Finanzlexikon
Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.
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Realzins
Der Realzins ist der Zins, der dir nach Abzug der Inflation bleibt. Hier erfährst du, wie du ihn in drei Rechenschritten ermittelst, welche der beiden österreichischen Inflationsraten du dafür nimmst und warum die KESt schon vor der Inflationsbereinigung zuschlägt. Was du über den Realzins wissen musst 📉 Definition: Der Realzins ist der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate. Er zeigt, ob dein Guthaben in einem Jahr Kaufkraft gewinnt oder verliert. Wir rechnen bei Capitalo mit dieser einfachen Differenz und vor Steuern, so wie es die Oesterreichische Nationalbank und das Finanzbildungsportal Finanznavi des Bundes tun. 🇦🇹 Welche Inflationsrate: Für Österreich zählt der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria. Der harmonisierte Index (HVPI) misst dieselben Preise mit anderer Gewichtung und liefert eine andere Rate: im Juli 2026 waren es 2,8 % nach VPI und 2,7 % nach HVPI. 💰 KESt vor Inflation: Auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten fallen 25 % Kapitalertragsteuer an (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988), auf übrige Kapitalerträge 27,5 %. Abgezogen wird vom vollen Zins, nicht vom realen Ertrag. Einen Freibetrag wie in Deutschland gibt es dafür nicht; wer unter 25 % Durchschnittssteuersatz liegt, holt sich einen Teil über die Regelbesteuerungsoption zurück. ⚠️ Negativer Realzins: Liegt die Inflationsrate über deinem Zins, wächst dein Kontostand und seine Kaufkraft schrumpft. Die OeNB hat für täglich fällige Einlagen privater Haushalte von Dezember 1995 bis Jänner 2017 in 193 von 254 Monaten eine negative inflationsbereinigte Verzinsung gemessen. Was ist der Realzins? Der Realzins ist die Verzinsung einer Geldanlage, bereinigt um die Preisentwicklung. Der Nominalzins ist dagegen der Satz, den du mit deiner Bank vereinbarst und der deinem Konto gutgeschrieben wird. Den Unterschied macht die Inflation: Steigen die Preise schneller als dein Guthaben, kannst du dir mit mehr Geld weniger kaufen. Bei Capitalo wird der Realzins als einfache Differenz dargestellt: Nominalzins minus Inflationsrate, und zwar vor Steuern. Das ist dieselbe Konvention, die das Finanzbildungsportal Finanznavi des Bundes verwendet und mit der die OeNB in ihren Analysen die inflationsbereinigte Verzinsung von Spareinlagen ausweist. Den Zins nach Abzug der KESt führen wir als eigene, ausdrücklich benannte Größe: als Realzins nach KESt. Wer beides vermischt, vergleicht Äpfel mit Birnen, sobald er eine Zahl aus einer Statistik neben eine Zahl aus einem Zinsrechner legt. Wie groß der Abstand über die Jahre wird, zeigt ein Modell. 10.000 EUR wachsen bei 3 % Zins mit jährlicher Gutschrift in 10 Jahren auf 13.439,16 EUR, weil der Zinseszins mitläuft. Steigen die Preise in derselben Zeit um 2 % pro Jahr, hat dieses Endkapital die Kaufkraft von 11.024,80 EUR in heutigem Geld. Von 3.439,16 EUR Zinsen bleiben real rund 1.025 EUR Zuwachs. Realzins berechnen: Faustformel und exakte Formel Die Rechnung lautet: Realzins = Nominalzins − Inflationsrate. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation ergibt das 1,00 %. Diese Differenz ist die Form, in der der Realzins in Österreich üblicherweise kommuniziert wird, und sie reicht für den Vergleich zweier Zinsangebote aus. Daneben gibt es eine exakte Form, die Fisher-Gleichung: Realzins = (1 + Nominalzins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Mit denselben Werten rechnest du 1,03 ÷ 1,02 = 1,009804, minus 1 ergibt 0,98 %. Die Differenz zwischen beiden Wegen beträgt hier 0,02 Prozentpunkte. Sie wächst mit der Inflationsrate und mit dem Abstand zwischen Zins und Inflation. Bei den Raten, die Österreich seit 2024 sieht, bleibt der Unterschied im Bereich von