuersatz von 25 bzw. 27,5 %, getrennt vom übrigen Einkommen. Hat der ausländische Staat bereits eine Quellensteuer einbehalten, kann sie nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen auf die österreichische Steuer angerechnet werden. Für den Zinsvergleich heißt das: Bei gleichem Zins ist die österreichische Steuer auf Sparzinsen gleich hoch, egal ob die Bank im In- oder Ausland sitzt. Der Unterschied liegt im Aufwand, denn die Erklärung erledigst du selbst, in jedem Jahr, in dem Zinsen fließen. Aktuelle Angebote findest du unter Tagesgeld-Angebote in Österreich und Festgeld mit fixer Laufzeit. Verlustausgleich: Was mit Verlusten passiert Verkaufst du Wertpapiere mit Verlust, verrechnet die depotführende Bank diesen Verlust automatisch mit Gewinnen und Erträgen aus allen deinen Depots bei derselben Bank (§ 93 Abs. 6 EStG 1988). Hat sie für frühere Gewinne schon KESt abgezogen, schreibt sie dir diese wieder gut; die Gutschrift ist mit 27,5 % des Verlusts gedeckelt. Ein Beispiel: Du verkaufst Aktie A mit 1.000 Euro Gewinn und Aktie B mit 400 Euro Verlust, beide im selben Depot und im selben Jahr. Die KESt fällt nur auf den Saldo von 600 Euro an. Das sind 165 Euro statt 275 Euro. Drei Grenzen gelten. Verluste aus Wertpapieren und Derivaten dürfen nicht mit Zinsen aus Bankeinlagen verrechnet werden (§ 27 Abs. 8 Z 1 EStG 1988). Verluste aus Kapitalvermögen lassen sich nicht mit anderen Einkunftsarten wie deinem Gehalt ausgleichen. Und ein Vortrag nicht verrechneter Verluste in spätere Jahre ist nicht möglich. Liegen deine Depots bei verschiedenen Banken, gleicht keine Bank die Verluste der anderen aus. Diesen Ausgleich holst du über die Verlustausgleichsoption in der Steuererklärung nach; zu viel abgezogene KESt wird dann angerechnet und erstattet (§ 97 Abs. 2 EStG 1988). Wie das im Depot konkret abläuft, erklärt der Ratgeber KESt auf Aktien und ETFs. Verluste aus Aktien, ETFs oder Anleihen kannst du nicht mit Zinsen vom Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld verrechnen. Findet ein Verlust im selben Jahr keine Gewinne oder Erträge, mit denen er verrechnet werden darf, verfällt er, weil ein Verlustvortrag nicht zulässig ist. Regelbesteuerungsoption: KESt zurückholen Für Menschen mit geringem Einkommen sind die Sondersteuersätze nicht immer günstig. Wäre deine Steuer nach dem progressiven Einkommensteuertarif niedriger als die KESt, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption beantragen (§ 27a Abs. 5 EStG 1988). Dann werden deine Kapitalerträge nach dem Tarif besteuert, die bereits abgezogene KESt wird angerechnet und der zu viel bezahlte Teil erstattet. Die Option gilt nur ganz oder gar nicht. Du kannst sie nicht für ein einzelnes Sparbuch oder Depot wählen, sondern nur für alle Kapitalerträge, die einem Sondersteuersatz unterliegen. Vermittelst du einen Alleinverdiener- oder Kinderabsetzbetrag, ist die Erstattung betraglich eingeschränkt. Kosten wie Depotgebühren oder Finanzierungskosten darfst du bei Kapitalerträgen mit Sondersteuersatz nicht abziehen, auch dann nicht, wenn du die Regelbesteuerungsoption wählst. Wann die KESt für dich erledigt ist und wann nicht Erledigt durch den Abzug Zinsen von Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld bei einer Bank mit Sitz oder Zweigstelle in Österreich Dividenden und Kursgewinne in einem Depot bei einem steuereinfachen Broker Gewinne und Verluste aus Wertpapieren in Depots bei derselben Bank Du musst selbst tätig werden Zinsen einer Bank ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich und Erträge aus einem Auslandsdepot: Angabe in der Steuererklärung Zinsen aus einem Privatdarlehen: keine KESt, Besteuerung nach dem Tarif Grenzfall Gemeinschaftsdepot: Für Depots mit mehreren Inhabern führt die Bank keinen automatischen Verlustausgleich durch (§ 93 Abs. 6 Z 4 lit. d EStG 1988); Verluste lassen sich nur über die Steuererklärung verrechnen Grenzfall Depotübertrag: Beauftragst du die bisherige Bank nicht, der neuen Bank die Anschaffungskosten mitzuteilen, kann der Übertrag steuerlich wie ein Verkauf behandelt werden (§ 27 Abs. 6 Z 2 EStG 1988); rechnet die neue Bank mangels Anschaffungskosten mit pauschalen Werten, entfällt die Endbesteuerung Für Sparerinnen und Sparer mit Konto bei einer österreichischen Bank ist die KESt ein erledigter Posten: 25 % gehen automatisch ans Finanzamt, mehr ist nicht zu tun. Wer ein Depot führt oder bei einer ausländischen Bank anlegt, braucht dagegen zwei Informationen vor dem Abschluss: welcher Satz auf den Ertrag fällt und ob der Anbieter die KESt abzieht. Konkrete Empfehlung: Prüfe vor jeder Kontoeröffnung und jedem Depotwechsel, ob der Anbieter die österreichische KESt einbehält. Wenn nicht, plane die jährliche Beilage E 1kv ein und lass beim Depotübertrag die Anschaffungskosten an die neue Bank übermitteln. Wenn du Depots in Österreich vergleichen willst, achte neben den Kosten auf genau diesen Punkt. Häufige Fragen zur KESt Wie hoch ist derzeit die KESt in Österreich? Die KESt beträgt 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen und nicht verbrieften Forderungen bei Kreditinstituten, also etwa auf Sparbuch-, Tagesgeld-, Festgeld- und Girokontozinsen. Für alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen, darunter Dividenden, Kursgewinne, Fondserträge, Anleihezinsen und Kryptowährungen, beträgt sie 27,5 % (§ 27a Abs. 1 EStG 1988, Stand September 2026). Was ist die KESt leicht erklärt? Die KESt ist die Steuer auf Erträge aus deinem Geld: Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapieren oder Kryptowährungen. Eine österreichische Bank oder ein österreichischer Broker zieht sie direkt vom Ertrag ab und überweist sie an das Finanzamt. Damit ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt. Wann muss man KESt bezahlen? Bei einer inländischen Bank oder einem inländischen Broker zahlst du die KESt nicht selbst: Sie wird abgezogen, sobald dir der Ertrag zufließt, etwa bei der Zinsgutschrift, der Ausschüttung oder dem Verkauf. Nur wenn kein Abzug erfolgt, etwa bei einer ausländischen Bank, erklärst du die Erträge in der Einkommensteuererklärung für das betreffende Jahr, und das Finanzamt setzt die Steuer fest. Wie rechnet man KESt aus? Du multiplizierst den Ertrag mit dem Satz: Zinsen aus Bankeinlagen mit 25 %, alle anderen Kapitalerträge mit 27,5 %. Bei Kursgewinnen ist der Ertrag der Unterschied zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten. 200 Euro Sparzinsen ergeben 50 Euro KESt, 1.000 Euro Kursgewinn ergeben 275 Euro KESt. Gibt es einen Freibetrag bei der KESt? Nein. Einen Freibetrag, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben, sieht das EStG 1988 bei der KESt nicht vor. Besteuert wird der bezogene Ertrag, Kosten wie Depotgebühren darfst du nicht abziehen. Liegt dein Einkommen so niedrig, dass der Tarif günstiger wäre, kannst du dir zu viel bezahlte KESt über die Regelbesteuerungsoption zurückholen. Wie viel Steuern bei 100.000 Euro Gewinn? Handelt es sich um 100.000 Euro Kursgewinn aus Wertpapieren oder Kryptowährungen, fallen 27,5 % an, also 27.500 Euro KESt. Stammen die 100.000 Euro aus Zinsen auf Bankeinlagen, sind es 25 %, also 25.000 Euro. Der Sondersteuersatz gilt unabhängig von deinem übrigen Einkommen, es sei denn, du wählst die Regelbesteuerungsoption. Muss ich Zinsen einer ausländischen Bank selbst versteuern? Ja, wenn die Bank keine österreichische KESt abzieht. Das ist bei Banken ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich der Regelfall. Du gibst die Zinsen dann in der Einkommensteuererklärung an (Beilage E 1kv), besteuert werden sie mit demselben Satz von 25 % wie bei einer inländischen Bank. Rechtsstand: EStG 1988 §§ 27, 27a, 93 und 97 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 10.09.2026). Quellen: Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026) und „Allgemeine Informationen zu Einkünften aus Kapitalvermögen“; oesterreich.gv.at, „Kapitalertragsteuer (KESt)“ (Stand 20.01.2026); BMF-Findok, Erlass zur Besteuerung von Kapitalvermögen; Wirtschaftskammer Österreich, „Besteuerung von Kapitalvermögen“. Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.

