
Einlagensicherung in Österreich: Wie sicher ist dein Festgeld?
Dein Festgeld ist bis 100.000 EUR pro Person und Bank gesetzlich geschützt. Wir erklären, wie die Österreichische Einlagensicherung funktioniert und worauf du achten musst.
Was du über die Einlagensicherung wissen musst
Das Wichtigste auf einen Blick
- 🏦 Schutz bis 100.000 EUR: Dein Festgeld ist pro Person und Bank gesetzlich abgesichert
- ⏱️ 7 Arbeitstage Auszahlung: Im Sicherungsfall bekommst du dein Geld innerhalb einer Woche
- 🛡️ Drei Sicherungseinrichtungen: ESA, S-Haftung (Sparkassen) und ÖRS (Raiffeisen) schützen dein Geld
- ⚠️ Über 100.000 EUR? Verteile dein Geld auf mehrere Banken für maximalen Schutz
Die Einlagensicherung ist der wichtigste Schutzmechanismus für dein Festgeld in Österreich. Sie garantiert, dass du dein Geld zurückbekommst, falls deine Bank zahlungsunfähig wird – bis zu 100.000 EUR pro Person und Kreditinstitut.
Grundsätzlich gilt: Jede Bank, die in Österreich Einlagen entgegennimmt, muss einer gesetzlichen Sicherungseinrichtung angehören. Das ist keine freiwillige Sache, sondern seit dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG) von 2015 Pflicht. Die Basis dafür bildet die EU-Richtlinie 2014/49/EU, die in allen EU-Ländern denselben Mindestschutz von 100.000 EUR vorschreibt.
Was heißt das konkret für dich? Wenn du Festgeld bei einer österreichischen Bank anlegst, ist deine Einlage automatisch geschützt. Du musst dich nicht extra anmelden oder einen Vertrag abschließen – der Schutz greift automatisch.
100.000 EUR pro Person und Bank – so funktioniert der Schutz
Die Schutzgrenze beträgt 100.000 EUR pro Person und pro Kreditinstitut. Dabei werden alle deine Konten bei derselben Bank zusammengerechnet: Festgeld, Tagesgeld, Girokonto und Sparbuch zählen zusammen.
Ein Beispiel: Du hast 80.000 EUR auf einem Festgeldkonto und 30.000 EUR auf einem Tagesgeldkonto bei derselben Bank. Das ergibt 110.000 EUR – im Sicherungsfall bekommst du nur 100.000 EUR zurück. Die restlichen 10.000 EUR sind nicht gedeckt.
Gemeinschaftskonten: Doppelter Schutz
Bei Gemeinschaftskonten gilt die 100.000-EUR-Grenze für jeden Kontoinhaber einzeln. Wenn du und dein Partner ein gemeinsames Festgeldkonto habt, sind insgesamt bis zu 200.000 EUR geschützt (je 100.000 EUR pro Person).
Zeitlich begrenzt gedeckte Einlagen: Bis zu 500.000 EUR
In bestimmten Lebenssituationen greift ein erhöhter Schutz von bis zu 500.000 EUR. Das betrifft:
- Immobilienverkauf: Erlöse aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie (bis 12 Monate nach Eingang)
- Versicherungsleistungen: Auszahlungen von Versicherungen (bis 12 Monate nach Eingang)
- Entschädigungen: Schmerzensgelder oder Entschädigungen aus Straftaten
Dafür musst du allerdings innerhalb von 12 Monaten nach dem Sicherungsfall einen schriftlichen Antrag bei der zuständigen Sicherungseinrichtung stellen und Nachweise vorlegen (z.B. Notariatsurkunde beim Immobilienverkauf).
Was ist geschützt – und was nicht?
Nicht alle Geldanlagen fallen unter die Einlagensicherung. Hier die Übersicht:
| Geschützt (bis 100.000 EUR) | Nicht geschützt |
|---|---|
| Festgeld / Termineinlagen | Aktien und Anleihen |
| Tagesgeld / Sparkonten | Investmentfonds |
| Girokonten / Gehaltskonten | Lebensversicherungen |
| Sparbücher (alle Arten) | Pensionskassen-Guthaben |
| Bausparverträge | Einlagen von Kreditinstituten |
| Verrechnungskonten (Depot) | Einlagen der öffentlichen Hand |
| Fremdwährungskonten (in EUR umgerechnet) | Anonyme Einlagen |
Gut zu wissen: Wertpapiere in deinem Depot (Aktien, ETFs, Anleihen) sind ohnehin dein Eigentum und werden im Insolvenzfall an eine andere Bank übertragen. Die Einlagensicherung betrifft hier nur das Guthaben auf dem Verrechnungskonto.
Die drei Sicherungseinrichtungen in Österreich
Österreich hat seit 2021 drei anerkannte Sicherungseinrichtungen, die jeweils für bestimmte Bankgruppen zuständig sind:
| Einrichtung | Zuständig für | Beispiel-Banken |
|---|---|---|
| Einlagensicherung AUSTRIA (ESA) | Privatbanken, unabhängige Banken | Addiko Bank, DenizBank, Wüstenrot, BAWAG, bank99, Austrian Anadi Bank |
| S-Haftungs GmbH | Sparkassen-Gruppe | Erste Bank, alle österreichischen Sparkassen |
| ÖRS (Raiffeisen-Sicherungseinrichtung) | Raiffeisen-Bankengruppe | Raiffeisenbanken, Raiffeisenlandesbanken, RBI |
Jede dieser Einrichtungen verwaltet einen eigenen Einlagensicherungsfonds. Die Banken zahlen regelmäßig Beiträge in diesen Fonds ein – je nach Größe und Risikoprofil des Instituts. Das Geld liegt also schon bereit, bevor ein Sicherungsfall eintritt.
Was passiert wenn die Bank pleite geht? Der Ablauf im Sicherungsfall
FMA stellt Sicherungsfall fest
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) untersagt der Bank die Fortführung des Geschäftsbetriebs und stellt offiziell den Sicherungsfall fest.
Sicherungseinrichtung wird aktiv
Die zuständige Sicherungseinrichtung (ESA, S-Haftung oder ÖRS) beginnt mit der Bearbeitung. Du musst keinen Antrag stellen – die Entschädigung erfolgt automatisch.
Auszahlung innerhalb von 7 Arbeitstagen
Seit 2024 beträgt die maximale Frist nur noch 7 Arbeitstage. Du musst lediglich eine Kontoverbindung angeben, auf die das Geld überwiesen wird.
Prüfung abgeschlossen
Die Sicherungseinrichtung errechnet deinen Anspruch auf Basis der Bankdaten und überweist den Betrag bis maximal 100.000 EUR.
Beispiele aus der Praxis
Dass die Einlagensicherung funktioniert, zeigen diese realen Fälle:
Commerzialbank Mattersburg (2020): Am 14. Juli 2020 stellte die FMA den Sicherungsfall fest. Die ESA entschädigte die Einleger bis 100.000 EUR pro Person. Der Gesamtschaden belief sich auf rund 600 Millionen EUR – der größte Sicherungsfall in der Geschichte der österreichischen Einlagensicherung.
European American Investment Bank – EURAM (2024): Am 16. Oktober 2024 untersagte die FMA den Geschäftsbetrieb der EURAM wegen gravierender Gesetzesverstöße im Bereich der Geldwäscheprävention. Die ESA führte die Entschädigung durch, nachdem die Prüfung der Geldwäschemeldestelle abgeschlossen war.
Ausländische Banken in Österreich – welche Einlagensicherung gilt?
Immer mehr Sparer in Österreich nutzen Festgeld-Angebote von ausländischen Banken. Dabei ist es wichtig zu wissen: Die Einlagensicherung richtet sich nach dem Sitzland der Bank, nicht nach dem Land, in dem du lebst.
| Bank | Sitzland | Einlagensicherung | Schutz |
|---|---|---|---|
| Kommunalkredit Invest | Österreich | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| Wüstenrot Bank | Österreich | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| DenizBank | Österreich | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| Addiko Bank | Österreich | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| DKB | Deutschland | