Lexikon

Sparbuch

Das Sparbuch ist eine Spareinlage mit Urkunde. Hier liest du, welche Arten es gibt, was ab 15.000 Euro gilt und wie Zinsen besteuert werden.

Was du über das Sparbuch wissen musst

  • 🏦 Sparurkunde: Ein Sparbuch ist eine Spareinlage, die eine Bank nur gegen eine Sparurkunde annimmt; Geld zahlt sie nur gegen Vorlage dieser Urkunde aus (§§ 31, 32 BWG).
  • 🎯 15.000-Euro-Grenze: Unter 15.000 Euro darf das Sparbuch statt auf deinen Namen auf eine Bezeichnung oder Nummer mit Losungswort lauten; ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus.
  • 💰 25 % KESt: Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie von den Zinsen 25 % KESt ab; damit ist die Einkommensteuer darauf abgegolten.
  • ⚠️ Einlagensicherung: Sparbuchguthaben sind bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, wenn die Identität des Inhabers festgestellt ist oder binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird.

Das Sparbuch ist eine klassische Sparform in Österreich. Rechtlich ist es eine Spareinlage nach dem Bankwesengesetz (BWG): Geld, das du nicht für Zahlungen, sondern zur Anlage bei einer Bank hältst und das die Bank nur gegen eine Sparurkunde entgegennimmt (§ 31 Abs 1 BWG).

Was ist ein Sparbuch?

Die Sparurkunde ist das Sparbuch selbst. Die Bank vermerkt darin jede Einzahlung und jede Auszahlung (§ 32 Abs 1 BWG).

Auszahlungen aus einem Sparbuch gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs (§ 32 Abs 2 BWG). In der Praxis behebst du am Schalter deiner Bank, mit dem Sparbuch und einem amtlichen Lichtbildausweis.

Ein Anspruch auf ein Sparbuch besteht nicht. Laut Arbeiterkammer sind Banken nicht verpflichtet, eines anzubieten, und viele führen klassische Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden.

Namenssparbuch oder Losungswort-Sparbuch

Seit 1. November 2000 eröffnet in Österreich keine Bank mehr ein Sparbuch, ohne die Identität der Sparerin oder des Sparers festzustellen. Welche der zwei heutigen Formen möglich ist, hängt vom Guthaben ab.

Merkmal Namenssparbuch Losungswort-Sparbuch
Guthaben beliebig, ab 15.000 Euro vorgeschrieben nur unter 15.000 Euro
Lautet auf den Namen des identifizierten Kunden, eine Bezeichnung oder eine Nummer eine Bezeichnung oder eine Nummer, nie auf einen Personennamen
Wer behebt nur der identifizierte Kunde jede Person, die das Sparbuch vorlegt, das Losungswort nennt und sich mit Lichtbildausweis identifiziert
Rechtsgrundlage § 32 Abs 4 Z 2 BWG § 31 Abs 3, § 32 Abs 4 Z 1 BWG

Stand: Bankwesengesetz in der Fassung BGBl. I Nr. 118/2016, abgerufen am 10.09.2026; oesterreich.gv.at, Stand 23.01.2026.

Beim Losungswort-Sparbuch entscheidet, wer Sparbuch und Losungswort hat. Gibst du beides weiter, gibst du den Zugriff auf das Guthaben weiter.

Bewahre das Losungswort getrennt vom Sparbuch auf und schreib es nie ins Sparbuch. Wer beides findet, kann bei einem Losungswort-Sparbuch mit dem eigenen Ausweis beheben.

Was aus den anonymen Sparbüchern wurde

Bis Ende Oktober 2000 ließen sich in Österreich Sparbücher ohne Ausweis eröffnen. Der Gesetzgeber hat diese Anonymität im Jahr 2000 aufgehoben, um Verpflichtungen gegenüber der Financial Action Task Force (FATF) gegen Geldwäsche zu erfüllen.

Alte anonyme Sparbücher gibt es noch. Seit dem 30. Juni 2002 darf man sie ohne Identitätsfeststellung aber weder weitergeben noch erwerben (§ 31 Abs 5 BWG), und Ein- und Auszahlungen gibt es erst, wenn sich jemand ausweist.

Täglich fällig, gebunden oder Kapitalsparbuch

Nach der Verfügbarkeit unterscheiden Banken täglich fällige und gebundene Sparbücher. Beim täglich fälligen Sparbuch behebst du jederzeit; beim gebundenen vereinbarst du eine Laufzeit (§ 32 Abs 8 BWG) und bekommst dafür laut Arbeiterkammer zumeist einen höheren Zinssatz.

Das Kapitalsparbuch ist eine Form des gebundenen Sparbuchs: Du zahlst einen Betrag einmal ein und bekommst für die ganze Laufzeit einen fixen Zinssatz.

Was nach dem Laufzeitende eines Kapitalsparbuchs passiert, regeln die Sparbedingungen. Laut Arbeiterkammer verlängert sich die Bindung nicht automatisch, und das Guthaben wird danach nur mehr zum Satz für täglich fällige Einlagen verzinst.