P

Prolongation

Prolongation heißt Verlängerung. In Österreich begegnet dir das Wort an drei Stellen: beim Kredit, bei einer befristeten Geldanlage und in der Versicherung. An jeder hängt eine andere Handlung für dich daran. Begriff: Eine Prolongation ist die Verlängerung eines befristeten Vertrags über sein ursprüngliches Ende hinaus, bei Krediten genauso wie bei Termineinlagen und Versicherungen. Kredit: Du verlängerst beim bisherigen Institut, statt zu einem anderen zu wechseln. Zustande kommt das nur, wenn beide Seiten zustimmen. Automatisch: Dass dein Schweigen als Zustimmung gilt, bindet dich nur, wenn dich das Institut vor Beginn der Frist gesondert darauf hingewiesen hat und du eine angemessene Frist zum Widerspruch hattest (§ 6 Abs. 1 Z 2 Konsumentenschutzgesetz). Steuer: Auf die Zinsen einer verlängerten Termineinlage fallen 25 % Kapitalertragsteuer an, weil es Zinsen aus einer Geldeinlage bei einem Kreditinstitut sind. Was eine Prolongation ist Eine Prolongation ist die Verlängerung eines Vertrags, der ein festes Ende hat. Das Wort geht auf das lateinische prolongare zurück, „verlängern". Das zugehörige Verb heißt prolongieren. Verlängert wird dabei eine bestehende Vertragsbeziehung, statt sie zu beenden und neu zu beginnen. Laufzeit und Konditionen werden für die kommende Periode neu festgelegt, die Beziehung zwischen dir und dem Institut läuft weiter. Ob juristisch derselbe Vertrag fortbesteht oder ein neuer entsteht, hängt vom Einzelfall ab. Für dich zählt, dass die Bindung weiterläuft und dass der alte Zinssatz damit endet. Genau darin liegt der Unterschied, der in der Praxis Geld kostet oder bringt. Eine Prolongation überträgt deine alten Konditionen nicht, sondern setzt die des Verlängerungstages. Wo dir der Begriff in Österreich begegnet KontextWas verlängert wirdWas du tun musst Kredit und FinanzierungLaufzeit oder Zinsperiode eines noch offenen KreditsDas Angebot prüfen und aktiv annehmen oder ablehnen Termineinlage und FestgeldAnlagedauer deines gebundenen GuthabensWidersprechen, wenn du am Laufzeitende über das Geld verfügen willst VersicherungDas Versicherungsjahr eines befristeten VertragsRechtzeitig kündigen, wenn der Vertrag enden soll Der Versicherungsfall ist der, der am häufigsten mit dem Bankfall verwechselt wird. Dort verlängert eine Verlängerungsklausel den Vertrag um eine weitere Periode, wenn du nicht rechtzeitig kündigst. Der Mechanismus ist derselbe wie bei einer Termineinlage, die Folge ist eine andere: Du bleibst versichert und zahlst weiter Prämie, statt dass Geld gebunden bleibt. Prolongation bei Kredit und Finanzierung Bei einem Kredit meint Prolongation die Verlängerung beim bisherigen Institut. Der Anlass ist fast immer derselbe: Die vereinbarte Laufzeit oder die Fixzinsphase endet, und ein Teil der Schuld ist noch offen. Dann hast du zwei Wege: verlängern, oder zu einem anderen Anbieter wechseln und dort umschulden. Eine Prolongation ist dabei eine Vereinbarung, kein Anspruch. Die Bank muss dir keine anbieten, und du musst keine annehmen. Kommt keine zustande, wird die offene Schuld fällig oder es gilt, was für diesen Fall im Vertrag steht. Der Unterschied zur Umschuldung ist weniger ein rechtlicher als ein praktischer. Beim Wechsel schließt du einen Vertrag mit einem neuen Institut und hast dafür ein zweites Angebot in der Hand, das du dem ersten entgegenhalten kannst. Bei der Prolongation bleibst du, wo du bist, und verhandelst ohne diesen Hebel. Welcher gesetzliche Rahmen gilt, hängt an der Kreditart. Für Hypothekar- und Immobilienkredite an Verbraucher gilt das Hypothekar- und Immobilienkreditgesetz. Für sonstige Verbraucherkredite gilt bis 19. November 2026 das Verbraucherkreditgesetz aus dem Jahr 2010; ab 20. November 2026 löst das Verbraucherkreditgesetz 2026 es ab, das im Juni 2026 kundgemacht wurde. Automatische Prolongation bei Festgeld und Termineinlage Bei einer Termineinlage, für die sich der Name Festgeld eingebürgert hat, legst du einen Betrag für eine feste Dauer an. Am Ende dieser Dauer passiert eines von zwei Dingen: Die Bank überweist Kapital und Zinsen auf dein Referenzkonto, oder sie legt beides für eine weitere Periode an. Der zweite Fall ist die Prolongation. Verlängert wird zu den Konditionen, die am Tag der Verlängerung gelten. Werden die Zinsen mitverlängert statt ausgezahlt, verzinsen sie sich in der neuen Periode mit. Das ist der Zinseszinseffekt, der bei längeren Laufzeiten spürbar wird. Viele Festgeldangebote in Österreich kommen von einer Direktbank oder von einer Bank aus einem anderen EU-Land. Dann erreicht dich der Hinweis auf die bevorstehende Verlängerung über ein Online-Postfach oder per E-Mail. Genau dort geht er am ehesten unter. Wann dich eine automatische Verlängerung bindet Dass Schweigen als Zustimmung gilt, ist in Österreich nicht selbstverständlich. Das Konsumentenschutzgesetz erklärt eine Klausel, nach der ein bestimmtes Verhalten als Abgabe oder Nichtabgabe einer Erklärung gilt, gegenüber Verbrauchern für nicht verbindlich, es sei denn, du wirst bei Beginn der dafür vorgesehenen Frist besonders auf die Bedeutung deines Verhaltens hingewiesen und hast für eine ausdrückliche Erklärung eine angemessene Frist (§ 6 Abs. 1 Z 2). Daraus ergeben sich drei Punkte, an denen du eine Verlängerungsklausel prüfen kannst: Der Hinweis muss gesondert kommen, vor Beginn der Frist. Ein Satz in den Geschäftsbedingungen, den du bei der Eröffnung akzeptiert hast, genügt dafür nicht. Die Frist muss angemessen und im Vertrag konkret benannt sein. Eine Klausel, die dir nur „eine angemessene Frist" zusagt, ohne eine Dauer zu nennen, reicht nicht aus. Die automatische Verlängerung muss schon im Vertrag vereinbart sein. Dass dir die Bank faktisch eine Widerspruchsmöglichkeit einräumt, ersetzt diese Vereinbarung nicht. Fehlt einer dieser Punkte, kommt keine Verlängerung zustande: Der Vertrag endet zum ursprünglich vereinbarten Termin. An die Form des Hinweises stellt die Rechtsprechung dabei einen klaren Anspruch: Eine beiläufige Nachricht, aus deren Betreff und Text nicht hervorgeht, dass es um die Verlängerung geht, erfüllt die Pflicht nicht. Auch ein Sparbuch mit Bindungsfrist kann eine feste Laufzeit haben und sich danach verlängern. Die Frage nach dem gesonderten Hinweis stellt sich dort genauso. Trag dir das Laufzeitende selbst in den Kalender, mit mindestens einem Monat Vorlauf. Der Hinweis der Bank kann untergehen, dein eigener Termin nicht. Ob eine Verlängerung für dich passt, entscheidet sich am Zinsniveau des Verlängerungstages. Im Festgeld-Vergleich für Österreich siehst du, was aktuell möglich ist; wenn du dich gar nicht binden willst, ist Tagesgeld ohne feste Bindung die Alternative. Was die Verlängerung steuerlich bedeutet Die Zinsen der neuen Periode sind steuerpflichtig wie die alten. Für Zinsen aus Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Geldforderungen bei Kreditinstituten gilt ein besonderer Steuersatz von 25 % (§ 27a Abs. 1 Z 1 Einkommensteuergesetz 1988). Das Finanzministerium zählt Termineinlagen, also Festgelder, ausdrücklich zu diesen Einlagen. Eine inländische auszahlende Stelle behält die Kapitalertragsteuer gleich ein und führt sie ab. Gibt es keine solche Stelle, etwa bei Zinsen einer ausländischen Bank ohne österreichische Abwicklung, nimmst du die Zinsen selbst in die Steuererklärung auf. Der besondere Steuersatz bleibt dabei derselbe. Für übrige Kapitalerträge beträgt der besondere Steuersatz 27,5 %. Deshalb ist die Verlängerung einer Einlage steuerlich etwas anderes als die Entscheidung, das freigewordene Geld in ein Wertpapier zu stecken: Dieselbe Rendite vor Steuern bleibt nach Steuern unterschiedlich viel übrig. Wann eine Prolongation passt und wann nicht Kein Aufwand: keine neue Legitimation, kein zweites Referenzkonto, keine Unterlagen Keine Lücke: Das Geld liegt nicht mehrere Tage unverzinst herum, während du einen neuen Vertrag abschließt Kein erneutes Prüfen von Einlagensicherung, Bedingungen und Abwicklung eines dir unbekannten Anbieters Der neue Zinssatz ist der des Verlängerungstages; dein alter Satz ist weg, auch wenn er besser war Ohne Vergleich siehst du nicht, was andere Anbieter zum selben Zeitpunkt bieten Beim Kredit verhandelst du ohne Gegenangebot Bei einer Termineinlage bindest du dich erneut, je nach Vertrag ohne die Möglichkeit, vorzeitig zu verfügen Der Fall, der am häufigsten schiefgeht: Deine Termineinlage über zwölf Monate verlängert sich automatisch, und drei Monate später brauchst du das Geld für eine geplante Zahlung. Bei Festgeld ist die vorzeitige Verfügung je nach Vertrag ausgeschlossen oder nur mit Abschlag möglich. Dann kommst du erst am Ende der neuen Laufzeit wieder heran. Prüfe vor dem Laufzeitende deshalb nicht nur den Zinssatz, sondern deinen Zahlungsplan für die kommende Periode. Behandle das Laufzeitende als Termin, nicht als Formsache. Wer den Hinweis der Bank abwartet, entscheidet unter Zeitdruck über eine Bindung, die länger dauert als die Überlegung dazu. Ein Monat Vorlauf reicht, um den aktuellen Zins zu vergleichen, deinen Zahlungsbedarf für die nächste Periode durchzugehen und dann entweder zu widersprechen oder bewusst zu verlängern. Und wenn dich eine Verlängerung überrascht hat, ohne dass du vorher gesondert gewarnt wurdest: Das ist kein Detail, sondern genau der Punkt, an dem die Klausel dich nicht bindet. Häufige Fragen Was versteht man unter Prolongation? Die Verlängerung eines befristeten Vertrags über sein ursprüngliches Ende hinaus. Im Bankbereich betrifft das vor allem zwei Fälle: die Verlängerung eines noch offenen Kredits beim bisherigen Institut und die Weiterveranlagung einer Termineinlage nach Ablauf der Laufzeit. In der Versicherung meint der Begriff die Verlängerung des Vertrags um eine weitere Periode. Was bedeutet das Wort prolongieren? Prolongieren heißt verlängern, vom lateinischen prolongare. Prolongierst du eine Anlage, läuft sie für eine weitere Periode weiter, statt am vereinbarten Termin zu enden. Außerhalb der Finanzwelt wird dasselbe Wort auch in der Sprachheilkunde verwendet, dort mit einer völlig anderen Bedeutung. Was bedeutet automatische Prolongation? Dass sich der Vertrag von selbst verlängert, wenn du nicht rechtzeitig widersprichst. Gegenüber Verbrauchern bindet eine solche Klausel in Österreich nur, wenn du vor Beginn der Widerspruchsfrist gesondert auf die Bedeutung deines Schweigens hingewiesen wurdest und für eine ausdrückliche Erklärung eine angemessene Frist hattest (§ 6 Abs. 1 Z 2 Konsumentenschutzgesetz). Fehlt der Hinweis, endet der Vertrag zum ursprünglichen Termin. Was bedeutet keine Prolongation bei Festgeld? Dass sich die Anlage am Laufzeitende nicht verlängert. Kapital und Zinsen gehen stattdessen auf dein Referenzkonto, die Bindung ist beendet, und du entscheidest neu, ob und wo du das Geld wieder anlegst. Diese Variante wählst du entweder gleich beim Abschluss oder später durch rechtzeitigen Widerspruch gegen die Verlängerung. Stand: 16. September 2026. Quellen: § 6 Abs. 1 Z 2 Konsumentenschutzgesetz und § 27a Abs. 1 Einkommensteuergesetz 1988, jeweils in der tagesaktuellen Fassung im Rechtsinformationssystem des Bundes; Bundesministerium für Finanzen zur Besteuerung von Kapitalerträgen; Internet Ombudsstelle und Wirtschaftskammer Österreich zur automatischen Vertragsverlängerung; Bundesgesetzblatt I Nr. 36/2026 und Parlament Österreich zum Verbraucherkreditgesetz 2026.

