
KESt auf Festgeld: So werden Zinserträge in Österreich besteuert
Festgeld-Zinsen unterliegen in Österreich der Kapitalertragsteuer (KESt) von 25%. Wir zeigen dir, wie viel netto übrig bleibt, wie der automatische Steuerabzug funktioniert und wann du dir die KESt zurückholen kannst.
Was ist die KESt auf Festgeld?
- 💰 25% KESt auf Festgeld-Zinsen bei österreichischen Banken – automatisch abgezogen, keine Steuererklärung nötig
- 📊 Brutto vs. Netto: Bei 2,50% Brutto-Zinsen bleiben nach KESt nur 1,875% netto übrig
- ❌ Kein Freibetrag wie in Deutschland – die KESt greift ab dem ersten Euro
- 🔄 KESt zurückholen: Bei niedrigem Einkommen (unter 11.000 EUR) kannst du dir die gesamte Steuer erstatten lassen
Auf Festgeld-Zinsen fallen in Österreich 25% Kapitalertragsteuer (KESt) an. Die Bank zieht diesen Betrag automatisch ab und führt ihn an das Finanzamt ab – du musst dich um nichts kümmern.
Grundsätzlich gilt: Für Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten – also Festgeld, Sparbuch und Girokonto – beträgt der Steuersatz 25%. Dieser Satz ist seit 2016 unverändert und wird direkt von der Bank einbehalten.
Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Für andere Kapitalerträge wie Dividenden aus Aktien, Kursgewinne oder Krypto-Gewinne gilt ein höherer Steuersatz von 27,5%. Festgeld-Zinsen sind also steuerlich etwas bevorzugt.
25% vs. 27,5% – was gilt wann?
- 25% KESt: Zinsen aus Sparbuch, Festgeld, Girokonto (Geldeinlagen bei Kreditinstituten)
- 27,5% KESt: Dividenden, Aktiengewinne, Krypto-Gewinne, Fonds-Erträge
Quelle: BMF – Besteuerung inländischer Kapitalerträge
Wie wirkt sich die KESt auf deine Festgeld-Rendite aus?
Die KESt reduziert deine tatsächliche Rendite spürbar. Was auf dem Papier nach einem attraktiven Zinssatz aussieht, fällt nach Steuern deutlich niedriger aus. Daher lohnt es sich, immer die Netto-Rendite im Blick zu behalten.
KESt berechnen: Die einfache Formel
Die Berechnung ist unkompliziert:
Netto-Zinssatz = Brutto-Zinssatz × 0,75
Das heißt: Von jedem Euro Zinsen behält die Bank 25 Cent ein und zahlt dir 75 Cent aus.
Rechenbeispiel 1: 10.000 EUR für 12 Monate
Angenommen, du legst 10.000 EUR bei einer österreichischen Bank zu 2,50% p.a. für 12 Monate an:
- Brutto-Zinsen: 10.000 EUR × 2,50% = 250,00 EUR
- KESt (25%): 250,00 EUR × 0,25 = 62,50 EUR
- Netto-Ertrag: 250,00 EUR - 62,50 EUR = 187,50 EUR
Deine tatsächliche Rendite beträgt also 1,875% statt der beworbenen 2,50%.
Rechenbeispiel 2: 20.000 EUR für 24 Monate
Bei einer Anlage von 20.000 EUR zu 2,60% p.a. für 24 Monate:
- Brutto-Zinsen (2 Jahre): 20.000 EUR × 2,60% × 2 = 1.040,00 EUR
- KESt (25%): 1.040,00 EUR × 0,25 = 260,00 EUR
- Netto-Ertrag: 1.040,00 EUR - 260,00 EUR = 780,00 EUR
Grundsätzlich gilt: Je höher der Brutto-Zinssatz, desto mehr profitierst du auch netto. Der Unterschied zwischen 1,50% und 2,50% Brutto-Zinsen beträgt nach KESt immerhin 0,75 Prozentpunkte – bei 20.000 EUR sind das 150 EUR mehr pro Jahr.