Vorzeitig beheben: so rechnen Vorschusszinsen

Behebst du ein gebundenes Sparbuch vor Laufzeitende, darf die Bank Vorschusszinsen verrechnen: 1 Promille des vorzeitig behobenen Betrags für jeden vollen Monat, den die Bindung noch gelaufen wäre (§ 32 Abs 8 BWG).

Die Vorschusszinsen sind gedeckelt. Die Bank darf nicht mehr verrechnen, als sie an Habenzinsen auf diesen Betrag vergütet hat; durch Vorschusszinsen verlierst du also nichts von deinem eingezahlten Kapital. Spesen, etwa bei der Auflösung, regeln die Sparbedingungen gesondert.

Rechenbeispiel: Du behebst 10.000 Euro, 12 volle Monate vor Ende der Bindung. Vorschusszinsen: 10.000 Euro × 1 Promille × 12 = 120 Euro, höchstens aber die Habenzinsen, die auf diese 10.000 Euro angefallen sind.

Manche Banken rechnen Kapitalsparbücher bei vorzeitiger Auflösung stattdessen nach einer gestaffelten Zinstabelle ab. Welche Regel für dich gilt, steht in deinen Sparbedingungen. Willst du Geld für eine feste Zeit binden, vergleiche die Bindung am Sparbuch mit Festgeld-Angeboten in Österreich.

Zinsen und KESt am Sparbuch

Den Zinssatz legt die Bank fest, fix oder variabel. Bei variabler Verzinsung koppelt sie ihn an einen Indikator wie den Leitzins, er steigt und fällt dann mit. Welche Zinsen Banken derzeit für täglich fällige Einlagen zahlen, zeigt der Sparzinsen-Vergleich für Österreich.

Auf Sparbuchzinsen fallen 25 % Kapitalertragsteuer (KESt) an, auf die meisten anderen Kapitalerträge wie Dividenden 27,5 % (§ 27a Abs 1 EStG 1988).

Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie die KESt direkt ab und führt sie ans Finanzamt ab. Damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen abgegolten, und du trägst sie nicht in die Steuererklärung ein (Endbesteuerung).

Wäre dein Einkommen nach dem normalen Tarif mit weniger als 25 % besteuert, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption beantragen und bekommst zu viel bezahlte KESt zurück. Die Option gilt immer für alle deine Kapitalerträge, nie für ein einzelnes Sparbuch (§ 27a Abs 5 EStG 1988). Wie die KESt bei gebundenen Einlagen wirkt, erklärt der Ratgeber KESt auf Festgeld.

Stand: EStG 1988 § 27a in der Fassung BGBl. I Nr. 113/2024; Bundesministerium für Finanzen, abgerufen am 10.09.2026.

Einlagensicherung: bis 100.000 Euro pro Person und Bank

Sparbuchguthaben fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung. Gedeckt sind bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank (§ 7 Abs 1 Z 5 ESAEG), gleich ob das Sparbuch täglich fällig oder ein Kapitalsparbuch ist.

Die 100.000-Euro-Grenze gilt für alle Einlagen bei derselben Bank zusammen. Liegen 70.000 Euro auf deinem Sparbuch und 50.000 Euro auf deinem Girokonto bei derselben Bank, sind davon 100.000 Euro gedeckt.

Im Sicherungsfall zahlt die zuständige Sicherungseinrichtung gedeckte Einlagen innerhalb von sieben Arbeitstagen aus (§ 13 Abs 1 ESAEG). Für ein Sparbuch musst du es dafür vorlegen und ein vereinbartes Losungswort nennen.

Für bestimmte Einlagen über 100.000 Euro gilt eine zeitlich begrenzte Deckung bis 500.000 Euro, etwa nach dem Verkauf einer privat genutzten Wohnimmobilie (§ 12 ESAEG). Wer welche Bank absichert, steht im Ratgeber Einlagensicherung in Österreich.

Stand: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG), konsolidierte Fassung vom 10.09.2026.

Wann ein Sparbuch passt und wann nicht

Ein Sparbuch passt

  • wenn du Bargeld am Schalter einzahlen und beheben willst
  • wenn du für eine feste Laufzeit einen fixen Zinssatz willst, als Kapitalsparbuch
  • wenn du einen Betrag unter 15.000 Euro mit Losungswort weitergeben willst

Ein Sparbuch passt nicht

  • wenn du jederzeit online über dein Geld verfügen willst: Ohne Vorlage des Sparbuchs gibt es keine Auszahlung
  • wenn du mehr als 100.000 Euro bei einer einzigen Bank liegen hättest
  • wenn deine Bank Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden eröffnet

Ein Sonderfall ist das alte anonyme Sparbuch, etwa in einer Verlassenschaft oder in einer Lade gefunden. Die Bank zahlt es nur nach Identitätsfeststellung aus. Geht die Bank pleite, ist das Guthaben nur gedeckt, wenn die Identifizierung binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird (§ 10 Abs 1 Z 6 ESAEG).