R

Realzins

Der Realzins ist der Zins, der dir nach Abzug der Inflation bleibt. Hier erfährst du, wie du ihn in drei Rechenschritten ermittelst, welche der beiden österreichischen Inflationsraten du dafür nimmst und warum die KESt schon vor der Inflationsbereinigung zuschlägt. Was du über den Realzins wissen musst 📉 Definition: Der Realzins ist der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate. Er zeigt, ob dein Guthaben in einem Jahr Kaufkraft gewinnt oder verliert. Wir rechnen bei Capitalo mit dieser einfachen Differenz und vor Steuern, so wie es die Oesterreichische Nationalbank und das Finanzbildungsportal Finanznavi des Bundes tun. 🇦🇹 Welche Inflationsrate: Für Österreich zählt der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria. Der harmonisierte Index (HVPI) misst dieselben Preise mit anderer Gewichtung und liefert eine andere Rate: im Juli 2026 waren es 2,8 % nach VPI und 2,7 % nach HVPI. 💰 KESt vor Inflation: Auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten fallen 25 % Kapitalertragsteuer an (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988), auf übrige Kapitalerträge 27,5 %. Abgezogen wird vom vollen Zins, nicht vom realen Ertrag. Einen Freibetrag wie in Deutschland gibt es dafür nicht; wer unter 25 % Durchschnittssteuersatz liegt, holt sich einen Teil über die Regelbesteuerungsoption zurück. ⚠️ Negativer Realzins: Liegt die Inflationsrate über deinem Zins, wächst dein Kontostand und seine Kaufkraft schrumpft. Die OeNB hat für täglich fällige Einlagen privater Haushalte von Dezember 1995 bis Jänner 2017 in 193 von 254 Monaten eine negative inflationsbereinigte Verzinsung gemessen. Was ist der Realzins? Der Realzins ist die Verzinsung einer Geldanlage, bereinigt um die Preisentwicklung. Der Nominalzins ist dagegen der Satz, den du mit deiner Bank vereinbarst und der deinem Konto gutgeschrieben wird. Den Unterschied macht die Inflation: Steigen die Preise schneller als dein Guthaben, kannst du dir mit mehr Geld weniger kaufen. Bei Capitalo wird der Realzins als einfache Differenz dargestellt: Nominalzins minus Inflationsrate, und zwar vor Steuern. Das ist dieselbe Konvention, die das Finanzbildungsportal Finanznavi des Bundes verwendet und mit der die OeNB in ihren Analysen die inflationsbereinigte Verzinsung von Spareinlagen ausweist. Den Zins nach Abzug der KESt führen wir als eigene, ausdrücklich benannte Größe: als Realzins nach KESt. Wer beides vermischt, vergleicht Äpfel mit Birnen, sobald er eine Zahl aus einer Statistik neben eine Zahl aus einem Zinsrechner legt. Wie groß der Abstand über die Jahre wird, zeigt ein Modell. 10.000 EUR wachsen bei 3 % Zins mit jährlicher Gutschrift in 10 Jahren auf 13.439,16 EUR, weil der Zinseszins mitläuft. Steigen die Preise in derselben Zeit um 2 % pro Jahr, hat dieses Endkapital die Kaufkraft von 11.024,80 EUR in heutigem Geld. Von 3.439,16 EUR Zinsen bleiben real rund 1.025 EUR Zuwachs. Realzins berechnen: Faustformel und exakte Formel Die Rechnung lautet: Realzins = Nominalzins − Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt das 1,00 %. Diese Differenz ist die Form, in der der Realzins in Österreich üblicherweise kommuniziert wird, und sie reicht für den Vergleich zweier Zinsangebote aus. Daneben gibt es eine exakte Form, die Fisher-Gleichung: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Mit denselben Werten rechnest du 1,03 ÷ 1,02 = 1,009804, minus 1 ergibt 0,98 %. Die Differenz zwischen beiden Wegen beträgt hier 0,02 Prozentpunkte. Sie wächst mit der Inflationsrate und mit dem Abstand zwischen Zins und Inflation. Bei den Raten, die Österreich seit 2024 sieht, bleibt der Unterschied im Bereich von Hundertsteln; in einer Hochinflationsphase wird er sichtbar. Nominalzins (Modell) Inflationsrate (Modell) Realzins als Differenz Realzins nach Fisher Abweichung in Prozentpunkten 3,00 % 2,0 % 1,00 % 0,98 % 0,02 2,00 % 2,8 % −0,80 % −0,78 % 0,02 1,00 % 2,8 % −1,80 % −1,75 % 0,05 1,00 % 9,5 % −8,50 % −7,76 % 0,74 Modellrechnung. Sämtliche Zinssätze und Inflationsraten in dieser Tabelle sind Rechenwerte zur Veranschaulichung, keine Angebote einzelner Banken und keine Prognose. VPI oder HVPI: welche Inflationsrate du einsetzt Statistik Austria veröffentlicht für Österreich zwei Inflationsraten, die aus denselben Preisdaten stammen und sich in der Gewichtung unterscheiden. Der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) folgt dem Inländerkonzept und erfasst nur die Ausgaben der in Österreich lebenden Haushalte. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) folgt dem Inlandskonzept und zählt auch die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen in Österreich mit. Für dich als Sparerin oder Sparer ist der VPI die maßgebliche Größe. Er ist der nationale Inflationsmaßstab, er dient als Grundlage für Lohn- und Kollektivvertragsverhandlungen, und er steht in den Wertsicherungsklauseln, mit denen Mieten, Unterhaltszahlungen und Versicherungsbeiträge angepasst werden. Der HVPI ist die europäische Vergleichsgröße, an der sich die EZB bei ihren geldpolitischen Entscheidungen orientiert. Beide Indizes werden seit Jänner 2026 auf der Basis 2025 = 100 veröffentlicht. Die beiden Raten fallen selten gleich aus. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate nach VPI bei 2,8 %, nach HVPI bei 2,7 %. Statistik Austria nennt dafür konkrete Gründe: Instandhaltung von Wohnungen und Versicherungen haben im HVPI ein geringeres Gewicht und dämpften ihn, Flugtickets und Gastronomiedienstleistungen haben ein höheres Gewicht und hoben ihn an. Bei 3 % Nominalzins ergibt sich daraus ein Realzins von 0,20 % nach VPI und 0,30 % nach HVPI. Auf 20.000 EUR sind das 20 EUR Unterschied im Jahr, allein durch die Wahl der Kennzahl. Ein dritter Weg führt über die eigene Ausgabenstruktur. Wenn dein Haushalt deutlich anders einkauft als der Durchschnittswarenkorb, weicht deine persönliche Teuerung von der offiziellen Rate ab. Statistik Austria stellt dafür einen persönlichen Inflationsrechner bereit, dessen Ergebnis allerdings ausdrücklich kein verlautbarter Indikator für vertragliche Wertsicherungen ist. Stand: September 2026. Quellen: Statistik Austria, Pressemitteilung „Inflation in Österreich im Juli 2026 bei 2,8 %“ vom 19.08.2026; Statistik Austria, Standarddokumentation VPI/HVPI und Factsheet zur Revision 2025. Realzins nach KESt: der Steuerabzug kommt zuerst Die Kapitalertragsteuer setzt am Nominalzins an, nicht am Realzins. Auf Zinsen aus Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Geldforderungen bei Kreditinstituten beträgt sie 25 % (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Darunter fallen Sparbuch, Girokonto, Termineinlage und Festgeld. Für alle übrigen Einkünfte aus Kapitalvermögen, etwa Zinsen aus Anleihen, Dividenden oder Fondserträge, gelten 27,5 %. Mehr dazu steht im Eintrag zur KESt. Die Bank behält die Steuer ein und führt sie an das Finanzamt ab, damit ist die Einkommensteuer auf diese Zinsen abgegolten. Einen Freibetrag, den du deiner Bank melden könntest, sieht das Gesetz dafür nicht vor: § 94 EStG 1988 zählt auf, in welchen Fällen kein KESt-Abzug stattfindet, und ein allgemeiner Freibetrag für private Sparzinsen steht nicht darunter. Das ist der Punkt, an dem sich Österreich von Deutschland unterscheidet, wo ein Sparerpauschbetrag die ersten Erträge steuerfrei stellt. Eine Entlastung gibt es trotzdem, aber über einen anderen Weg. Liegt dein Durchschnittssteuersatz unter 25 %, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption nach § 27a Abs. 5 EStG 1988 beantragen. Die einbehaltene KESt wird dann auf die Einkommensteuer angerechnet und ein Überhang rückerstattet. Die Option gilt nur für sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen gemeinsam, nicht für einzelne Konten. Den Realzins nach KESt rechnest du in zwei Schritten. Zuerst den Nettozins: Nominalzins × 0,75. Aus 3 % werden 2,25 %. Dann ziehst du die Inflationsrate ab: 2,25 % − 2,0 % ergibt 0,25 %. Nominalzins (Modell) Realzins vor Steuern Nettozins nach 25 % KESt Realzins nach KESt 2,00 % 0,00 % 1,50 % −0,50 % 3,00 % 1,00 % 2,25 % 0,25 % 4,00 % 2,00 % 3,00 % 1,00 % Modellrechnung bei 2,0 % Inflation, KESt 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen, ohne Regelbesteuerungsoption. Die Zinssätze sind Rechenwerte, keine Angebote einzelner Banken. In Euro wird der Effekt deutlicher. 1.000 EUR bringen bei 3 % Zins 30,00 EUR im Jahr. Davon gehen 7,50 EUR KESt ab, es bleiben 22,50 EUR. Bei 2 % Inflation brauchst du 20,00 EUR allein dafür, die Kaufkraft deiner 1.000 EUR zu halten. Real bleiben dir also 2,50 EUR statt 10,00 EUR: Die Steuer nimmt 25 % deiner Zinsen, aber 75 % deines realen Ertrags. Daraus folgt eine Schwelle, die sich leicht merken lässt. Damit dein Guthaben nach KESt real nicht verliert, muss der Zins mindestens die Inflationsrate geteilt durch 0,75 erreichen. Bei 2,0 % Inflation sind das 2,67 %, bei einer Rate wie im Juli 2026 von 2,8 % schon 3,73 %. Negativer Realzins in Österreich Ein negativer Realzins entsteht, wenn die Inflationsrate über dem Nominalzins liegt. Dein Kontostand wächst, seine Kaufkraft sinkt. Ein Modell mit der Juli-Rate 2026: 10.000 EUR zu 1 % Zins stehen nach einem Jahr bei 10.100,00 EUR. Bei 2,8 % Inflation entspricht das einer Kaufkraft von 9.824,90 EUR in heutigem Geld, der Realzins liegt bei −1,80 %. Historisch ist das in Österreich eher die Regel als die Ausnahme. Die OeNB hat die Einlagenzinsen privater Haushalte um die Inflation bereinigt und kam für den Zeitraum Dezember 1995 bis Jänner 2017 auf 193 negative Monate von 254, das sind 76 %. Bei längeren Bindungsfristen war der Anteil geringer: rund 20 % bei Einlagen mit mehr als zwei Jahren Laufzeit. In der Inflationsphase 2022 meldete die OeNB für täglich fällige Spareinlagen eine negative Realverzinsung von −5,8 % im Februar 2022, den tiefsten Wert seit April 1974 mit −6,2 %. Eine laufende amtliche Realzins-Zeitreihe für Österreich gibt es allerdings nicht. Die OeNB veröffentlicht monatlich die nominellen Einlagen- und Kreditzinssätze der österreichischen Kreditinstitute im Rahmen der EZB-Zinssatzstatistik; die Inflationsbereinigung nimmt sie nur in einzelnen Analysen vor. Den Realzins für deine Anlage rechnest du also selbst: nomineller Zins aus deinem Vertrag, Inflationsrate aus der jüngsten VPI-Veröffentlichung. Stand: September 2026. Quellen: OeNB, Inflation aktuell Q1/17, Schwerpunktthema zu inflationsbereinigten Einlagenzinsen; OeNB-Presseaussendung vom 28.03.2022; OeNB, EZB-Zinssatzstatistik. Die genannten Werte sind Durchschnitte aus der Zinssatzstatistik, keine Aussage über einzelne Angebote. Ex ante und ex post: erwarteter und tatsächlicher Realzins Bei einer Anlage mit fester Laufzeit kennst du den Nominalzins bei Abschluss, die Inflation der kommenden Jahre aber nicht. Rechnest du mit der erwarteten Inflation, erhältst du den Ex-ante-Realzins. Setzt du die tatsächlich eingetretene Rate ein, ergibt sich der Ex-post-Realzins. Die OeNB weist in ihren Auswertungen ausdrücklich Ex-post-Werte aus und bereinigt die Zinssätze mit jener Inflationsrate, die zwölf Monate später veröffentlicht wurde. Ein Modell zeigt den Unterschied. Du legst 10.000 EUR für 3 Jahre zu 3 % an und erwartest 2 % Inflation pro Jahr. Ex ante planst du mit einem realen Zuwachs auf 10.297,01 EUR in heutigem Geld. Steigen die Preise tatsächlich um 3 % pro Jahr, hat das Endkapital von 10.927,27 EUR genau die Kaufkraft deiner ursprünglichen 10.000 EUR. Für dein Termingeld heißt das: Der Zins ist über die Laufzeit fest, der Realzins nicht. Wo die Realzins-Rechnung trägt und wo sie an Grenzen stößt Der Realzins hilft dir, wenn du zwei Zinsangebote über mehrere Jahre vergleichst und wissen willst, ob dein Geld Kaufkraft gewinnt oder nur nominal wächst du entscheidest, wie lange du dich binden willst, denn bei fester Laufzeit steht nur der Nominalzins fest du einen Kredit bewertest: Die Rechnung gilt auch für Kreditkosten, 4 % Sollzins bei 2 % Inflation entsprechen real 2,00 % Die Rechnung stößt an Grenzen, wenn deine persönliche Teuerung vom Durchschnittswarenkorb abweicht, etwa weil du überdurchschnittlich viel für Wohnen oder Verkehr ausgibst deine Anlage länger als ein Jahr läuft, denn die Inflationsrate vergleicht nur einen Monat mit dem Vorjahresmonat die Preise sinken: Bei Deflation liegt der Realzins über dem Nominalzins, und eine Zinsgutschrift von 0 % wäre real positiv Vergleiche Zinsangebote am Realzins vor Steuern, wenn du zwei Angebote gegeneinander stellst. Rechne den Realzins nach KESt, sobald du wissen willst, was am Jahresende tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt. Unsere Einschätzung: Halte jeden angebotenen Zins gegen die aktuelle VPI-Rate, bevor du dich entscheidest. Liegt er darunter, verliert dein Geld an Kaufkraft, unabhängig davon, wie der Kontostand aussieht. Und rechne den Steuerabzug mit, bevor du eine Zinserhöhung für einen Gewinn hältst: Teile die Inflationsrate durch 0,75, dann kennst du den Zins, ab dem nach KESt real etwas übrig bleibt. Wie viel Zinsen dein Guthaben nominal bringt, rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner aus. Welche Zinsen es derzeit gibt, siehst du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Realzins Was ist der Unterschied zwischen Real- und Nominalzins? Der Nominalzins ist der Zinssatz, den deine Bank vereinbart und gutschreibt. Der Realzins ist dieser Zins nach Abzug der Inflationsrate und zeigt, ob dein Guthaben an Kaufkraft gewinnt. Bei 3 % Nominalzins und 2 % Inflation liegt der Realzins bei 1,00 %. Rechnest du exakt nach der Fisher-Gleichung, also 1,03 ÷ 1,02 − 1, ergibt sich 0,98 %. Wie berechne ich den Realzins in Österreich? Du ziehst vom Nominalzins deiner Anlage die Inflationsrate laut Verbraucherpreisindex der Statistik Austria ab. Willst du den Realzins nach Steuern wissen, multiplizierst du den Nominalzins zuerst mit 0,75, weil auf Zinsen aus Geldeinlagen 25 % KESt anfallen, und ziehst danach die Inflationsrate ab. Aus 3 % Zins werden so 2,25 % Nettozins und bei 2 % Inflation 0,25 % Realzins nach KESt. Welche Inflationsrate gilt für Österreich, VPI oder HVPI? Für österreichische Fragestellungen zählt der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria. Er erfasst nur die Ausgaben der in Österreich lebenden Haushalte und ist die Grundlage für Wertsicherungsklauseln und Lohnverhandlungen. Der harmonisierte Index (HVPI) bezieht auch die Ausgaben ausländischer Gäste ein und dient dem EU-Vergleich sowie der EZB. Im Juli 2026 lag die Rate nach VPI bei 2,8 % und nach HVPI bei 2,7 %. Wird bei der KESt die Inflation berücksichtigt? Nein. Die Kapitalertragsteuer von 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten fällt auf den vollen gutgeschriebenen Zins an, einen Abzug für den Kaufkraftverlust sieht das EStG 1988 nicht vor. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation nimmt die Steuer deshalb 25 % deiner Zinsen, aber 75 % deines realen Ertrags. Liegt dein Durchschnittssteuersatz unter 25 %, kannst du über die Regelbesteuerungsoption einen Teil zurückholen. Was bedeutet ein negativer Realzins? Ein negativer Realzins bedeutet, dass die Preise schneller steigen, als dein Guthaben verzinst wird. Dein Kontostand wächst, du kannst dir damit aber weniger kaufen als vorher. 10.000 EUR zu 1 % Zins haben bei 2,8 % Inflation nach einem Jahr die Kaufkraft von 9.824,90 EUR, obwohl 10.100,00 EUR auf dem Konto stehen. Stand: September 2026. Quellen: § 27a und § 94 EStG 1988 (RIS, Fassung vom 16.09.2026); Bundesministerium für Finanzen, Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge, Stand 1. Jänner 2026; oesterreich.gv.at, Kapitalertragsteuer (KESt), Stand 20.01.2026; Statistik Austria, Verbraucherpreisindex (VPI/HVPI) und Pressemitteilung vom 19.08.2026; Oesterreichische Nationalbank, Inflation aktuell Q1/17 und Presseaussendung vom 28.03.2022; Finanznavi (Nationale Finanzbildungsstrategie), Glossareintrag Realzins. Alle Zinssätze in den Rechenbeispielen sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.