Netto-Rendite auf einen Blick
| Brutto-Zinssatz | KESt (25%) | Netto-Zinssatz | Netto bei 10.000 EUR/Jahr |
|---|---|---|---|
| 1,50% | 0,375% | 1,125% | 112,50 EUR |
| 1,75% | 0,4375% | 1,3125% | 131,25 EUR |
| 2,00% | 0,50% | 1,50% | 150,00 EUR |
| 2,50% | 0,625% | 1,875% | 187,50 EUR |
| 3,00% | 0,75% | 2,25% | 225,00 EUR |
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So funktioniert der automatische KESt-Abzug
Bei österreichischen Banken ist der Steuerabzug vollautomatisch. Hierbei musst du nichts unternehmen:
- Du legst dein Geld als Festgeld an
- Am Ende der Laufzeit (oder bei jährlicher Zinsgutschrift) berechnet die Bank die Zinsen
- Die Bank zieht die 25% KESt direkt von den Zinsen ab
- Du erhältst nur den Netto-Betrag gutgeschrieben
- Die Bank überweist die KESt an das Finanzamt
Dieser Vorgang nennt sich Quellensteuer – die Steuer wird direkt an der Quelle (also bei der Bank) einbehalten.
Was bedeutet Endbesteuerung?
Die Endbesteuerung ist ein wesentliches Merkmal des österreichischen Systems: Mit dem automatischen KESt-Abzug ist deine gesamte Einkommensteuer auf diese Zinserträge abgegolten.
Das bedeutet konkret:
- Du musst die Festgeld-Zinsen nicht in deiner Steuererklärung angeben
- Die Zinsen werden nicht zu deinem sonstigen Einkommen dazugerechnet
- Es gibt keine zusätzliche Nachzahlung
Einfach gesagt: Die Bank kümmert sich um alles, du bekommst netto ausgezahlt – fertig.
Kein Freibetrag in Österreich – der große Unterschied zu Deutschland
Wenn du dich mit der deutschen Steuersituation vergleichst, fällt ein entscheidender Unterschied auf: In Deutschland gibt es den Sparerpauschbetrag von 1.000 EUR pro Person (2.000 EUR für Ehepaare). Kapitalerträge bis zu diesem Betrag bleiben steuerfrei.
In Österreich gibt es keinen solchen Freibetrag. Die KESt wird ab dem ersten Euro Zinserträge berechnet und abgezogen. Selbst wenn du nur 50 EUR Zinsen im Jahr bekommst, fallen davon 12,50 EUR KESt an.
Dieser Nachteil wird allerdings durch einen Vorteil aufgewogen: Durch die Endbesteuerung werden deine Kapitalerträge getrennt von deinem Arbeitseinkommen besteuert. Bei hohem Einkommen zahlst du auf die Zinsen trotzdem nur 25% – und nicht deinen persönlichen Spitzensteuersatz.
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KESt zurückholen – die Regelbesteuerungsoption
Was aber machst du, wenn dein Einkommen so niedrig ist, dass dein persönlicher Steuersatz unter 25% liegt? Hier gibt es einen entscheidenden Vorteil: die Regelbesteuerungsoption.
Du kannst in deiner Einkommensteuererklärung beantragen, dass deine Kapitalerträge nicht mit dem pauschalen KESt-Satz, sondern mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz besteuert werden. Wenn dieser unter 25% liegt, bekommst du die Differenz zurückerstattet.
Wann lohnt sich die Regelbesteuerung?
- Bei Gesamteinkünften unter 11.000 EUR: Vollständige Rückerstattung der gesamten KESt
- Bei niedrigem Einkommen (z.B. Teilzeit, Studium, Pension): Wenn dein durchschnittlicher Steuersatz unter 25% liegt
- Steuerliches Existenzminimum 2026: 13.539 EUR (ohne Lohnsteuer-Einkünfte)
Rechenbeispiel: Studentin mit niedrigem Einkommen
Lisa arbeitet neben dem Studium und verdient 9.000 EUR im Jahr. Sie hat 500 EUR Festgeld-Zinsen:
- Automatisch einbehaltene KESt: 125 EUR (25% von 500 EUR)
- Gesamteinkünfte: 9.500 EUR – unter dem Existenzminimum von 13.539 EUR
- Über Steuererklärung: Lisa kann sich die gesamten 125 EUR zurückholen
Der Antrag erfolgt über die Steuererklärung E1 oder das Formular E3. Hierfür musst du die Regelbesteuerungsoption ankreuzen.