Unsere Einschätzung: Das Sparbuch ist klar geregelt: Ausweispflicht, gesetzliche Obergrenze für Vorschusszinsen, Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Seine Schwäche ist der Zinssatz, den allein deine Bank festlegt. Frag bei deiner Bank nach, welcher Zinssatz für dein Sparbuch gerade gilt, und vergleiche ihn mit aktuellen Tagesgeld-Angeboten. Die gesetzliche Einlagensicherung einer österreichischen Bank gilt für Tagesgeld genauso wie für das Sparbuch.

Häufige Fragen zum Sparbuch

Ist es noch sinnvoll, ein Sparbuch zu haben?

Das hängt vom Zinssatz ab und davon, wie du auf dein Geld zugreifen willst. Das Sparbuch ist bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, behoben wird am Schalter. Den Zinssatz legt deine Bank fest; vergleiche ihn mit Tagesgeld und Festgeld, bevor du größere Beträge liegen lässt.

Wie viel Geld darf man auf einem Sparbuch haben?

Eine Obergrenze für das Guthaben kennt das Bankwesengesetz nicht. Zwei Grenzen zählen trotzdem: Unter 15.000 Euro ist ein Losungswort-Sparbuch möglich, ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus (§ 32 Abs 4 BWG). Die Einlagensicherung deckt 100.000 Euro pro Person und Bank.

Wie viel Geld sollte man am Sparbuch haben?

Eine Vorgabe gibt es nicht. Aufs täglich fällige Sparbuch gehört Geld, das du kurzfristig brauchen könntest, etwa als Reserve für unerwartete Ausgaben. Geld, das du länger nicht brauchst, kannst du gebunden anlegen, als Kapitalsparbuch oder als Festgeld. Über 100.000 Euro teilst du am besten auf mehrere Banken auf, nicht nur auf mehrere Marken derselben Bank, weil die Einlagensicherung je Bank gilt.

Was ist der Unterschied zwischen Sparkonto und Sparbuch?

Beim Sparbuch ist die Urkunde entscheidend: Geld gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs, meist am Schalter. Ein Sparkonto, etwa ein Online-Sparkonto oder Tagesgeldkonto, führst du ohne Urkunde im Online-Banking. Bei einer österreichischen Bank gelten für beide dieselbe Einlagensicherung bis 100.000 Euro und derselbe KESt-Satz von 25 %. Was das für deine Zinsen heißt, zeigt unser Vergleich Sparbuch oder Tagesgeld.

Kann ein Sparbuch zwei Inhaber haben?

Ja, manche Banken führen Gemeinschaftssparbücher; ob deine Bank das anbietet, steht in ihren Bedingungen. In der Einlagensicherung zählt jeder legitimierte Inhaber mit bis zu 100.000 Euro. Habt ihr der Bank keine schriftliche Aufteilung gegeben, wird das Guthaben im Sicherungsfall zu gleichen Teilen auf euch verteilt (§ 11 Abs 1 ESAEG).

Was tun, wenn das Sparbuch verloren ist?

Melde den Verlust sofort deiner Bank und erstatte eine Verlust- oder Diebstahlsanzeige. Nach der Meldung darf die Bank vier Wochen lang nichts aus dem Sparbuch auszahlen (§ 31 Abs 4 BWG). Taucht es nicht auf, beantragst du beim zuständigen Landesgericht die Kraftloserklärung; die Aufgebotsfrist für ein Sparbuch beträgt sechs Monate (§ 7 Kraftloserklärungsgesetz 1951). Der Gerichtsbeschluss ersetzt das Sparbuch, aber nicht das Losungswort.

Was passiert, wenn ich das Losungswort vergessen habe?

Dann musst du der Bank auf andere Weise nachweisen, dass dir das Guthaben zusteht (§ 31 Abs 3 BWG). Gelingt der Nachweis, muss die Bank auszahlen (OGH 1 Ob 228/06w). Eine Kraftloserklärung hilft hier nicht: Sie ist für verlorene oder zerstörte Sparbücher gedacht, nicht für ein vergessenes Losungswort.

Datenstand: September 2026 | Quellen: Bankwesengesetz §§ 31, 32 (BGBl. I Nr. 118/2016), EStG 1988 § 27a (BGBl. I Nr. 113/2024), ESAEG (Fassung vom 10.09.2026), Kraftloserklärungsgesetz 1951 § 7, Bundesministerium für Finanzen, oesterreich.gv.at, Parlament Österreich (2000), Einlagensicherung AUSTRIA, Österreichische Raiffeisen-Einlagensicherung, Arbeiterkammer, konsumentenfragen.at, OGH 1 Ob 228/06w. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

Synonyme

SparurkundeLosungswortsparbuchSparbuch mit LosungswortNamenssparbuchKapitalsparbuchSparkassenbuch