Referenzkonto

Ein Referenzkonto ist das auf deinen Namen lautende Zahlungskonto, das du bei der Eröffnung eines Sparkontos, eines Festgelds oder eines Depots angibst. Auszahlungen gehen nur auf dieses eine Konto. Hier liest du, welche Konten in Österreich zugelassen sind, warum kein Gesetz die Bindung vorschreibt und wie du das Konto wechselst. Was du über das Referenzkonto wissen musst 🏦 Definition: Das Referenzkonto ist ein Zahlungskonto auf deinen Namen, meist dein Giro- oder Gehaltskonto. Österreichische Banken lassen Auszahlungen aus Sparkonten, Festgeldern und Depots nur auf dieses Konto laufen. ⚖️ Rechtsgrundlage: Keine. Kein österreichisches Gesetz schreibt ein Referenzkonto vor, die Bindung steht in den Bedingungen der Banken. Nur wenn eine Bank bei der Eröffnung auf den Ausweis verzichtet, muss die erste Zahlung über ein Konto auf deinen Namen laufen (§ 6 Abs 4 Z 4 FM-GwG). 📕 Sparbuch: Ein klassisches Sparbuch scheidet als Referenzkonto aus. Über eine Spareinlage darf nicht per Überweisung verfügt werden, eine Überweisung auf die Spareinlage ist dagegen zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). 🔁 Wechsel: Der gesetzliche Kontowechsel-Service (§§ 14 bis 20 VZKG) gilt nur für Zahlungskonten. Dein Sparkonto ist keines, deshalb musst du ein neues Referenzkonto bei jeder Anlagebank einzeln melden. Was ist ein Referenzkonto? Ein Referenzkonto, in österreichischen Bedingungen auch Referenzbankverbindung genannt, ist ein auf dich lautendes Zahlungskonto, das du bei der Eröffnung eines Anlagekontos bekannt gibst. Über dieses Konto zahlst du ein, dorthin zahlt die Bank aus, an ein anderes Konto überweist sie vom Anlagekonto aus nicht. Der Begriff beschreibt eine Rolle, keine Kontoart. Dein Gehaltskonto wird zum Referenzkonto, sobald du es als Gegenkonto hinterlegst, und kann diese Rolle für mehrere Anlagen bei verschiedenen Banken gleichzeitig übernehmen. Ein Tagesgeldkonto in Österreich ist ein Anlagekonto und dient nicht dem Zahlungsverkehr. Es kann weder Miete überweisen noch Lastschriften einlösen. Willst du über das Guthaben verfügen, überweist du es zuerst auf dein Referenzkonto und zahlst von dort. Bei Festgeld, das in den Bedingungen oft Termingeld heißt, gehen Kapital und Zinsen am Ende der Bindungsfrist denselben Weg. Dass ein solches Sparkonto rechtlich kein Zahlungskonto ist, hat der Europäische Gerichtshof für einen österreichischen Fall entschieden: Ein Sparkonto mit täglicher Fälligkeit, auf das und von dem Einzahlungen und Abhebungen nur über ein Girokonto möglich sind, fällt nicht unter den Begriff Zahlungskonto (Urteil vom 04.10.2018, C-191/17). Der Oberste Gerichtshof hat daraus gezogen, dass das Zahlungsdienstegesetz auf solche Online-Sparkonten nicht anwendbar ist (4 Ob 207/18x vom 27.11.2018). Für dich heißt das: Dein Sparkonto lebt nach den Bedingungen der Bank, nicht nach den Regeln für Zahlungskonten. Schreibt ein Gesetz das Referenzkonto vor? Nein. In keinem österreichischen Gesetz steht, dass du für ein Sparkonto, ein Festgeld oder ein Depot ein Referenzkonto angeben musst. Die Pflicht stammt aus den Sonderbedingungen der Banken. Weder das Bankwesengesetz noch das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz noch das Zahlungsdienstegesetz 2018 kennen den Begriff in dieser Form. Eine einzige Stelle im Geldwäscherecht verlangt ein Konto auf deinen Namen, und sie zielt auf etwas anderes. Eröffnest du ohne persönlichen Kontakt, darf die Bank die persönliche Vorlage des Lichtbildausweises durch eine von vier Sicherungsmaßnahmen ersetzen: Online-Identifikation per Video, elektronischer Ausweis, qualifizierte elektronische Signatur samt Ausweiskopie oder die Abwicklung der ersten Zahlung über ein Konto, das im Namen des Kunden bei einem Kreditinstitut eröffnet wurde (§ 6 Abs 4 FM-GwG). Nur die vierte Variante verlangt dieses Konto, sie betrifft die erste Einzahlung, nicht die Auszahlung, und sie steht zur Wahl. Eine Bank, die dich per Video oder ID Austria identifiziert, braucht sie nicht. Die Banken selbst begründen die Bindung mit Sicherheit: Weil Auszahlungen nur auf ein Konto auf deinen Namen gehen, kann jemand mit gestohlenen Zugangsdaten das Guthaben nicht auf ein fremdes Konto umleiten. Das ist ein nachvollziehbares Argument, aber ein vertragliches, kein gesetzliches. Stand: 16.09.2026. Quellen: § 6 Abs 4 FM-GwG und § 32 BWG in der geltenden Fassung (RIS), EuGH 04.10.2018 C-191/17, OGH 27.11.2018 4 Ob 207/18x. Warum ein Sparbuch kein Referenzkonto sein kann Für das klassische Sparbuch gilt eine Regel, die es als Gegenkonto ausschließt. Über eine Spareinlage darf nicht durch Überweisung oder Scheck verfügt werden, eine Überweisung auf die Spareinlage ist dagegen ausdrücklich zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). Geld kommt also hinein, per Überweisung aber nicht wieder heraus. Ausnahmen bestehen nur, wenn ein Gericht das im Verlassenschafts-, Vormundschafts- oder Pflegschaftsverfahren anordnet. Dazu kommt: Auszahlungen aus einer Spareinlage dürfen nur gegen Vorlage der Sparurkunde geleistet werden (§ 32 Abs 2 BWG). Ein Konto, bei dem du für jede Auszahlung das Buch vorlegen musst, taugt nicht als automatisches Auszahlungsziel. Wie das Sparbuch im Detail funktioniert, liest du im eigenen Eintrag. Online-Sparkonten funktionieren anders. Deren Bedingungen sehen den Kontoübertrag auf das Referenzkonto ausdrücklich vor, und viele Banken erlauben zusätzlich eine Barauszahlung am Schalter an den Kontoinhaber selbst, nicht aber an Bevollmächtigte oder Zeichnungsberechtigte. Welche Konten österreichische Banken zulassen Die Bedingungen unterscheiden sich, diese vier Anforderungen findest du aber in fast allen: Zahlungskonto: Das Referenzkonto muss für den Zahlungsverkehr geeignet sein, also in der Regel ein Giro- oder Gehaltskonto. Ein zweites Sparkonto erfüllt das meist nicht, weil es selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Auf deinen Namen: Ein Konto des Partners, der Eltern oder einer Firma akzeptieren die Banken für dein Einzelkonto nicht. Andere Bank erlaubt: Das Referenzkonto darf bei einer anderen Bank liegen als die Geldanlage. Genau so lag der Fall, den der Oberste Gerichtshof entschieden hat. SEPA-Raum: Viele österreichische Banken lassen jedes auf dich lautende Zahlungskonto im SEPA-Raum zu, nicht nur eines bei einer österreichischen Bank. Einzelne Institute beschränken sich auf Konten in Österreich, das steht in den Bedingungen. Bei Einzahlungen sind die Regeln uneinheitlicher. Manche Banken nehmen Überweisungen von jedem Konto auf deinen Namen an, andere buchen jede Einzahlung zurück, die nicht vom hinterlegten Referenzkonto kommt. Referenzkonto und Verrechnungskonto Beide Begriffe tauchen bei Depots nebeneinander auf und meinen nicht dasselbe. Das Verrechnungskonto liegt bei der Bank, die dein Depot führt, und bucht Käufe, Verkäufe, Dividenden und Zinsen. Das Referenzkonto ist dein Konto nach außen. Merkmal Referenzkonto Verrechnungskonto Wo es liegt bei einer Bank deiner Wahl, oft einer anderen als die Anlage bei der Bank, die Depot oder Geldanlage führt Wofür Ein- und Auszahlungen zwischen dir und der Anlage Abrechnung von Käufen, Verkäufen, Dividenden und Zinsen Wer es eröffnet du, meist besteht es schon die Bank, meist automatisch mit dem Depot Kontoart Zahlungskonto mit IBAN, meist Girokonto eigenes Konto der Depotbank, kein Zahlungskonto Stand: 16.09.2026. Grundlage: Vertragsbedingungen österreichischer Banken für Online-Sparkonten und Depots. Führst du Gehaltskonto und Depot bei derselben Bank, übernimmt oft dasselbe Haus beide Rollen. Ein getrenntes Gegenkonto brauchst du dann meist nicht. Bei einer Direktbank ohne eigenes Girokonto ist das Referenzkonto dagegen der einzige Weg, an dein Geld zu kommen. Gemeinschaftskonto als Referenzkonto Führst du ein Sparkonto zu zweit, regeln die Bedingungen, welches Gegenkonto zulässig ist. Die Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken in der Fassung 2026 lassen beide Wege zu: Das Referenzkonto kann ein Gemeinschaftskonto der Kontomitinhaber sein, oder jeder Mitinhaber legt für Auszahlungen ein eigenes, auf ihn lautendes Referenzkonto fest. Das ist mehr als eine Formalie. Liegt ein gemeinsames Konto dahinter, kann jeder Mitinhaber über ausgezahltes Geld verfügen. Legt jeder sein eigenes Gegenkonto fest, landet die Auszahlung dort, wo sie beantragt wurde. Welche Variante deine Bank anbietet, steht in ihren Bedingungen, nicht im Gesetz. Worauf du bei einem Gemeinschaftskonto in Österreich sonst achten solltest, zeigt der Vergleich. Referenzkonto ändern Der häufigste Anlass ist ein neues Gehaltskonto. Das neue Konto muss dieselben Bedingungen erfüllen wie das alte, vor allem auf deinen Namen lauten. 1 Neues Konto bereithalten Das neue Konto muss eröffnet und aktiv sein. Halte die IBAN bereit. 2 Bei jeder Anlagebank einzeln melden Du trägst das neue Konto im Electronic Banking der Anlagebank ein und gibst die Änderung frei, oder du reichst sie schriftlich ein. Manche Banken prüfen das Konto mit einer Testüberweisung über wenige Cent. 3 Bestätigung abwarten Bis die Änderung wirksam ist, zahlt die Bank noch auf das alte Konto aus. Erst danach gehen Auszahlungen an das neue Konto. Der gesetzliche Kontowechsel-Service nimmt dir diesen Schritt nicht ab. Er verpflichtet Zahlungsdienstleister, Daueraufträge, Lastschriftmandate und wiederkehrende Eingänge zwischen zwei Zahlungskonten zu übertragen (§§ 14 bis 20 VZKG), und er gilt nur für Konten, über die Zahlungen an Dritte und von Dritten laufen (§ 3 VZKG). Ein Sparkonto oder Depot erfüllt das nicht. Die dort hinterlegte Referenzbankverbindung musst du selbst ändern. Wie der Wechsel des Gehaltskontos abläuft, steht in der Anleitung zum Kontowechsel. Schließe dein altes Konto erst, wenn alle Anlagebanken das neue Referenzkonto bestätigt haben. Sonst geht die nächste Auszahlung an ein Konto, das es nicht mehr gibt, und du wartest auf die Rücküberweisung. Wann du ein Referenzkonto brauchst und wann nicht Ein Referenzkonto brauchst du für ein Sparkonto oder Tagesgeld bei einer Bank, bei der du kein Girokonto führst für Festgeld, weil Kapital und Zinsen am Ende der Bindungsfrist dorthin fließen für ein Depot bei einem Online-Broker oder einer Direktbank bei Anbietern aus dem EU-Ausland, die in Österreich keine Filiale haben Kein getrenntes Referenzkonto brauchst du wenn Gehaltskonto und Geldanlage bei derselben Bank liegen bei einem klassischen Sparbuch, über das du am Schalter gegen Vorlage der Sparurkunde verfügst bei einem Festgeld, das die Bank über dein bestehendes Sparkonto im selben Haus abwickelt: Es nutzt dessen Referenzkonto Unsere Einschätzung: Nimm ein einziges Gehaltskonto als festes Referenzkonto für alle Sparkonten, Festgelder und Depots. Dann weißt du immer, wo Auszahlungen ankommen, und musst bei einem Wechsel nur eine Liste abarbeiten. Führe diese Liste tatsächlich: Weil der gesetzliche Kontowechsel-Service Sparkonten nicht erfasst, merkt sich niemand außer dir, bei welchen Banken die alte IBAN hinterlegt ist. Wo du ein Konto ohne Bedingungen bekommst, zeigt der Girokonto-Vergleich, passende Anlagen der Tagesgeld-Vergleich und der Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Referenzkonto Was ist mit Referenzkonto gemeint? Gemeint ist das Zahlungskonto auf deinen Namen, das du bei der Eröffnung eines Sparkontos, Festgelds oder Depots angibst. Es ist das einzige Konto, an das die Anlagebank auszahlt. Bei Krediten und Kreditkarten heißt oft auch jenes Konto so, von dem die Bank Raten oder die Monatsabrechnung einzieht. Ist ein Girokonto ein Referenzkonto? Ein Giro- oder Gehaltskonto wird zum Referenzkonto, sobald du es bei einer Bank als Gegenkonto hinterlegst. Gleichbedeutend sind die Begriffe nicht: Girokonto beschreibt die Kontoart, Referenzkonto die Rolle. Weil die Banken ein Konto mit Zahlungsverkehr verlangen, ist es in der Praxis fast immer ein Girokonto. Kann ein Tagesgeldkonto ein Referenzkonto sein? Bei einer anderen Bank meist nicht, weil ein Tagesgeld- oder Sparkonto in Österreich nicht dem Zahlungsverkehr dient und selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Innerhalb einer Bank ist es anders: Dort dient ein täglich fälliges Sparkonto oft als Gegenkonto für ein Festgeld desselben Hauses. Kann mein Sparbuch das Referenzkonto sein? Nein. Über eine Spareinlage darf nicht durch Überweisung verfügt werden, eine Überweisung auf das Sparbuch ist dagegen zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). Auszahlungen setzen zudem die Vorlage der Sparurkunde voraus (§ 32 Abs 2 BWG). Als automatisches Auszahlungsziel scheidet das Sparbuch damit aus. Darf das Referenzkonto bei einer anderen Bank liegen? Ja, das ist der Normalfall. Österreichische Banken verlangen ein auf dich lautendes Zahlungskonto, viele lassen jedes Konto im SEPA-Raum zu. Genau diese Konstellation lag der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 27.11.2018 zugrunde, in der das Girokonto ausdrücklich auch bei einer anderen Bank liegen durfte. Einzelne Institute beschränken sich auf Konten in Österreich, das steht in ihren Bedingungen. Schreibt das Geldwäscherecht ein Referenzkonto vor? Nein. Das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz verlangt, dass die Bank dich identifiziert. Eröffnest du ohne persönlichen Kontakt, ist die Abwicklung der ersten Zahlung über ein Konto auf deinen Namen eine von vier zulässigen Sicherungsmaßnahmen (§ 6 Abs 4 FM-GwG), neben Video-Identifikation, elektronischem Ausweis und qualifizierter elektronischer Signatur. Sie betrifft die erste Einzahlung und ist keine dauerhafte Pflicht zum Gegenkonto. Wie ändere ich mein Referenzkonto? Du meldest das neue Konto bei jeder Anlagebank einzeln, im Electronic Banking oder schriftlich. Manche Banken prüfen es mit einer Testüberweisung. Der gesetzliche Kontowechsel-Service nach dem Verbraucherzahlungskontogesetz hilft dabei nicht, weil er nur zwischen Zahlungskonten wirkt. Bis die Änderung bestätigt ist, gehen Auszahlungen noch auf das alte Konto. Was gilt beim Gemeinschaftskonto? Das regeln die Bedingungen der jeweiligen Bank. Nach den Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken (Fassung 2026) kann das Referenzkonto ein Gemeinschaftskonto der Mitinhaber sein, alternativ legt jeder Mitinhaber ein eigenes, auf ihn lautendes Referenzkonto fest. Ein Gesetz gibt dazu nichts vor. Stand: 16.09.2026. Rechtsstand nach RIS (Bundesrecht konsolidiert): § 32 BWG, § 6 FM-GwG, §§ 3 und 14 bis 20 VZKG. Rechtsprechung: EuGH 04.10.2018, C-191/17; OGH 27.11.2018, 4 Ob 207/18x. Bankpraxis nach den Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken, Fassung 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.