Hundertsteln; in einer Hochinflationsphase wird er sichtbar. Nominalzins (Modell) Inflationsrate (Modell) Realzins als Differenz Realzins nach Fisher Abweichung in Prozentpunkten 3,00 % 2,0 % 1,00 % 0,98 % 0,02 2,00 % 2,8 % −0,80 % −0,78 % 0,02 1,00 % 2,8 % −1,80 % −1,75 % 0,05 1,00 % 9,5 % −8,50 % −7,76 % 0,74 Modellrechnung. Sämtliche Zinssätze und Inflationsraten in dieser Tabelle sind Rechenwerte zur Veranschaulichung, keine Angebote einzelner Banken und keine Prognose. VPI oder HVPI: welche Inflationsrate du einsetzt Statistik Austria veröffentlicht für Österreich zwei Inflationsraten, die aus denselben Preisdaten stammen und sich in der Gewichtung unterscheiden. Der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) folgt dem Inländerkonzept und erfasst nur die Ausgaben der in Österreich lebenden Haushalte. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) folgt dem Inlandskonzept und zählt auch die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen in Österreich mit. Für dich als Sparerin oder Sparer ist der VPI die maßgebliche Größe. Er ist der nationale Inflationsmaßstab, er dient als Grundlage für Lohn- und Kollektivvertragsverhandlungen, und er steht in den Wertsicherungsklauseln, mit denen Mieten, Unterhaltszahlungen und Versicherungsbeiträge angepasst werden. Der HVPI ist die europäische Vergleichsgröße, an der sich die EZB bei ihren geldpolitischen Entscheidungen orientiert. Beide Indizes werden seit Jänner 2026 auf der Basis 2025 = 100 veröffentlicht. Die beiden Raten fallen selten gleich aus. Im Juli 2026 lag die Inflationsrate nach VPI bei 2,8 %, nach HVPI bei 2,7 %. Statistik Austria nennt dafür konkrete Gründe: Instandhaltung von Wohnungen und Versicherungen haben im HVPI ein geringeres Gewicht und dämpften ihn, Flugtickets und Gastronomiedienstleistungen haben ein höheres Gewicht und hoben ihn an. Bei 3 % Nominalzins ergibt sich daraus ein Realzins von 0,20 % nach VPI und 0,30 % nach HVPI. Auf 20.000 EUR sind das 20 EUR Unterschied im Jahr, allein durch die Wahl der Kennzahl. Ein dritter Weg führt über die eigene Ausgabenstruktur. Wenn dein Haushalt deutlich anders einkauft als der Durchschnittswarenkorb, weicht deine persönliche Teuerung von der offiziellen Rate ab. Statistik Austria stellt dafür einen persönlichen Inflationsrechner bereit, dessen Ergebnis allerdings ausdrücklich kein verlautbarter Indikator für vertragliche Wertsicherungen ist. Stand: September 2026. Quellen: Statistik Austria, Pressemitteilung „Inflation in Österreich im Juli 2026 bei 2,8 %“ vom 19.08.2026; Statistik Austria, Standarddokumentation VPI/HVPI und Factsheet zur Revision 2025. Realzins nach KESt: der Steuerabzug kommt zuerst Die Kapitalertragsteuer setzt am Nominalzins an, nicht am Realzins. Auf Zinsen aus Geldeinlagen und nicht verbrieften sonstigen Geldforderungen bei Kreditinstituten beträgt sie 25 % (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Darunter fallen Sparbuch, Girokonto, Termineinlage und Festgeld. Für alle übrigen Einkünfte aus Kapitalvermögen, etwa Zinsen aus Anleihen, Dividenden oder Fondserträge, gelten 27,5 %. Mehr dazu steht im Eintrag zur KESt. Die Bank behält die Steuer ein und führt sie an das Finanzamt ab, damit ist die Einkommensteuer auf diese Zinsen abgegolten. Einen Freibetrag, den du deiner Bank melden könntest, sieht das Gesetz dafür nicht vor: § 94 EStG 1988 zählt auf, in welchen Fällen kein KESt-Abzug stattfindet, und ein allgemeiner Freibetrag für private Sparzinsen steht nicht darunter. Das ist der Punkt, an dem sich Österreich von Deutschland unterscheidet, wo ein Sparerpauschbetrag die ersten Erträge steuerfrei stellt. Eine Entlastung gibt es trotzdem, aber über einen anderen Weg. Liegt dein Durchschnittssteuersatz unter 25 %, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption nach § 27a Abs. 5 EStG 1988 beantragen. Die