Quelle: Arbeiterkammer Österreich, Konsument.at
Festgeld bei ausländischen Banken – was bei der KESt anders ist
Viele österreichische Sparer nutzen EU-Plattformen wie Raisin (WeltSparen), um bei ausländischen Banken höhere Zinsen zu erhalten. Tatsächlich liegen die Zinsen dort oft über dem österreichischen Niveau – Stand Feber 2026 bieten EU-Banken über Raisin bis zu 2,71% für 12 Monate gegenüber maximal 2,50% bei österreichischen Banken.
Allerdings gibt es einen wesentlichen steuerlichen Unterschied: Ausländische Banken führen die österreichische KESt nicht automatisch ab.
Was das praktisch bedeutet:
- Du erhältst die Zinsen brutto (ohne Steuerabzug) gutgeschrieben
- Du bist verpflichtet, die Zinserträge in deiner österreichischen Steuererklärung anzugeben
- Die Angabe erfolgt im Formular E1kv, Feld 861
- Das Finanzamt berechnet dann die 25% KESt und verrechnet sie im Einkommensteuerbescheid
Lohnt sich EU-Festgeld trotz Mehraufwand?
Einerseits bringt das ausländische Festgeld oft höhere Brutto-Zinsen, andererseits musst du dich um die Steuererklärung selbst kümmern. Hier ein Vergleich (Stand: Feber 2026):
| AT-Bank (z.B. Bigbank) | EU-Bank (über Raisin) | |
|---|---|---|
| Brutto-Zinssatz (12 Mon.) | 2,50% | 2,71% |
| KESt-Abzug | automatisch | selbst in Steuererklärung |
| Netto nach 25% KESt | 1,875% | 2,033% |
| Netto bei 10.000 EUR | 187,50 EUR | 203,25 EUR |
| Mehrertrag | – | +15,75 EUR |
Für kleinere Beträge ist der Unterschied gering. Bei größeren Summen (50.000 EUR+) kann sich der Steuermehraufwand durchaus lohnen.
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Aktuelle Festgeld-Zinsen – Brutto und Netto im Vergleich
Hier siehst du die aktuellen Top-Angebote für Festgeld in Österreich mit automatischem KESt-Abzug (12 Monate Laufzeit):
| Anbieter | Brutto-Zinssatz | Netto nach KESt | Netto bei 10.000 EUR | Min. Einlage |
|---|---|---|---|---|
| Bigbank | 2,50% | 1,875% | 187,50 EUR | 1.000 EUR |
| IKB Festgeld | 2,50% | 1,875% | 187,50 EUR | 5.000 EUR |
| SWK Bank | 2,31% | 1,733% | 173,25 EUR | 10.000 EUR |
| Wüstenrot FIX | 2,03% | 1,523% | 152,25 EUR | 1.000 EUR |
| Santander | 1,95% | 1,463% | 146,25 EUR | 2.500 EUR |
Stand: Feber 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Konditionen können sich jederzeit ändern.
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Tipps zur Steueroptimierung bei Festgeld
Auch wenn du die KESt nicht vermeiden kannst, gibt es Möglichkeiten, deine Netto-Rendite zu optimieren:
- Regelbesteuerung prüfen: Wenn dein Gesamteinkommen niedrig ist, kannst du über die Steuererklärung KESt zurückholen – besonders relevant für Studierende und Pensionisten.
- Höhere Zinsen suchen: Der Unterschied zwischen 1,75% und 2,50% beträgt nach KESt 0,5625 Prozentpunkte. Bei 20.000 EUR sind das 112,50 EUR mehr pro Jahr.
- Laufzeit strategisch wählen: Längere Laufzeiten bieten aktuell oft höhere Zinsen. Ein Laufzeitenvergleich hilft bei der Entscheidung.
- Einlagensicherung beachten: Halte dich an maximal 100.000 EUR pro Bank, um vollen Schutz durch die österreichische Einlagensicherung zu haben.
- EU-Angebote prüfen: Wenn dir der Steuermehraufwand nichts ausmacht, können EU-Banken über Raisin höhere Netto-Renditen bieten.
- Dokumentation aufbewahren: Besonders bei ausländischem Festgeld: Zinsbescheinigungen und Kontoauszüge für die Steuererklärung sammeln.
Falls du dir unsicher bist, ob sich Tagesgeld oder Festgeld für deine Situation besser eignet, hilft dir unser Vergleich weiter.