S

Sparbuch

Das Sparbuch ist eine Spareinlage mit Urkunde. Hier liest du, welche Arten es gibt, was ab 15.000 Euro gilt und wie Zinsen besteuert werden. Was du über das Sparbuch wissen musst 🏦 Sparurkunde: Ein Sparbuch ist eine Spareinlage, die eine Bank nur gegen eine Sparurkunde annimmt; Geld zahlt sie nur gegen Vorlage dieser Urkunde aus (§§ 31, 32 BWG). 🎯 15.000-Euro-Grenze: Unter 15.000 Euro darf das Sparbuch statt auf deinen Namen auf eine Bezeichnung oder Nummer mit Losungswort lauten; ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus. 💰 25 % KESt: Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie von den Zinsen 25 % KESt ab; damit ist die Einkommensteuer darauf abgegolten. ⚠️ Einlagensicherung: Sparbuchguthaben sind bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, wenn die Identität des Inhabers festgestellt ist oder binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird. Das Sparbuch ist eine klassische Sparform in Österreich. Rechtlich ist es eine Spareinlage nach dem Bankwesengesetz (BWG): Geld, das du nicht für Zahlungen, sondern zur Anlage bei einer Bank hältst und das die Bank nur gegen eine Sparurkunde entgegennimmt (§ 31 Abs 1 BWG). Was ist ein Sparbuch? Die Sparurkunde ist das Sparbuch selbst. Die Bank vermerkt darin jede Einzahlung und jede Auszahlung (§ 32 Abs 1 BWG). Auszahlungen aus einem Sparbuch gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs (§ 32 Abs 2 BWG). In der Praxis behebst du am Schalter deiner Bank, mit dem Sparbuch und einem amtlichen Lichtbildausweis. Ein Anspruch auf ein Sparbuch besteht nicht. Laut Arbeiterkammer sind Banken nicht verpflichtet, eines anzubieten, und viele führen klassische Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden. Namenssparbuch oder Losungswort-Sparbuch Seit 1. November 2000 eröffnet in Österreich keine Bank mehr ein Sparbuch, ohne die Identität der Sparerin oder des Sparers festzustellen. Welche der zwei heutigen Formen möglich ist, hängt vom Guthaben ab. Merkmal Namenssparbuch Losungswort-Sparbuch Guthaben beliebig, ab 15.000 Euro vorgeschrieben nur unter 15.000 Euro Lautet auf den Namen des identifizierten Kunden, eine Bezeichnung oder eine Nummer eine Bezeichnung oder eine Nummer, nie auf einen Personennamen Wer behebt nur der identifizierte Kunde jede Person, die das Sparbuch vorlegt, das Losungswort nennt und sich mit Lichtbildausweis identifiziert Rechtsgrundlage § 32 Abs 4 Z 2 BWG § 31 Abs 3, § 32 Abs 4 Z 1 BWG Stand: Bankwesengesetz in der Fassung BGBl. I Nr. 118/2016, abgerufen am 10.09.2026; oesterreich.gv.at, Stand 23.01.2026. Beim Losungswort-Sparbuch entscheidet, wer Sparbuch und Losungswort hat. Gibst du beides weiter, gibst du den Zugriff auf das Guthaben weiter. Bewahre das Losungswort getrennt vom Sparbuch auf und schreib es nie ins Sparbuch. Wer beides findet, kann bei einem Losungswort-Sparbuch mit dem eigenen Ausweis beheben. Was aus den anonymen Sparbüchern wurde Bis Ende Oktober 2000 ließen sich in Österreich Sparbücher ohne Ausweis eröffnen. Der Gesetzgeber hat diese Anonymität im Jahr 2000 aufgehoben, um Verpflichtungen gegenüber der Financial Action Task Force (FATF) gegen Geldwäsche zu erfüllen. Alte anonyme Sparbücher gibt es noch. Seit dem 30. Juni 2002 darf man sie ohne Identitätsfeststellung aber weder weitergeben noch erwerben (§ 31 Abs 5 BWG), und Ein- und Auszahlungen gibt es erst, wenn sich jemand ausweist. Täglich fällig, gebunden oder Kapitalsparbuch Nach der Verfügbarkeit unterscheiden Banken täglich fällige und gebundene Sparbücher. Beim täglich fälligen Sparbuch behebst du jederzeit; beim gebundenen vereinbarst du eine Laufzeit (§ 32 Abs 8 BWG) und bekommst dafür laut Arbeiterkammer zumeist einen höheren Zinssatz. Das Kapitalsparbuch ist eine Form des gebundenen Sparbuchs: Du zahlst einen Betrag einmal ein und bekommst für die ganze Laufzeit einen fixen Zinssatz. Was nach dem Laufzeitende eines Kapitalsparbuchs passiert, regeln die Sparbedingungen. Laut Arbeiterkammer verlängert sich die Bindung nicht automatisch, und das Guthaben wird danach nur mehr zum Satz für täglich fällige Einlagen verzinst. Vorzeitig beheben: so rechnen Vorschusszinsen Behebst du ein gebundenes Sparbuch vor Laufzeitende, darf die Bank Vorschusszinsen verrechnen: 1 Promille des vorzeitig behobenen Betrags für jeden vollen Monat, den die Bindung noch gelaufen wäre (§ 32 Abs 8 BWG). Die Vorschusszinsen sind gedeckelt. Die Bank darf nicht mehr verrechnen, als sie an Habenzinsen auf diesen Betrag vergütet hat; durch Vorschusszinsen verlierst du also nichts von deinem eingezahlten Kapital. Spesen, etwa bei der Auflösung, regeln die Sparbedingungen gesondert. Rechenbeispiel: Du behebst 10.000 Euro, 12 volle Monate vor Ende der Bindung. Vorschusszinsen: 10.000 Euro × 1 Promille × 12 = 120 Euro, höchstens aber die Habenzinsen, die auf diese 10.000 Euro angefallen sind. Manche Banken rechnen Kapitalsparbücher bei vorzeitiger Auflösung stattdessen nach einer gestaffelten Zinstabelle ab. Welche Regel für dich gilt, steht in deinen Sparbedingungen. Willst du Geld für eine feste Zeit binden, vergleiche die Bindung am Sparbuch mit Festgeld-Angeboten in Österreich. Zinsen und KESt am Sparbuch Den Zinssatz legt die Bank fest, fix oder variabel. Bei variabler Verzinsung koppelt sie ihn an einen Indikator wie den Leitzins, er steigt und fällt dann mit. Welche Zinsen Banken derzeit für täglich fällige Einlagen zahlen, zeigt der Sparzinsen-Vergleich für Österreich. Auf Sparbuchzinsen fallen 25 % Kapitalertragsteuer (KESt) an, auf die meisten anderen Kapitalerträge wie Dividenden 27,5 % (§ 27a Abs 1 EStG 1988). Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie die KESt direkt ab und führt sie ans Finanzamt ab. Damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen abgegolten, und du trägst sie nicht in die Steuererklärung ein (Endbesteuerung). Wäre dein Einkommen nach dem normalen Tarif mit weniger als 25 % besteuert, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption beantragen und bekommst zu viel bezahlte KESt zurück. Die Option gilt immer für alle deine Kapitalerträge, nie für ein einzelnes Sparbuch (§ 27a Abs 5 EStG 1988). Wie die KESt bei gebundenen Einlagen wirkt, erklärt der Ratgeber KESt auf Festgeld. Stand: EStG 1988 § 27a in der Fassung BGBl. I Nr. 113/2024; Bundesministerium für Finanzen, abgerufen am 10.09.2026. Einlagensicherung: bis 100.000 Euro pro Person und Bank Sparbuchguthaben fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung. Gedeckt sind bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank (§ 7 Abs 1 Z 5 ESAEG), gleich ob das Sparbuch täglich fällig oder ein Kapitalsparbuch ist. Die 100.000-Euro-Grenze gilt für alle Einlagen bei derselben Bank zusammen. Liegen 70.000 Euro auf deinem Sparbuch und 50.000 Euro auf deinem Girokonto bei derselben Bank, sind davon 100.000 Euro gedeckt. Im Sicherungsfall zahlt die zuständige Sicherungseinrichtung gedeckte Einlagen innerhalb von sieben Arbeitstagen aus (§ 13 Abs 1 ESAEG). Für ein Sparbuch musst du es dafür vorlegen und ein vereinbartes Losungswort nennen. Für bestimmte Einlagen über 100.000 Euro gilt eine zeitlich begrenzte Deckung bis 500.000 Euro, etwa nach dem Verkauf einer privat genutzten Wohnimmobilie (§ 12 ESAEG). Wer welche Bank absichert, steht im Ratgeber Einlagensicherung in Österreich. Stand: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG), konsolidierte Fassung vom 10.09.2026. Wann ein Sparbuch passt und wann nicht Ein Sparbuch passt wenn du Bargeld am Schalter einzahlen und beheben willst wenn du für eine feste Laufzeit einen fixen Zinssatz willst, als Kapitalsparbuch wenn du einen Betrag unter 15.000 Euro mit Losungswort weitergeben willst Ein Sparbuch passt nicht wenn du jederzeit online über dein Geld verfügen willst: Ohne Vorlage des Sparbuchs gibt es keine Auszahlung wenn du mehr als 100.000 Euro bei einer einzigen Bank liegen hättest wenn deine Bank Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden eröffnet Ein Sonderfall ist das alte anonyme Sparbuch, etwa in einer Verlassenschaft oder in einer Lade gefunden. Die Bank zahlt es nur nach Identitätsfeststellung aus. Geht die Bank pleite, ist das Guthaben nur gedeckt, wenn die Identifizierung binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird (§ 10 Abs 1 Z 6 ESAEG). Unsere Einschätzung: Das Sparbuch ist klar geregelt: Ausweispflicht, gesetzliche Obergrenze für Vorschusszinsen, Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Seine Schwäche ist der Zinssatz, den allein deine Bank festlegt. Frag bei deiner Bank nach, welcher Zinssatz für dein Sparbuch gerade gilt, und vergleiche ihn mit aktuellen Tagesgeld-Angeboten. Die gesetzliche Einlagensicherung einer österreichischen Bank gilt für Tagesgeld genauso wie für das Sparbuch. Häufige Fragen zum Sparbuch Ist es noch sinnvoll, ein Sparbuch zu haben? Das hängt vom Zinssatz ab und davon, wie du auf dein Geld zugreifen willst. Das Sparbuch ist bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, behoben wird am Schalter. Den Zinssatz legt deine Bank fest; vergleiche ihn mit Tagesgeld und Festgeld, bevor du größere Beträge liegen lässt. Wie viel Geld darf man auf einem Sparbuch haben? Eine Obergrenze für das Guthaben kennt das Bankwesengesetz nicht. Zwei Grenzen zählen trotzdem: Unter 15.000 Euro ist ein Losungswort-Sparbuch möglich, ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus (§ 32 Abs 4 BWG). Die Einlagensicherung deckt 100.000 Euro pro Person und Bank. Wie viel Geld sollte man am Sparbuch haben? Eine Vorgabe gibt es nicht. Aufs täglich fällige Sparbuch gehört Geld, das du kurzfristig brauchen könntest, etwa als Reserve für unerwartete Ausgaben. Geld, das du länger nicht brauchst, kannst du gebunden anlegen, als Kapitalsparbuch oder als Festgeld. Über 100.000 Euro teilst du am besten auf mehrere Banken auf, nicht nur auf mehrere Marken derselben Bank, weil die Einlagensicherung je Bank gilt. Was ist der Unterschied zwischen Sparkonto und Sparbuch? Beim Sparbuch ist die Urkunde entscheidend: Geld gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs, meist am Schalter. Ein Sparkonto, etwa ein Online-Sparkonto oder Tagesgeldkonto, führst du ohne Urkunde im Online-Banking. Bei einer österreichischen Bank gelten für beide dieselbe Einlagensicherung bis 100.000 Euro und derselbe KESt-Satz von 25 %. Was das für deine Zinsen heißt, zeigt unser Vergleich Sparbuch oder Tagesgeld. Kann ein Sparbuch zwei Inhaber haben? Ja, manche Banken führen Gemeinschaftssparbücher; ob deine Bank das anbietet, steht in ihren Bedingungen. In der Einlagensicherung zählt jeder legitimierte Inhaber mit bis zu 100.000 Euro. Habt ihr der Bank keine schriftliche Aufteilung gegeben, wird das Guthaben im Sicherungsfall zu gleichen Teilen auf euch verteilt (§ 11 Abs 1 ESAEG). Was tun, wenn das Sparbuch verloren ist? Melde den Verlust sofort deiner Bank und erstatte eine Verlust- oder Diebstahlsanzeige. Nach der Meldung darf die Bank vier Wochen lang nichts aus dem Sparbuch auszahlen (§ 31 Abs 4 BWG). Taucht es nicht auf, beantragst du beim zuständigen Landesgericht die Kraftloserklärung; die Aufgebotsfrist für ein Sparbuch beträgt sechs Monate (§ 7 Kraftloserklärungsgesetz 1951). Der Gerichtsbeschluss ersetzt das Sparbuch, aber nicht das Losungswort. Was passiert, wenn ich das Losungswort vergessen habe? Dann musst du der Bank auf andere Weise nachweisen, dass dir das Guthaben zusteht (§ 31 Abs 3 BWG). Gelingt der Nachweis, muss die Bank auszahlen (OGH 1 Ob 228/06w). Eine Kraftloserklärung hilft hier nicht: Sie ist für verlorene oder zerstörte Sparbücher gedacht, nicht für ein vergessenes Losungswort. Datenstand: September 2026 | Quellen: Bankwesengesetz §§ 31, 32 (BGBl. I Nr. 118/2016), EStG 1988 § 27a (BGBl. I Nr. 113/2024), ESAEG (Fassung vom 10.09.2026), Kraftloserklärungsgesetz 1951 § 7, Bundesministerium für Finanzen, oesterreich.gv.at, Parlament Österreich (2000), Einlagensicherung AUSTRIA, Österreichische Raiffeisen-Einlagensicherung, Arbeiterkammer, konsumentenfragen.at, OGH 1 Ob 228/06w. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

T

Termingeld

Termingeld ist Geld, das du einer Bank für eine vereinbarte Zeit überlässt. Hier liest du, wie Österreich das nennt und was passiert, wenn du früher heranwillst. Was du über Termingeld in Österreich wissen musst 📘 Kein Rechtsbegriff: Das österreichische Bankwesengesetz kennt das Wort Termingeld nicht. Die Nationalbank zählt solche Anlagen als „Einlagen nach vereinbarter Laufzeit", das Finanzministerium nennt sie „Termineinlagen (Festgelder)". 🏦 Zwei Formen: Termingeld läuft in Österreich als gebundene Spareinlage mit Sparurkunde, meist Kapitalsparbuch genannt, oder als Festgeldkonto ohne Urkunde. Davon hängt ab, welche Regeln bei vorzeitiger Auflösung greifen. ⚠️ Vorzeitig heraus kostet Zinsen: Bei einer gebundenen Spareinlage darf die Bank 1 Promille je vollem Monat der nicht eingehaltenen Bindung verrechnen, höchstens aber so viel, wie sie dir an Zinsen vergütet hat (§ 32 Abs 8 BWG). 💰 25 % KESt: Führt eine österreichische Bank deine Einlage, zieht sie von den Zinsen 25 % Kapitalertragsteuer ab; damit ist die Einkommensteuer darauf abgegolten (§ 27a Abs 1 Z 1 EStG 1988). Das Wort begegnet dir meist im Angebot einer Bank oder auf einem Vergleichsportal, nicht im Gesetz. Wer in Österreich Termingeld anlegen will, landet am Ende bei einem von zwei Produkten, und die beiden werden bei vorzeitiger Auflösung unterschiedlich behandelt. Was Termingeld ist, und warum das Gesetz das Wort nicht kennt Termingeld ist eine Bankeinlage mit Termin: Du überlässt einer Bank einen Betrag für eine vereinbarte Laufzeit, und die Bank verzinst ihn dafür. Rechtlich ist das ein Einlagengeschäft, also die „Entgegennahme fremder Gelder zur Verwaltung oder als Einlage" (§ 1 Abs 1 Z 1 BWG). Dieses Geschäft darf in Österreich nur betreiben, wer eine Konzession der Finanzmarktaufsicht hat. Im Bankwesengesetz selbst suchst du das Wort vergeblich. Eine Volltextsuche in der konsolidierten Fassung liefert für „Termingeld" und für „Termineinlage" null Treffer. Das Gesetz ordnet nach etwas anderem: nach Spareinlagen, die eine Bank nur gegen Ausfolgung einer Sparurkunde entgegennehmen darf (§ 31 Abs 1 BWG), und nach der Frage, ob eine Einlage auf eine Laufzeit gebunden ist (§ 32 Abs 8 BWG). Amtlich kommt der Begriff trotzdem vor, nur an anderer Stelle. Die Oesterreichische Nationalbank führt in ihrer Zinssatzstatistik die Kategorien „täglich fällige Einlagen", „Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist" und „Einlagen nach vereinbarter Laufzeit". Das Bundesministerium für Finanzen wird deutlicher und zählt zu den Einlagen bei Banken ausdrücklich „Termineinlagen (Festgelder)" und Kapitalsparbücher. Zwei Formen: Kapitalsparbuch oder Festgeldkonto Für dich macht es einen praktischen Unterschied, in welcher Rechtsform dein Termingeld steckt. Der Unterschied hängt an einem einzigen Merkmal: ob es eine Sparurkunde gibt oder nicht. Merkmal Kapitalsparbuch (gebundene Spareinlage) Festgeldkonto (ohne Sparurkunde) Urkunde Sparurkunde; die Bank vermerkt Ein- und Auszahlungen darin keine; alles läuft über den Kontovertrag Auszahlung nur gegen Vorlage der Sparurkunde (§ 32 Abs 2 BWG) auf das im Vertrag genannte Konto Zinssatz für die vereinbarte Laufzeit fest für die vereinbarte Laufzeit fest Vorzeitige Auflösung gesetzlicher Satz und gesetzliche Obergrenze (§ 32 Abs 8 BWG) nach Vertrag; die gesetzliche Obergrenze gilt nicht Wo geführt meist Filiale, Behebung am Schalter meist online Einlagensicherung bis 100.000 Euro je Einleger und Bank bis 100.000 Euro je Einleger und Bank Quellen: Bankwesengesetz §§ 31, 32 in der Fassung BGBl. I Nr. 118/2016; Bundesministerium für Finanzen, Kapitalerträge im engeren Sinn; Einlagensicherung AUSTRIA. Stand: September 2026. Das Sparbuch ist dabei der Oberbegriff. Ein Kapitalsparbuch ist ein Sparbuch mit vereinbarter Laufzeit und fixem Zinssatz, bei dem du den Betrag einmal einzahlst. Bindung und vorzeitige Auflösung Spareinlagen dürfen auf eine bestimmte Laufzeit gebunden werden (§ 32 Abs 8 BWG). Holst du das Geld vorher, behandelt das Gesetz die Auszahlung als Vorschuss, den du der Bank verzinst. Der Satz steht im Gesetz: 1 Promille des vorzeitig behobenen Betrags für jeden vollen Monat, den die Bindung noch gelaufen wäre. Genauso wichtig ist der zweite Teil der Bestimmung. Die Bank darf nie mehr an Vorschusszinsen verrechnen, als sie dir insgesamt an Zinsen auf diesen Betrag vergütet hat. Im schlechtesten Fall ist der Zinsertrag weg; dein eingezahltes Kapital rührt dieser Abzug nicht an. Schließungsspesen und ähnliche Entgelte regelt dagegen dein Vertrag, sie fallen nicht unter diese Obergrenze. Rechenbeispiel: Du legst 5.000 Euro für 18 Monate gebunden an und löst nach 6 Monaten auf. Offen sind noch 12 volle Monate Bindung, also 5.000 Euro mal 1 Promille mal 12 Monate gleich 60 Euro Vorschusszinsen. Angefallen sind bis dahin aber nur 50 Euro Zinsen. Dann darf die Bank auch nur 50 Euro verrechnen: Der Zinsertrag ist aufgebraucht, die 5.000 Euro bekommst du vollständig zurück. Wie die Bank das Produkt nennt, ändert daran nichts. Der Oberste Gerichtshof hat 2012 entschieden, dass ein Kapitalsparbuch unter § 32 Abs 8 BWG fällt, „ohne Rücksicht darauf, wie es von ihr bezeichnet wird", solange eine Laufzeitbindung der Spareinlage besteht. Klauseln, die zu deinen Lasten davon abweichen, sind unzulässig, weil die Bestimmung einseitig zugunsten der Verbraucher zwingend ist (OGH 7 Ob 64/12f). Anders liegt der Fall beim Festgeldkonto ohne Sparurkunde. Diese Schutzregel steht im Spareinlagen-Abschnitt des Bankwesengesetzes und gilt für Spareinlagen. Ist deine Anlage keine, entscheidet allein der Vertrag, ob du vorzeitig herauskommst und zu welchem Preis. Dort nachzulesen lohnt sich vor der Unterschrift, nicht danach. KESt: 25 Prozent auf die Zinsen Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten unterliegen einem besonderen Steuersatz von 25 Prozent (§ 27a Abs 1 Z 1 EStG 1988). Das gilt für Termingeld genauso wie für ein täglich fälliges Sparbuch. Für die übrigen Kapitalerträge, etwa Dividenden oder Kursgewinne aus Wertpapieren, sind es 27,5 Prozent. Führt eine österreichische Bank deine Einlage, zieht sie die KESt bei der Zinsgutschrift ab und führt sie ans Finanzamt ab. Damit ist die Einkommensteuer auf diese Zinsen abgegolten, und du nimmst sie nicht in die Steuererklärung auf. Liegt dein Geld bei einer Bank im Ausland, zieht niemand die österreichische KESt ab. Die Zinsen kommen brutto an, und du gibst sie selbst in der Einkommensteuererklärung an. Wie stark die Steuer über mehrere Jahre wirkt, hängt davon ab, wann Zinsen gutgeschrieben und ob sie mitverzinst werden; wie sich das aufsummiert, zeigt der Zinseszins. Quellen: Einkommensteuergesetz 1988 § 27a Abs 1; Bundesministerium für Finanzen, „Kapitalerträge im engeren Sinn" und „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener ausländischer Kapitalerträge"; oesterreich.gv.at, Stand 20.01.2026. Stand: September 2026. Was passiert, wenn die Bank ausfällt Termingeld ist eine Einlage und fällt damit unter die gesetzliche Einlagensicherung. Gedeckt sind bis zu 100.000 Euro je Einleger und Bank (§ 7 Abs 1 Z 5 ESAEG). Die Einlagensicherung AUSTRIA führt Festgelder und Kapitalsparbücher ausdrücklich unter den gedeckten Guthaben an. Tritt der Sicherungsfall ein, hat die zuständige Sicherungseinrichtung binnen sieben Arbeitstagen zu erstatten (§ 13 Abs 1 ESAEG). Zinsen, die bis zu diesem Tag aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben waren, zahlt sie mit aus, soweit die 100.000 Euro dadurch nicht überschritten werden. Einen Antrag musst du nicht stellen, wohl aber ein Konto bekannt geben, auf das erstattet wird. Für bestimmte Beträge über der Grenze gilt befristet eine höhere Deckung von bis zu 500.000 Euro. Dazu zählt etwa Geld aus dem Verkauf einer privat genutzten Wohnimmobilie, wenn der Sicherungsfall binnen zwölf Monaten nach der Gutschrift eintritt (§ 12 ESAEG). Hat die Bank ihren Sitz in einem anderen EU-Land und tritt in Österreich über eine Zweigstelle oder rein online auf, greift das Sicherungssystem ihres Sitzlandes, nicht das österreichische. Welches System für dein Angebot gilt, steht im Informationsbogen, den dir die Bank vor Vertragsabschluss aushändigen muss. Quellen: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz §§ 7, 12, 13; Oesterreichische Nationalbank, Einlagensicherung; Finanzmarktaufsicht Österreich, Einlagensicherung; Einlagensicherung AUSTRIA. Stand: September 2026. Wann Termingeld zu dir passt und wann nicht Termingeld passt wenn du für einen bekannten Termin zurücklegst, etwa eine Steuernachzahlung oder eine Anschaffung in einem Jahr wenn du den Zinssatz für die Laufzeit festschreiben willst, weil du mit fallenden Zinsen rechnest wenn deine Reserve für Unerwartetes schon auf einem täglich verfügbaren Konto liegt und dieses Geld wirklich übrig ist Termingeld passt nicht für die Reserve: Wenn die Therme ausfällt, wartet die Rechnung nicht bis zum Fälligkeitstermin wenn du mit steigenden Zinsen rechnest und dich deshalb nicht binden willst wenn du mehr als 100.000 Euro bei ein und derselben Bank liegen hättest Ein Fall, den viele übersehen: Was nach dem Laufzeitende passiert, steht nicht im Gesetz, sondern in deinen Bedingungen. Manche Häuser verzinsen das Guthaben danach nur mehr wie eine täglich fällige Einlage, andere binden es automatisch neu, dann zum dann gültigen Satz. Trag dir den Fälligkeitstermin ein und entscheide vorher, was mit dem Geld geschehen soll. Binde nur Geld, das du bis zum vereinbarten Termin bestimmt nicht brauchst. Was als Reserve für Unerwartetes gedacht ist, gehört auf ein täglich verfügbares Konto. Unsere Einschätzung: „Termingeld" sagt dir noch nicht, was du kaufst. Klär vor der Unterschrift drei Dinge: ob eine Sparurkunde dahintersteckt oder ein reines Konto, was dich eine vorzeitige Auflösung kostet und was am Ende der Laufzeit automatisch passiert. Steht in deinen Bedingungen etwas anderes als 1 Promille je Restmonat mit Obergrenze bei den vergüteten Zinsen, frag nach. Welche Bindungen derzeit angeboten werden, siehst du bei den Festgeld-Angeboten in Österreich. Häufige Fragen zu Termingeld Was versteht man unter Termingeld? Termingeld ist eine Bankeinlage, die du für eine vereinbarte Laufzeit anlegst und dafür verzinst bekommst. Das österreichische Bankwesengesetz verwendet den Ausdruck nicht; es spricht von Spareinlagen, die auf eine bestimmte Laufzeit gebunden werden (§ 32 Abs 8 BWG). In der Praxis begegnet dir Termingeld als Kapitalsparbuch oder als Festgeldkonto. Was ist der Unterschied zwischen Termingeld und Festgeld? Meistens keiner: Beide Wörter meinen eine Einlage mit vereinbarter Laufzeit und festem Zinssatz. In Österreich lohnt trotzdem der Blick darauf, ob eine Sparurkunde ausgestellt wird. Nur dann ist es eine Spareinlage, und nur dann gilt bei vorzeitiger Auflösung die gesetzliche Regel aus § 32 Abs 8 BWG mit Obergrenze bei den vergüteten Zinsen. Ohne Urkunde entscheidet allein dein Vertrag. Was ist der Unterschied zwischen Termingeld und Tagesgeld? Beim Termingeld ist das Geld bis zum vereinbarten Termin gebunden, und der Zinssatz steht für diese Zeit fest. Tagesgeld ist eine täglich fällige Einlage: Du verfügst jederzeit darüber, dafür kann die Bank den Zinssatz jederzeit ändern. Beide Formen sind bei einer Bank in Österreich bis 100.000 Euro je Einleger und Bank gedeckt, und auf beide fallen 25 Prozent KESt an. Wie viel Zinsen gibt es auf Termingeld? Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Der Zinssatz hängt von der Laufzeit, vom Anlagebetrag, vom Zinsniveau am Geldmarkt und von der Bank ab; laut Arbeiterkammer verlangen viele Banken außerdem eine Mindesteinlage. Was am Ende bei dir ankommt, ist außerdem um 25 Prozent KESt geringer als der genannte Satz vermuten lässt. Was ist ein Kapitalsparbuch? Ein Kapitalsparbuch ist die österreichische Form des gebundenen Sparbuchs: Du zahlst einen Betrag einmal ein und bekommst dafür über die vereinbarte Laufzeit einen fixen Zinssatz. Rechtlich ist es eine Spareinlage mit Laufzeitbindung, mit Sparurkunde und mit der gesetzlichen Obergrenze für Vorschusszinsen. Der Oberste Gerichtshof hat bestätigt, dass diese Regeln unabhängig davon gelten, wie die Bank das Produkt bezeichnet (7 Ob 64/12f). Datenstand: September 2026 | Quellen: Bankwesengesetz §§ 1, 31, 32 (BGBl. I Nr. 532/1993 in der Fassung BGBl. I Nr. 118/2016), Einkommensteuergesetz 1988 § 27a, Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz §§ 7, 12, 13, OGH 7 Ob 64/12f vom 19.12.2012, Bundesministerium für Finanzen, oesterreich.gv.at, Oesterreichische Nationalbank, Finanzmarktaufsicht Österreich, Einlagensicherung AUSTRIA, Arbeiterkammer. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.

W

Wertpapier

Ein Wertpapier ist eine Urkunde über ein Vermögensrecht. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, was sie vom Sparbuch unterscheidet und was im Depot geschützt ist. Was du über Wertpapiere wissen musst 💡 Definition: Ein Wertpapier verbrieft ein Vermögensrecht, zum Beispiel einen Anteil an einer Aktiengesellschaft oder eine Forderung gegen einen Staat; im Depot hältst du in der Regel Miteigentum an einem Sammelbestand statt eines einzelnen Papiers 🏦 Kein Wertpapier: Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld sind Geldeinlagen bei einer Bank; die Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Person gilt für solche Guthaben, nicht für Wertpapiere im Depot ⚠️ Bankpleite: Wertpapiere im Depot bleiben dein Eigentum; nur wenn die Bank sie im Sicherungsfall nicht herausgeben kann, ersetzt die Anlegerentschädigung höchstens 20.000 Euro pro Anleger. Vor Kursverlusten und der Pleite des Emittenten schützt dich das nicht 💰 Steuer: Dividenden, Anleihezinsen, Fondserträge und Kursgewinne tragen 27,5 % KESt; der Satz von 25 % gilt nur für Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten Dem Begriff begegnest du beim Kauf eines ETF, auf der Abrechnung deiner Bank und beim Bundesschatz der Republik Österreich. Er entscheidet darüber, wie dein Geld bei einer Bankpleite geschützt ist und welcher KESt-Satz gilt. Was ist ein Wertpapier? Ein Wertpapier ist eine Urkunde über ein Vermögensrecht. Wer die Urkunde besitzt, kann das Recht ausüben und es durch Übergabe der Urkunde auf andere übertragen. Die bekanntesten Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden, sind Aktien und Anleihen. Ein einzelnes Stück Papier bekommst du beim Kauf über eine Bank nicht in die Hand. Das Depotgesetz verpflichtet die Bank, gleichartige Wertpapiere gemeinsam in Sammelverwahrung zu halten, sofern du nicht ausdrücklich schriftlich eine gesonderte Verwahrung verlangst (§ 4 Depotgesetz). Du erwirbst dann Miteigentum am Sammelbestand, im Umfang deines Anteils (§ 5 Depotgesetz). Das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 spricht von übertragbaren Wertpapieren. Gemeint sind Gattungen, die auf dem Kapitalmarkt gehandelt werden können, insbesondere Aktien, Schuldverschreibungen und Wertpapiere, deren Auszahlung sich nach einem anderen Wert wie einem Index richtet (§ 1 Z 5 WAG 2018). Wer ein Wertpapier ausgibt, um sich Kapital zu beschaffen, heißt Emittent. Welche Arten von Wertpapieren gibt es? Die folgenden vier Arten unterscheiden sich darin, was du rechtlich erwirbst, und damit auch darin, welches Risiko du trägst. Art Was du erwirbst Ertrag Wichtigstes Risiko Aktie Anteil an einer Aktiengesellschaft mit Vermögens- und Mitspracherechten Dividende, Kursgewinn Kursverlust bis zum Totalverlust Anleihe Forderung gegen den Emittenten, etwa einen Staat oder ein Unternehmen Zinsen, Rückzahlung am Laufzeitende Zahlungsausfall des Emittenten; Kursschwankung bei Verkauf vor Laufzeitende Fondsanteil, auch ETF-Anteil Anteil an einem Investmentfonds; bei in Österreich aufgelegten Fonds Miteigentum an einem Sondervermögen Ausschüttung, Wertsteigerung Kursrisiko der Wertpapiere im Fonds Zertifikat Schuldverschreibung des Emittenten, deren Auszahlung von einem Basiswert abhängt Auszahlung laut Bedingungen Kursrisiko des Basiswerts und Zahlungsausfall des Emittenten Stand: September 2026. Quelle: § 1 Z 5 WAG 2018, §§ 2 und 3 InvFG 2011 (RIS, abgerufen am 11.09.2026), finanznavi.gv.at, FMA-Glossar „Investmentfonds“, Arbeiterkammer Wien „Sparen, aber sicher“. Der wichtigste Unterschied liegt zwischen Fondsanteilen und Zertifikaten. Ein in Österreich aufgelegter Investmentfonds ist ein Sondervermögen im Miteigentum der Anteilinhaber; es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft gehalten und haftet nicht für deren Schulden. Ein Zertifikat ist dagegen rechtlich eine Schuldverschreibung: Wird der Emittent zahlungsunfähig, kannst du dein Geld ganz oder teilweise verlieren, auch wenn sich der Basiswert gut entwickelt hat. Wertpapier oder Einlage: Sparbuch, Festgeld und Bundesschatz Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld sind keine Wertpapiere, sondern Geldeinlagen bei einer Bank. Du überlässt der Bank Geld und hast dafür eine Forderung auf Rückzahlung samt Zinsen. Das Bankwesengesetz nennt das Einlagengeschäft (§ 1 Abs. 1 Z 1 BWG). Auch das Sparbuch ist zwar eine Urkunde, aber eine über eine Geldeinlage (§ 31 BWG). Der Bundesschatz hat wie ein Festgeld eine gewählte Laufzeit mit festem Zinssatz, ist rechtlich aber ein Wertpapier. Die Bedingungen der Republik Österreich bezeichnen Bundesschatzscheine als Inhaberwertpapiere, vertreten durch eine Sammelurkunde. Ein Bankdepot brauchst du dafür nicht: Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) trägt deinen Anteil in ein eigenes Register ein, an der Börse wird der Bundesschatz nicht gehandelt. Die Einordnung als Wertpapier hat zwei Folgen. Zinsen aus dem Bundesschatz tragen 27,5 % KESt statt 25 %, weil der niedrigere Satz nur für Geldeinlagen bei Kreditinstituten gilt. Und deine Forderung richtet sich gegen die Republik Österreich als Schuldnerin, nicht gegen eine Bank. Was das netto ausmacht, rechnet der Ratgeber Bundesschatz im Vergleich mit Festgeld vor. Merkmal Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld Wertpapier im Depot Bundesschatz Rechtsnatur Geldeinlage bei einer Bank Wertpapier, das die Bank für dich verwahrt Wertpapier der Republik Österreich Wo es geführt wird Konto oder Sparbuch bei der Bank Depot bei einer Bank oder einem Broker Register der OeBFA Wenn die Bank pleitegeht Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Person Wertpapiere bleiben dein Eigentum; Anlegerentschädigung bis 20.000 Euro, wenn die Herausgabe scheitert Schuldnerin ist die Republik Österreich, keine Bank Börsenhandel nein je nach Wertpapier nein KESt auf Erträge 25 % 27,5 % 27,5 % Stand: September 2026. Quelle: §§ 1 und 31 BWG, §§ 7 und 46 ESAEG, § 27a Abs. 1 EStG 1988 (RIS, abgerufen am 11.09.2026); Bedingungen für Bundesschatzscheine 2024 bis 2054, Fassung vom 03.04.2024, und Häufige Fragen auf bundesschatz.at; OeNB „Einlagensicherung“; FMA „Sonderfall: Insolvenz des Anbieters“. Was passiert mit deinen Wertpapieren, wenn die Bank pleitegeht? Die Bank verwahrt und verwaltet Wertpapiere für dich; das Bankwesengesetz nennt das Depotgeschäft (§ 1 Abs. 1 Z 5 BWG). Die Wertpapiere gehören dadurch nicht der Bank, sondern bleiben in deinem Eigentum oder Miteigentum, auch wenn die Bank insolvent wird. Weil sie nicht zum Vermögen der Bank zählen, kannst du ihre Aussonderung aus der Insolvenzmasse verlangen (§ 44 Insolvenzordnung), in der Praxis die Übertragung auf ein Depot bei einer anderen Bank. Die Einlagensicherung ist für Wertpapiere nicht zuständig, sie deckt Guthaben. Zu diesen Guthaben zählt aber das Verrechnungskonto neben dem Depot: Dividenden, Zinszahlungen und Verkaufserlöse, die dort liegen, sind im Rahmen der Einlagensicherung bis 100.000 Euro gedeckt. Wie diese Sicherung im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber Einlagensicherung in Österreich. Für den Ausnahmefall gibt es die Anlegerentschädigung nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG). Sie greift, wenn die Bank im Sicherungsfall nicht in der Lage ist, dir deine Wertpapiere zurückzugeben. Ersetzt werden höchstens 20.000 Euro pro Anleger (§ 46 Abs. 1 ESAEG); für Unternehmen gelten eigene Grenzen. Die Entschädigung musst du beantragen, dafür hast du ab Kundmachung des Sicherungsfalls ein Jahr Zeit. Das Depot schützt dich vor der Pleite deiner Bank, nicht vor der Pleite des Emittenten und nicht vor Kursverlusten. Wird ein Unternehmen zahlungsunfähig, dessen Anleihe oder Zertifikat du hältst, hilft dir weder die Aussonderung noch die Anlegerentschädigung. Wie werden Wertpapiere in Österreich besteuert? Erträge aus Wertpapieren unterliegen in Österreich einem besonderen Steuersatz von 27,5 % (§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG 1988). Das gilt für Dividenden, Zinsen aus Anleihen, Erträge aus Investmentfonds und Kursgewinne beim Verkauf. Der Satz von 25 % bleibt Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten vorbehalten, also etwa dem Sparbuch. Führt eine inländische Bank oder ein inländischer Broker dein Depot, behält diese Stelle die KESt ein und führt sie an das Finanzamt ab. Zieht dein Depotanbieter keine österreichische KESt ab, musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Wie Abzug, Verlustausgleich und Regelbesteuerung funktionieren, erklärt der Eintrag KESt in Österreich; welche Anbieter den Abzug übernehmen, zeigt der Überblick über steuereinfache Broker. Wann du es mit einem Wertpapier zu tun hast und wann nicht Wertpapier Aktien, Anleihen, Fondsanteile und ETF-Anteile in deinem Depot Zertifikate: rechtlich Schuldverschreibungen, deren Wert zusätzlich von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten abhängt Grenzfall Bundesschatz: ein Wertpapier ohne Bankdepot, eingetragen im Register der OeBFA und nicht an der Börse handelbar Kein Wertpapier Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld: Geldeinlagen bei einer Bank, gedeckt durch die Einlagensicherung Grenzfall Verrechnungskonto: Eine Dividende ist, sobald sie dort gutgeschrieben ist, ein Guthaben bei der Bank und fällt damit unter die Einlagensicherung, nicht mehr unter den Schutz des Depots Grenzfall Privatdarlehen: Leihst du jemandem privat Geld, hast du wie bei einer Anleihe eine Forderung, aber kein Wertpapier; die Zinsen tragen keine KESt, sondern werden nach dem Einkommensteuertarif besteuert (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG 1988) Wie gut dein Geld geschützt ist, hängt weniger vom Produktnamen ab als von der Rechtsform. Bei einer Einlage trägst du das Risiko der Bank, abgefedert durch die Einlagensicherung. Bei einem Wertpapier im Depot ist die Bank nur Verwahrerin; dein Risiko liegt beim Emittenten und beim Kurs. Konkrete Empfehlung: Kläre vor jedem Kauf zwei Fragen: Wer ist der Emittent, der zahlen muss, und kaufst du ein Sondervermögen wie beim Fonds oder eine Schuldverschreibung wie beim Zertifikat? Wertpapiere können im Wert schwanken, bis hin zum Totalverlust. Wenn du ein Depot eröffnen willst, zeigt dir der Depot-Vergleich für Österreich, worauf du bei Kosten und Steuereinfachheit achten solltest. Häufige Fragen zum Wertpapier Was ist ein Wertpapier einfach erklärt? Ein Wertpapier ist ein verbrieftes Recht auf Vermögen: bei einer Aktie der Anteil an einem Unternehmen, bei einer Anleihe der Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung. Wer das Wertpapier besitzt, kann das Recht ausüben und es verkaufen. Kaufst du über eine Bank, verwahrt sie das Wertpapier in deinem Depot, in der Regel gemeinsam mit gleichartigen Stücken anderer Kundinnen und Kunden. Was ist der Unterschied zwischen Wertpapier und Aktien? Wertpapier ist der Oberbegriff, die Aktie eine Art davon. Eine Aktie verbrieft einen Anteil an einer Aktiengesellschaft mit Vermögens- und Mitspracherechten. Andere Wertpapiere verbriefen etwas anderes: eine Anleihe eine Forderung gegen den Emittenten, ein Fondsanteil einen Anteil an einem Investmentfonds. Welche Beispiele gibt es für Wertpapiere? Typische Wertpapiere sind Aktien, Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen, Pfandbriefe, Anteile an Investmentfonds und ETFs sowie Zertifikate. Auch der Bundesschatz der Republik Österreich ist ein Wertpapier, obwohl du ihn nicht über ein Bankdepot kaufst. Keine Wertpapiere sind Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld. Was passiert, wenn man Wertpapiere kauft? Du erteilst deiner Bank oder deinem Broker einen Auftrag, der zum Beispiel über eine Börse zum aktuellen Kurs ausgeführt wird. Der Kaufpreis samt Gebühren wird von deinem Verrechnungskonto abgebucht, das Wertpapier im Depot gutgeschrieben. Ab dann bist du Eigentümer oder Miteigentümer; Dividenden und Zinsen landen auf dem Verrechnungskonto, nach Abzug der KESt, wenn dein Anbieter sie einbehält. Ist der Bundesschatz ein Wertpapier? Ja. Die Bedingungen für Bundesschatzscheine der Republik Österreich bezeichnen sie als Inhaberwertpapiere, vertreten durch eine Sammelurkunde. Deshalb tragen die Zinsen 27,5 % KESt und nicht 25 % wie Zinsen auf Sparbuch oder Festgeld. Anders als die meisten Wertpapiere liegt der Bundesschatz nicht in einem Bankdepot, sondern im Register der OeBFA, und er wird nicht an der Börse gehandelt. Ist ein Sparbuch ein Wertpapier? Nicht im Sinne der Geldanlage. Das Sparbuch ist zwar eine Urkunde, aber über eine Geldeinlage bei einer Bank (§ 31 BWG). Es liegt in keinem Depot, fällt unter die Einlagensicherung bis 100.000 Euro, und seine Zinsen tragen 25 % KESt statt der 27,5 % auf Wertpapiererträge. Sind meine Wertpapiere weg, wenn meine Bank pleitegeht? Nein. Wertpapiere im Depot bleiben dein Eigentum, die Bank verwahrt sie nur. Du kannst verlangen, dass sie auf ein Depot bei einer anderen Bank übertragen werden. Scheitert die Herausgabe, ersetzt die Anlegerentschädigung höchstens 20.000 Euro pro Anleger, auf Antrag. Gegen Kursverluste oder die Zahlungsunfähigkeit des Emittenten schützt beides nicht. Rechtsstand: WAG 2018 § 1, InvFG 2011 §§ 2 und 3, BWG §§ 1 und 31, Depotgesetz §§ 4 und 5, Insolvenzordnung § 44, ESAEG §§ 7, 46 und 47, EStG 1988 §§ 27a und 93, jeweils in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09.2026). Quellen: Bedingungen für Bundesschatzscheine 2024 bis 2054 (Fassung vom 03.04.2024) und Häufige Fragen, bundesschatz.at; OeBFA; Finanzmarktaufsicht, „Sonderfall: Insolvenz des Anbieters“ und Glossar „Investmentfonds“; Oesterreichische Nationalbank, „Einlagensicherung“; Einlagensicherung AUSTRIA, „Informationen zur Anlegerentschädigung“; oesterreich.gv.at, „Wertpapier“ (Stand 19.03.2026); finanznavi.gv.at, „Wertpapiere: Aktien, Anleihen, Fondsanteile“; Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026); Arbeiterkammer Wien, „Sparen, aber sicher“. Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.

Z

Zinseszins

Zinseszins heißt: Gutgeschriebene Zinsen werden mitverzinst. Hier findest du die Formel, ein Rechenbeispiel und was nach KESt und Inflation davon übrig bleibt. Was du über den Zinseszins wissen musst 📈 Zinsen auf Zinsen: Bleiben gutgeschriebene Zinsen auf dem Konto, verzinst die Bank sie ab der nächsten Periode mit; 10.000 Euro wachsen bei 3 % Modellzins und jährlicher Gutschrift in 10 Jahren ohne Steuer auf 13.439,16 Euro statt auf 13.000 Euro mit einfachem Zins 🧮 Formel: Bei jährlicher Gutschrift gilt Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre, den Zinssatz setzt du als Dezimalzahl ein (3 % = 0,03) 🏦 KESt: Bei einer österreichischen Bank gehen von Sparbuch-, Tagesgeld- und Festgeldzinsen schon bei der Gutschrift 25 % KESt ab; mitverzinst wird nur der Rest, aus 3 % werden 2,25 % Nettozins ⚠️ Auszahlung stoppt ihn: Zahlt die Bank die Zinsen auf ein Referenzkonto aus, statt sie deinem Guthaben zuzuschlagen, verzinsen sie sich nur noch mit dem Zinssatz des Referenzkontos Du begegnest dem Zinseszins bei der Zinsgutschrift am Sparbuch, bei Tagesgeld mit monatlicher Gutschrift und bei Festgeld, dessen Konditionen zwischen Auszahlung und Wiederanlage der Zinsen unterscheiden. Was ist der Zinseszins? Der Zinseszins ist der Zins, den du auf bereits gutgeschriebene Zinsen bekommst. Die Bank schlägt die Zinsen einer Periode deinem Kapital zu und rechnet den Zinssatz ab der nächsten Periode auf den höheren Betrag. Dieses Zuschlagen heißt Kapitalisierung. Beim einfachen Zins bleibt die Basis gleich: Du bekommst jedes Jahr Zinsen nur auf dein Startkapital, etwa weil die Zinsen ausbezahlt werden. Beim Zinseszins wächst die Basis mit jeder Gutschrift. Legst du 10.000 Euro zu 3 % an, bekommst du im ersten Jahr 300 Euro Zinsen und im zweiten 309 Euro, weil dann 10.300 Euro verzinst werden. Der Abstand zum einfachen Zins ist anfangs klein und wird jedes Jahr größer, weil der Zinssatz auf eine wachsende Basis wirkt. Dein Kapital wächst exponentiell, nicht linear. Laufzeit Einfacher Zins Mit Zinseszins Mehr durch Zinseszins 1 Jahr 10.300,00 Euro 10.300,00 Euro 0,00 Euro 10 Jahre 13.000,00 Euro 13.439,16 Euro 439,16 Euro 20 Jahre 16.000,00 Euro 18.061,11 Euro 2.061,11 Euro 30 Jahre 19.000,00 Euro 24.272,62 Euro 5.272,62 Euro Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, Modellzins 3 % p.a., jährliche Gutschrift, ohne KESt. Kein Angebot einer Bank. Zinseszins-Formel: So rechnest du Das Endkapital bei jährlicher Gutschrift berechnest du mit der Zinseszinsformel: Kn = K0 × (1 + p)n K0 ist dein Startkapital, p der Jahreszinssatz als Dezimalzahl (3 % = 0,03), n die Zahl der Jahre und Kn das Endkapital. Die Zinsen allein sind Kn minus K0. Ein Beispiel mit 10.000 Euro, 3 % und 10 Jahren: 10.000 × 1,0310 = 13.439,16 Euro. Von den 3.439,16 Euro Zinsen sind 3.000 Euro einfacher Zins und 439,16 Euro Zinseszins. Die Formel setzt voraus, dass der Zinssatz über die ganze Laufzeit gleich bleibt. Ändert die Bank den Zinssatz, wie es bei Tagesgeld möglich ist, bleibt das Ergebnis eine Modellrechnung. Deinen eigenen Betrag rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner inklusive KESt durch. Monatlich, vierteljährlich, jährlich: Wie oft die Bank Zinsen gutschreibt Je öfter die Bank dir Zinsen gutschreibt, desto früher werden sie mitverzinst. Bei m Gutschriften pro Jahr lautet die Formel Kn = K0 × (1 + p/m)m × n. Was dir das über ein Jahr bringt, zeigt die effektive Jahresrendite: (1 + p/m)m − 1. Sie ist der Zinssatz, der bei einer einzigen Gutschrift im Jahr dasselbe Ergebnis liefern würde. Vergleichst du zwei Angebote mit unterschiedlichem Gutschriftsrhythmus, vergleichst du diese Rendite. Gutschrift Effektive Jahresrendite Kapital nach 1 Jahr Kapital nach 10 Jahren Jährlich 3,00 % 10.300,00 Euro 13.439,16 Euro Vierteljährlich 3,03 % 10.303,39 Euro 13.483,49 Euro Monatlich 3,04 % 10.304,16 Euro 13.493,54 Euro Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, nominal 3 % p.a., ohne KESt. Kein Angebot einer Bank. Der Effekt des Rhythmus ist klein. Legst du 10.000 Euro zu 3 % an, bringt dir monatliche statt jährlicher Gutschrift im ersten Jahr 4,16 Euro mehr, nach KESt 2,33 Euro. Ein um 0,1 Prozentpunkte höherer Zinssatz bringt bei jährlicher Gutschrift 10 Euro, nach KESt 7,50 Euro, und damit mehr als der Wechsel auf monatliche Gutschrift. Für Spareinlagen wie das Sparbuch schreibt das Bankwesengesetz einen Abschluss zum Ende des Kalenderjahres vor (§ 32 Abs. 5 BWG). Beim klassischen Sparbuch werden die Zinsen deshalb in der Regel einmal im Jahr gutgeschrieben und ab dem Folgejahr mitverzinst. Bei Tagesgeld und Festgeld legen die Konditionen fest, ob monatlich, vierteljährlich, jährlich oder erst am Laufzeitende gutgeschrieben wird; den Rhythmus je Angebot zeigt der Tagesgeld-Vergleich für Österreich. Zinseszins nach KESt: Was netto wächst In Österreich wirkt der Zinseszins auf Bankzinsen nur netto. Zinsen aus Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld unterliegen 25 % KESt (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Eine österreichische Bank zieht die Steuer im Zeitpunkt der Gutschrift ab (§ 95 Abs. 3 EStG 1988), auch wenn du die Zinsen nicht behebst. Mitverzinst werden nur die 75 %, die auf dem Konto bleiben. Für die Formel heißt das: Setz den Nettozinssatz ein, also den Zinssatz mal 0,75. Aus 3 % werden 2,25 %. Das Finanzministerium rechnet es in den Einkommensteuerrichtlinien genauso vor: Von 50 Euro Sparbuchzinsen gehen 12,50 Euro KESt ab, im zweiten Jahr werden 1.037,50 Euro verzinst (EStR 2000 Rz 7741). Laufzeit Kapital ohne Steuer Kapital nach 25 % KESt Zinsen netto 10 Jahre 13.439,16 Euro 12.492,03 Euro 2.492,03 Euro 20 Jahre 18.061,11 Euro 15.605,09 Euro 5.605,09 Euro 30 Jahre 24.272,62 Euro 19.493,93 Euro 9.493,93 Euro Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, Modellzins 3 % p.a., jährliche Gutschrift, KESt 25 % bei jeder Gutschrift. „Ohne Steuer" dient nur dem Vergleich. Kein Angebot einer Bank. Über mehrere Jahre kostet dich die KESt dabei mehr als ein Viertel der Zinsen, die ohne Steuer angefallen wären. In 20 Jahren behält die Bank im Modell 1.868,36 Euro KESt ein. Weil diese Beträge nicht mehr auf dem Konto liegen, fehlen dir zusätzlich 587,66 Euro Zinseszins darauf. Netto bleiben dir 69,5 % der steuerfreien Zinsen. Was die KESt sonst regelt, etwa wann du Zinsen einer ausländischen Bank selbst erklärst, steht im Lexikoneintrag KESt in Österreich. Inflation: Wie viel Kaufkraft der Zinseszins bringt Der Zinseszins vermehrt Euro, nicht Kaufkraft. Steigen die Preise, kannst du dir mit jedem Euro weniger kaufen. Wie viel Kaufkraft dein Kapital pro Jahr gewinnt, zeigt der Realzins: (1 + Nettozins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Als Näherung reicht Nettozins minus Inflationsrate. Mit 2,25 % Nettozins und einer angenommenen Inflation von 2 % bleibt dir ein Realzins von rund 0,25 % im Jahr. Aus deinen 10.000 Euro werden in zehn Jahren 12.492,03 Euro, in heutiger Kaufkraft sind das 10.247,82 Euro. Liegt die Inflation über dem Nettozins, schrumpft die Kaufkraft trotz Zinseszins. 72er-Regel: Wann sich dein Geld verdoppelt Die 72er-Regel ist eine Faustformel für die Verdopplungszeit: 72 geteilt durch den Zinssatz in Prozent ergibt ungefähr die Jahre, bis sich ein Betrag durch Zinseszins verdoppelt. Bei 3 % schätzt sie 24 Jahre, genau gerechnet sind es 23,45 Jahre. Die Regel ist eine Näherung und liegt bei niedrigen Zinssätzen etwas zu hoch: Bei 1 % schätzt sie 72 Jahre, exakt sind es 69,66. Für dein Guthaben nach KESt setzt du den Nettozins ein. Bei 2,25 % netto schätzt die Regel 32 Jahre, exakt sind es 31,15 Jahre. Genau rechnest du mit ln 2 ÷ ln (1 + p). Wann der Zinseszins wirkt und wann nicht Der Zinseszins wirkt Die Zinsen bleiben auf dem verzinsten Konto, etwa am Sparbuch nach dem Jahresabschluss oder beim Tagesgeld mit Gutschrift auf das Tagesgeldkonto Die Konditionen deines Festgelds schlagen die Zinsen während der Laufzeit dem Guthaben zu Die Laufzeit ist lang und du behebst nichts: Nach 30 Jahren macht der Zinseszins im Modell 5.272,62 Euro aus, mehr als ein Drittel aller Zinsen Der Zinseszins wirkt nicht oder kaum Die Bank zahlt die Zinsen auf ein Referenzkonto aus: Dort verzinsen sie sich nur mit dessen Zinssatz Du behebst die Zinsen nach jeder Gutschrift: Dann bleibt es beim einfachen Zins Die Laufzeit ist kurz: Nach zwei Jahren beträgt der Unterschied im Modell 9 Euro Grenzfall Gutschrift am Laufzeitende: Schreibt ein Festgeld die Zinsen erst am Ende gut, entscheidet die in den Konditionen genannte Berechnungsart, ob mit Zinseszins gerechnet wird Grenzfall Schulden: Werden unbezahlte Zinsen dem offenen Betrag zugeschlagen, zahlst du Zinsen auf Zinsen; wie teuer das werden kann, zeigt der Ratgeber zur Teilzahlung mit der Kreditkarte Vergleiche Sparangebote über den Zinssatz nach KESt und darüber, ob die Zinsen auf dem Konto bleiben. Der Gutschriftsrhythmus kommt erst danach, weil er dein Endkapital am wenigsten verändert. Der Zinseszins belohnt vor allem Zeit. In den ersten Jahren fällt er kaum auf, nach Jahrzehnten macht er einen großen Teil der Zinsen aus. In Österreich rechnet er bei Bankzinsen immer mit dem Nettozins nach 25 % KESt, und real zählt, was nach der Inflation bleibt. Konkrete Empfehlung: Prüf bei jedem Angebot, ob die Zinsen auf dem Sparkonto bleiben oder ausbezahlt werden, und rechne mit dem Nettozins. Aktuelle Zinssätze findest du bei den Tagesgeld-Angeboten in Österreich und bei Festgeld mit fixer Laufzeit. Häufige Fragen zum Zinseszins Wie rechne ich den Zinseszins aus? Du rechnest das Endkapital mit Kn = K0 × (1 + p)n aus: Startkapital mal (1 plus Zinssatz als Dezimalzahl) hoch Anzahl der Jahre. Ziehst du davon Startkapital und einfachen Zins ab, bleibt der Zinseszins. Bei 10.000 Euro, 3 % und 10 Jahren sind das 13.439,16 Euro Endkapital und 439,16 Euro Zinseszins. Bei Bankzinsen in Österreich setzt du für das Ergebnis nach KESt 75 % des Zinssatzes ein. Wie hoch ist der Zinseszins für 10.000 Euro? Das hängt von deinem Zinssatz und der Laufzeit ab. Im Modell mit 3 % und jährlicher Gutschrift werden aus 10.000 Euro in 10 Jahren 13.439,16 Euro, davon 439,16 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt sind es 12.492,03 Euro. Nach 20 Jahren sind es ohne Steuer 18.061,11 Euro, nach KESt 15.605,09 Euro. Wie hoch ist der Zinseszins für 1000 Euro über 10 Jahre? Mit 3 % und jährlicher Gutschrift werden aus 1.000 Euro in 10 Jahren 1.343,92 Euro. Von den 343,92 Euro Zinsen sind 43,92 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt bleiben 1.249,20 Euro. Wie hoch ist der Zinseszinseffekt bei 100.000 €? Mit 3 % und jährlicher Gutschrift wachsen 100.000 Euro in 10 Jahren auf 134.391,64 Euro, davon sind 4.391,64 Euro Zinseszins. Nach 20 Jahren sind es 180.611,12 Euro mit 20.611,12 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt stehen nach 10 Jahren 124.920,34 Euro auf dem Konto, nach 20 Jahren 156.050,92 Euro. Wie lautet die Formel zur Berechnung von Zinsen? Für den einfachen Zins gilt: Zinsen = Kapital × Zinssatz × Jahre, bei 10.000 Euro, 3 % und 2 Jahren also 600 Euro. Für den Zinseszins gilt: Endkapital = Kapital × (1 + Zinssatz) hoch Jahre, im selben Beispiel 10.609 Euro und damit 609 Euro Zinsen. Der Unterschied von 9 Euro ist der Zins auf die Zinsen des ersten Jahres. Bringt eine monatliche Zinsgutschrift mehr? Ja, aber wenig. Bei 10.000 Euro und nominal 3 % bringt monatliche statt jährlicher Gutschrift im ersten Jahr 4,16 Euro mehr, nach KESt 2,33 Euro. Die effektive Jahresrendite steigt dadurch von 3,00 % auf 3,04 %. Ein höherer Zinssatz wirkt stärker als ein häufigerer Gutschriftsrhythmus. Muss ich auf den Zinseszins Steuern zahlen? Ja. Der Zinseszins ist steuerlich einfach Zins: Jede Gutschrift auf Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld unterliegt 25 % KESt, egal ob sie auf dein Startkapital oder auf frühere Zinsen entfällt. Eine österreichische Bank zieht die KESt bei der Gutschrift ab, damit ist die Einkommensteuer darauf in der Regel abgegolten. Rechtsstand: EStG 1988 §§ 27a und 95 sowie BWG § 32 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09.2026). Quellen: Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge" (Stand 01.01.2026) und Einkommensteuerrichtlinien 2000 Rz 7710 und 7741; oesterreich.gv.at, „Kapitalertragsteuer (KESt)" (Stand 20.01.2026). Alle Rechenbeispiele sind eigene Modellrechnungen mit 3 % Modellzins, gerundet auf Cent, und kein Angebot einer Bank.