einbehaltene KESt wird dann auf die Einkommensteuer angerechnet und ein Überhang rückerstattet. Die Option gilt nur für sämtliche Einkünfte aus Kapitalvermögen gemeinsam, nicht für einzelne Konten. Den Realzins nach KESt rechnest du in zwei Schritten. Zuerst den Nettozins: Nominalzins × 0,75. Aus 3 % werden 2,25 %. Dann ziehst du die Inflationsrate ab: 2,25 % − 2,0 % ergibt 0,25 %. Nominalzins (Modell) Realzins vor Steuern Nettozins nach 25 % KESt Realzins nach KESt 2,00 % 0,00 % 1,50 % −0,50 % 3,00 % 1,00 % 2,25 % 0,25 % 4,00 % 2,00 % 3,00 % 1,00 % Modellrechnung bei 2,0 % Inflation, KESt 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen, ohne Regelbesteuerungsoption. Die Zinssätze sind Rechenwerte, keine Angebote einzelner Banken. In Euro wird der Effekt deutlicher. 1.000 EUR bringen bei 3 % Zins 30,00 EUR im Jahr. Davon gehen 7,50 EUR KESt ab, es bleiben 22,50 EUR. Bei 2 % Inflation brauchst du 20,00 EUR allein dafür, die Kaufkraft deiner 1.000 EUR zu halten. Real bleiben dir also 2,50 EUR statt 10,00 EUR: Die Steuer nimmt 25 % deiner Zinsen, aber 75 % deines realen Ertrags. Daraus folgt eine Schwelle, die sich leicht merken lässt. Damit dein Guthaben nach KESt real nicht verliert, muss der Zins mindestens die Inflationsrate geteilt durch 0,75 erreichen. Bei 2,0 % Inflation sind das 2,67 %, bei einer Rate wie im Juli 2026 von 2,8 % schon 3,73 %. Negativer Realzins in Österreich Ein negativer Realzins entsteht, wenn die Inflationsrate über dem Nominalzins liegt. Dein Kontostand wächst, seine Kaufkraft sinkt. Ein Modell mit der Juli-Rate 2026: 10.000 EUR zu 1 % Zins stehen nach einem Jahr bei 10.100,00 EUR. Bei 2,8 % Inflation entspricht das einer Kaufkraft von 9.824,90 EUR in heutigem Geld, der Realzins liegt bei −1,80 %. Historisch ist das in Österreich eher die Regel als die Ausnahme. Die OeNB hat die Einlagenzinsen privater Haushalte um die Inflation bereinigt und kam für den Zeitraum Dezember 1995 bis Jänner 2017 auf 193 negative Monate von 254, das sind 76 %. Bei längeren Bindungsfristen war der Anteil geringer: rund 20 % bei Einlagen mit mehr als zwei Jahren Laufzeit. In der Inflationsphase 2022 meldete die OeNB für täglich fällige Spareinlagen eine negative Realverzinsung von −5,8 % im Februar 2022, den tiefsten Wert seit April 1974 mit −6,2 %. Eine laufende amtliche Realzins-Zeitreihe für Österreich gibt es allerdings nicht. Die OeNB veröffentlicht monatlich die nominellen Einlagen- und Kreditzinssätze der österreichischen Kreditinstitute im Rahmen der EZB-Zinssatzstatistik; die Inflationsbereinigung nimmt sie nur in einzelnen Analysen vor. Den Realzins für deine Anlage rechnest du also selbst: nomineller Zins aus deinem Vertrag, Inflationsrate aus der jüngsten VPI-Veröffentlichung. Stand: September 2026. Quellen: OeNB, Inflation aktuell Q1/17, Schwerpunktthema zu inflationsbereinigten Einlagenzinsen; OeNB-Presseaussendung vom 28.03.2022; OeNB, EZB-Zinssatzstatistik. Die genannten Werte sind Durchschnitte aus der Zinssatzstatistik, keine Aussage über einzelne Angebote. Ex ante und ex post: erwarteter und tatsächlicher Realzins Bei einer Anlage mit fester Laufzeit kennst du den Nominalzins bei Abschluss, die Inflation der kommenden Jahre aber nicht. Rechnest du mit der erwarteten Inflation, erhältst du den Ex-ante-Realzins. Setzt du die tatsächlich eingetretene Rate ein, ergibt sich der Ex-post-Realzins. Die OeNB weist in ihren Auswertungen ausdrücklich Ex-post-Werte aus und bereinigt die Zinssätze mit jener Inflationsrate, die zwölf Monate später veröffentlicht wurde. Ein Modell zeigt den Unterschied. Du legst 10.000 EUR für 3 Jahre zu 3 % an und erwartest 2 % Inflation pro Jahr. Ex ante planst du mit einem realen Zuwachs auf 10.297,01 EUR in heutigem Geld. Steigen die Preise tatsächlich um 3 % pro Jahr, hat das Endkapital von 10.927,27 EUR genau die Kaufkraft deiner ursprünglichen 10.000 EUR. Für dein Termingeld heißt das: Der Zins ist über die Laufzeit fest, der Realzins nicht. Wo die Realzins-Rechnung trägt und wo sie an Grenzen stößt Der Realzins hilft dir, wenn du zwei Zinsangebote über mehrere Jahre vergleichst und wissen willst, ob dein Geld Kaufkraft gewinnt oder nur nominal wächst du entscheidest, wie lange du dich binden willst, denn bei fester Laufzeit steht nur der Nominalzins fest du einen Kredit bewertest: Die Rechnung gilt auch für Kreditkosten, 4 % Sollzins bei 2 % Inflation entsprechen real 2,00 % Die Rechnung stößt an Grenzen, wenn deine persönliche Teuerung vom Durchschnittswarenkorb abweicht, etwa weil du überdurchschnittlich viel für Wohnen oder Verkehr ausgibst deine Anlage länger als ein Jahr läuft, denn die Inflationsrate vergleicht nur einen Monat mit dem Vorjahresmonat die Preise sinken: Bei Deflation liegt der Realzins über dem Nominalzins, und eine Zinsgutschrift von 0 % wäre real positiv Vergleiche Zinsangebote am Realzins vor Steuern, wenn du zwei Angebote gegeneinander stellst. Rechne den Realzins nach KESt, sobald du wissen willst, was am Jahresende tatsächlich an Kaufkraft übrig bleibt. Unsere Einschätzung: Halte jeden angebotenen Zins gegen die aktuelle VPI-Rate, bevor du dich entscheidest. Liegt er darunter, verliert dein Geld an Kaufkraft, unabhängig davon, wie der Kontostand aussieht. Und rechne den Steuerabzug mit, bevor du eine Zinserhöhung für einen Gewinn hältst: Teile die Inflationsrate durch 0,75, dann kennst du den Zins, ab dem nach KESt real etwas übrig bleibt. Wie viel Zinsen dein Guthaben nominal bringt, rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner aus. Welche Zinsen es derzeit gibt, siehst du im Tagesgeld-Vergleich und im Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Realzins Was ist der Unterschied zwischen Real- und Nominalzins? Der Nominalzins ist der Zinssatz, den deine Bank vereinbart und gutschreibt. Der Realzins ist dieser Zins nach Abzug der Inflationsrate und zeigt, ob dein Guthaben an Kaufkraft gewinnt. Bei 3 % Nominalzins und 2 % Inflation liegt der Realzins bei 1,00 %. Rechnest du exakt nach der Fisher-Gleichung, also 1,03 ÷ 1,02 − 1, ergibt sich 0,98 %. Wie berechne ich den Realzins in Österreich? Du ziehst vom Nominalzins deiner Anlage die Inflationsrate laut Verbraucherpreisindex der Statistik Austria ab. Willst du den Realzins nach Steuern wissen, multiplizierst du den Nominalzins zuerst mit 0,75, weil auf Zinsen aus Geldeinlagen 25 % KESt anfallen, und ziehst danach die Inflationsrate ab. Aus 3 % Zins werden so 2,25 % Nettozins und bei 2 % Inflation 0,25 % Realzins nach KESt. Welche Inflationsrate gilt für Österreich, VPI oder HVPI? Für österreichische Fragestellungen zählt der nationale Verbraucherpreisindex (VPI) der Statistik Austria. Er erfasst nur die Ausgaben der in Österreich lebenden Haushalte und ist die Grundlage für Wertsicherungsklauseln und Lohnverhandlungen. Der harmonisierte Index (HVPI) bezieht auch die Ausgaben ausländischer Gäste ein und dient dem EU-Vergleich sowie der EZB. Im Juli 2026 lag die Rate nach VPI bei 2,8 % und nach HVPI bei 2,7 %. Wird bei der KESt die Inflation berücksichtigt? Nein. Die Kapitalertragsteuer von 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten fällt auf den vollen gutgeschriebenen Zins an, einen Abzug für den Kaufkraftverlust sieht das EStG 1988 nicht vor. Bei 3 % Zins und 2 % Inflation nimmt die Steuer deshalb 25 % deiner Zinsen, aber 75 % deines realen Ertrags. Liegt dein Durchschnittssteuersatz unter 25 %, kannst du über die Regelbesteuerungsoption einen Teil zurückholen. Was bedeutet ein negativer Realzins? Ein negativer Realzins bedeutet, dass die Preise schneller steigen, als dein Guthaben verzinst wird. Dein Kontostand wächst, du kannst dir damit aber weniger kaufen als vorher. 10.000 EUR zu 1 % Zins haben bei 2,8 % Inflation nach einem Jahr die Kaufkraft von 9.824,90 EUR, obwohl 10.100,00 EUR auf dem Konto stehen. Stand: September 2026. Quellen: § 27a und § 94 EStG 1988 (RIS, Fassung vom 16.09.2026); Bundesministerium für Finanzen, Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge, Stand 1. Jänner 2026; oesterreich.gv.at, Kapitalertragsteuer (KESt), Stand 20.01.2026; Statistik Austria, Verbraucherpreisindex (VPI/HVPI) und Pressemitteilung vom 19.08.2026; Oesterreichische Nationalbank, Inflation aktuell Q1/17 und Presseaussendung vom 28.03.2022; Finanznavi (Nationale Finanzbildungsstrategie), Glossareintrag Realzins. Alle Zinssätze in den Rechenbeispielen sind Modellwerte, keine Angebote einzelner Banken. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Steuerberatung.
Referenzkonto
Ein Referenzkonto ist das auf deinen Namen lautende Zahlungskonto, das du bei der Eröffnung eines Sparkontos, eines Festgelds oder eines Depots angibst. Auszahlungen gehen nur auf dieses eine Konto. Hier liest du, welche Konten in Österreich zugelassen sind, warum kein Gesetz die Bindung vorschreibt und wie du das Konto wechselst. Was du über das Referenzkonto wissen musst 🏦 Definition: Das Referenzkonto ist ein Zahlungskonto auf deinen Namen, meist dein Giro- oder Gehaltskonto. Österreichische Banken lassen Auszahlungen aus Sparkonten, Festgeldern und Depots nur auf dieses Konto laufen. ⚖️ Rechtsgrundlage: Keine. Kein österreichisches Gesetz schreibt ein Referenzkonto vor, die Bindung steht in den Bedingungen der Banken. Nur wenn eine Bank bei der Eröffnung auf den Ausweis verzichtet, muss die erste Zahlung über ein Konto auf deinen Namen laufen (§ 6 Abs 4 Z 4 FM-GwG). 📕 Sparbuch: Ein klassisches Sparbuch scheidet als Referenzkonto aus. Über eine Spareinlage darf nicht per Überweisung verfügt werden, eine Überweisung auf die Spareinlage ist dagegen zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). 🔁 Wechsel: Der gesetzliche Kontowechsel-Service (§§ 14 bis 20 VZKG) gilt nur für Zahlungskonten. Dein Sparkonto ist keines, deshalb musst du ein neues Referenzkonto bei jeder Anlagebank einzeln melden. Was ist ein Referenzkonto? Ein Referenzkonto, in österreichischen Bedingungen auch Referenzbankverbindung genannt, ist ein auf dich lautendes Zahlungskonto, das du bei der Eröffnung eines Anlagekontos bekannt gibst. Über dieses Konto zahlst du ein, dorthin zahlt die Bank aus, an ein anderes Konto überweist sie vom Anlagekonto aus nicht. Der Begriff beschreibt eine Rolle, keine Kontoart. Dein Gehaltskonto wird zum Referenzkonto, sobald du es als Gegenkonto hinterlegst, und kann diese Rolle für mehrere Anlagen bei verschiedenen Banken gleichzeitig übernehmen. Ein Tagesgeldkonto in Österreich ist ein Anlagekonto und dient nicht dem Zahlungsverkehr. Es kann weder Miete überweisen noch Lastschriften einlösen. Willst du über das Guthaben verfügen, überweist du es zuerst auf dein Referenzkonto und zahlst von dort. Bei Festgeld, das in den Bedingungen oft Termingeld heißt, gehen Kapital und Zinsen am Ende der Bindungsfrist denselben Weg. Dass ein solches Sparkonto rechtlich kein Zahlungskonto ist, hat der Europäische Gerichtshof für einen österreichischen Fall entschieden: Ein Sparkonto mit täglicher Fälligkeit, auf das und von dem Einzahlungen und Abhebungen nur über ein Girokonto möglich sind, fällt nicht unter den Begriff Zahlungskonto (Urteil vom 04.10.2018, C-191/17). Der Oberste Gerichtshof hat daraus gezogen, dass das Zahlungsdienstegesetz auf solche Online-Sparkonten nicht anwendbar ist (4 Ob 207/18x vom 27.11.2018). Für dich heißt das: Dein Sparkonto lebt nach den Bedingungen der Bank, nicht nach den Regeln für Zahlungskonten. Schreibt ein Gesetz das Referenzkonto vor? Nein. In keinem österreichischen Gesetz steht, dass du für ein Sparkonto, ein Festgeld oder ein Depot ein Referenzkonto angeben musst. Die Pflicht stammt aus den Sonderbedingungen der Banken. Weder das Bankwesengesetz noch das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz noch das Zahlungsdienstegesetz 2018 kennen den Begriff in dieser Form. Eine einzige Stelle im Geldwäscherecht verlangt ein Konto auf deinen Namen, und sie zielt auf etwas anderes. Eröffnest du ohne persönlichen Kontakt, darf die Bank die persönliche Vorlage des Lichtbildausweises durch eine von vier Sicherungsmaßnahmen ersetzen: Online-Identifikation per Video, elektronischer Ausweis, qualifizierte elektronische Signatur samt Ausweiskopie oder die Abwicklung der ersten Zahlung über ein Konto, das im Namen des Kunden bei einem Kreditinstitut eröffnet wurde (§ 6 Abs 4 FM-GwG). Nur die vierte Variante verlangt dieses Konto, sie betrifft die erste Einzahlung, nicht die Auszahlung, und sie steht zur Wahl. Eine Bank, die dich per Video oder ID Austria identifiziert, braucht sie nicht. Die Banken selbst begründen die Bindung mit Sicherheit: Weil Auszahlungen nur auf ein Konto auf deinen Namen gehen, kann jemand mit gestohlenen Zugangsdaten das Guthaben nicht auf ein fremdes Konto umleiten. Das ist ein nachvollziehbares Argument, aber ein vertragliches, kein gesetzliches. Stand: 16.09.2026. Quellen: § 6 Abs 4 FM-GwG und § 32 BWG in der geltenden Fassung (RIS), EuGH 04.10.2018 C-191/17, OGH 27.11.2018 4 Ob 207/18x. Warum ein Sparbuch kein Referenzkonto sein kann Für das klassische Sparbuch gilt eine Regel, die es als Gegenkonto ausschließt. Über eine Spareinlage darf nicht durch Überweisung oder Scheck verfügt werden, eine Überweisung auf die Spareinlage ist dagegen ausdrücklich zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). Geld kommt also hinein, per Überweisung aber nicht wieder heraus. Ausnahmen bestehen nur, wenn ein Gericht das im Verlassenschafts-, Vormundschafts- oder Pflegschaftsverfahren anordnet. Dazu kommt: Auszahlungen aus einer Spareinlage dürfen nur gegen Vorlage der Sparurkunde geleistet werden (§ 32 Abs 2 BWG). Ein Konto, bei dem du für jede Auszahlung das Buch vorlegen musst, taugt nicht als automatisches Auszahlungsziel. Wie das Sparbuch im Detail funktioniert, liest du im eigenen Eintrag. Online-Sparkonten funktionieren anders. Deren Bedingungen sehen den Kontoübertrag auf das Referenzkonto ausdrücklich vor, und viele Banken erlauben zusätzlich eine Barauszahlung am Schalter an den Kontoinhaber selbst, nicht aber an Bevollmächtigte oder Zeichnungsberechtigte. Welche Konten österreichische Banken zulassen Die Bedingungen unterscheiden sich, diese vier Anforderungen findest du aber in fast allen: Zahlungskonto: Das Referenzkonto muss für den Zahlungsverkehr geeignet sein, also in der Regel ein Giro- oder Gehaltskonto. Ein zweites Sparkonto erfüllt das meist nicht, weil es selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Auf deinen Namen: Ein Konto des Partners, der Eltern oder einer Firma akzeptieren die Banken für dein Einzelkonto nicht. Andere Bank erlaubt: Das Referenzkonto darf bei einer anderen Bank liegen als die Geldanlage. Genau so lag der Fall, den der Oberste Gerichtshof entschieden hat. SEPA-Raum: Viele österreichische Banken lassen jedes auf dich lautende Zahlungskonto im SEPA-Raum zu, nicht nur eines bei einer österreichischen Bank. Einzelne Institute beschränken sich auf Konten in Österreich, das steht in den Bedingungen. Bei Einzahlungen sind die Regeln uneinheitlicher. Manche Banken nehmen Überweisungen von jedem Konto auf deinen Namen an, andere buchen jede Einzahlung zurück, die nicht vom hinterlegten Referenzkonto kommt. Referenzkonto und Verrechnungskonto Beide Begriffe tauchen bei Depots nebeneinander auf und meinen nicht dasselbe. Das Verrechnungskonto liegt bei der Bank, die dein Depot führt, und bucht Käufe, Verkäufe, Dividenden und Zinsen. Das Referenzkonto ist dein Konto nach außen. Merkmal Referenzkonto Verrechnungskonto Wo es liegt bei einer Bank deiner Wahl, oft einer anderen als die Anlage bei der Bank, die Depot oder Geldanlage führt Wofür Ein- und Auszahlungen zwischen dir und der Anlage Abrechnung von Käufen, Verkäufen, Dividenden und Zinsen Wer es eröffnet du, meist besteht es schon die Bank, meist automatisch mit dem Depot Kontoart Zahlungskonto mit IBAN, meist Girokonto eigenes Konto der Depotbank, kein Zahlungskonto Stand: 16.09.2026. Grundlage: Vertragsbedingungen österreichischer Banken für Online-Sparkonten und Depots. Führst du Gehaltskonto und Depot bei derselben Bank, übernimmt oft dasselbe Haus beide Rollen. Ein getrenntes Gegenkonto brauchst du dann meist nicht. Bei einer Direktbank ohne eigenes Girokonto ist das Referenzkonto dagegen der einzige Weg, an dein Geld zu kommen. Gemeinschaftskonto als Referenzkonto Führst du ein Sparkonto zu zweit, regeln die Bedingungen, welches Gegenkonto zulässig ist. Die Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken in der Fassung 2026 lassen beide Wege zu: Das Referenzkonto kann ein Gemeinschaftskonto der Kontomitinhaber sein, oder jeder Mitinhaber legt für Auszahlungen ein eigenes, auf ihn lautendes Referenzkonto fest. Das ist mehr als eine Formalie. Liegt ein gemeinsames Konto dahinter, kann jeder Mitinhaber über ausgezahltes Geld verfügen. Legt jeder sein eigenes Gegenkonto fest, landet die Auszahlung dort, wo sie beantragt wurde. Welche Variante deine Bank anbietet, steht in ihren Bedingungen, nicht im Gesetz. Worauf du bei einem Gemeinschaftskonto in Österreich sonst achten solltest, zeigt der Vergleich. Referenzkonto ändern Der häufigste Anlass ist ein neues Gehaltskonto. Das neue Konto muss dieselben Bedingungen erfüllen wie das alte, vor allem auf deinen Namen lauten. 1 Neues Konto bereithalten Das neue Konto muss eröffnet und aktiv sein. Halte die IBAN bereit. 2 Bei jeder Anlagebank einzeln melden Du trägst das neue Konto im Electronic Banking der Anlagebank ein und gibst die Änderung frei, oder du reichst sie schriftlich ein. Manche Banken prüfen das Konto mit einer Testüberweisung über wenige Cent. 3 Bestätigung abwarten Bis die Änderung wirksam ist, zahlt die Bank noch auf das alte Konto aus. Erst danach gehen Auszahlungen an das neue Konto. Der gesetzliche Kontowechsel-Service nimmt dir diesen Schritt nicht ab. Er verpflichtet Zahlungsdienstleister, Daueraufträge, Lastschriftmandate und wiederkehrende Eingänge zwischen zwei Zahlungskonten zu übertragen (§§ 14 bis 20 VZKG), und er gilt nur für Konten, über die Zahlungen an Dritte und von Dritten laufen (§ 3 VZKG). Ein Sparkonto oder Depot erfüllt das nicht. Die dort hinterlegte Referenzbankverbindung musst du selbst ändern. Wie der Wechsel des Gehaltskontos abläuft, steht in der Anleitung zum Kontowechsel. Schließe dein altes Konto erst, wenn alle Anlagebanken das neue Referenzkonto bestätigt haben. Sonst geht die nächste Auszahlung an ein Konto, das es nicht mehr gibt, und du wartest auf die Rücküberweisung. Wann du ein Referenzkonto brauchst und wann nicht Ein Referenzkonto brauchst du für ein Sparkonto oder Tagesgeld bei einer Bank, bei der du kein Girokonto führst für Festgeld, weil Kapital und Zinsen am Ende der Bindungsfrist dorthin fließen für ein Depot bei einem Online-Broker oder einer Direktbank bei Anbietern aus dem EU-Ausland, die in Österreich keine Filiale haben Kein getrenntes Referenzkonto brauchst du wenn Gehaltskonto und Geldanlage bei derselben Bank liegen bei einem klassischen Sparbuch, über das du am Schalter gegen Vorlage der Sparurkunde verfügst bei einem Festgeld, das die Bank über dein bestehendes Sparkonto im selben Haus abwickelt: Es nutzt dessen Referenzkonto Unsere Einschätzung: Nimm ein einziges Gehaltskonto als festes Referenzkonto für alle Sparkonten, Festgelder und Depots. Dann weißt du immer, wo Auszahlungen ankommen, und musst bei einem Wechsel nur eine Liste abarbeiten. Führe diese Liste tatsächlich: Weil der gesetzliche Kontowechsel-Service Sparkonten nicht erfasst, merkt sich niemand außer dir, bei welchen Banken die alte IBAN hinterlegt ist. Wo du ein Konto ohne Bedingungen bekommst, zeigt der Girokonto-Vergleich, passende Anlagen der Tagesgeld-Vergleich und der Festgeld-Vergleich. Häufige Fragen zum Referenzkonto Was ist mit Referenzkonto gemeint? Gemeint ist das Zahlungskonto auf deinen Namen, das du bei der Eröffnung eines Sparkontos, Festgelds oder Depots angibst. Es ist das einzige Konto, an das die Anlagebank auszahlt. Bei Krediten und Kreditkarten heißt oft auch jenes Konto so, von dem die Bank Raten oder die Monatsabrechnung einzieht. Ist ein Girokonto ein Referenzkonto? Ein Giro- oder Gehaltskonto wird zum Referenzkonto, sobald du es bei einer Bank als Gegenkonto hinterlegst. Gleichbedeutend sind die Begriffe nicht: Girokonto beschreibt die Kontoart, Referenzkonto die Rolle. Weil die Banken ein Konto mit Zahlungsverkehr verlangen, ist es in der Praxis fast immer ein Girokonto. Kann ein Tagesgeldkonto ein Referenzkonto sein? Bei einer anderen Bank meist nicht, weil ein Tagesgeld- oder Sparkonto in Österreich nicht dem Zahlungsverkehr dient und selbst nur an sein eigenes Referenzkonto überweisen kann. Innerhalb einer Bank ist es anders: Dort dient ein täglich fälliges Sparkonto oft als Gegenkonto für ein Festgeld desselben Hauses. Kann mein Sparbuch das Referenzkonto sein? Nein. Über eine Spareinlage darf nicht durch Überweisung verfügt werden, eine Überweisung auf das Sparbuch ist dagegen zulässig (§ 32 Abs 3 BWG). Auszahlungen setzen zudem die Vorlage der Sparurkunde voraus (§ 32 Abs 2 BWG). Als automatisches Auszahlungsziel scheidet das Sparbuch damit aus. Darf das Referenzkonto bei einer anderen Bank liegen? Ja, das ist der Normalfall. Österreichische Banken verlangen ein auf dich lautendes Zahlungskonto, viele lassen jedes Konto im SEPA-Raum zu. Genau diese Konstellation lag der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom 27.11.2018 zugrunde, in der das Girokonto ausdrücklich auch bei einer anderen Bank liegen durfte. Einzelne Institute beschränken sich auf Konten in Österreich, das steht in ihren Bedingungen. Schreibt das Geldwäscherecht ein Referenzkonto vor? Nein. Das Finanzmarkt-Geldwäschegesetz verlangt, dass die Bank dich identifiziert. Eröffnest du ohne persönlichen Kontakt, ist die Abwicklung der ersten Zahlung über ein Konto auf deinen Namen eine von vier zulässigen Sicherungsmaßnahmen (§ 6 Abs 4 FM-GwG), neben Video-Identifikation, elektronischem Ausweis und qualifizierter elektronischer Signatur. Sie betrifft die erste Einzahlung und ist keine dauerhafte Pflicht zum Gegenkonto. Wie ändere ich mein Referenzkonto? Du meldest das neue Konto bei jeder Anlagebank einzeln, im Electronic Banking oder schriftlich. Manche Banken prüfen es mit einer Testüberweisung. Der gesetzliche Kontowechsel-Service nach dem Verbraucherzahlungskontogesetz hilft dabei nicht, weil er nur zwischen Zahlungskonten wirkt. Bis die Änderung bestätigt ist, gehen Auszahlungen noch auf das alte Konto. Was gilt beim Gemeinschaftskonto? Das regeln die Bedingungen der jeweiligen Bank. Nach den Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken (Fassung 2026) kann das Referenzkonto ein Gemeinschaftskonto der Mitinhaber sein, alternativ legt jeder Mitinhaber ein eigenes, auf ihn lautendes Referenzkonto fest. Ein Gesetz gibt dazu nichts vor. Stand: 16.09.2026. Rechtsstand nach RIS (Bundesrecht konsolidiert): § 32 BWG, § 6 FM-GwG, §§ 3 und 14 bis 20 VZKG. Rechtsprechung: EuGH 04.10.2018, C-191/17; OGH 27.11.2018, 4 Ob 207/18x. Bankpraxis nach den Bedingungen für das Online Sparen der Raiffeisenbanken, Fassung 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung.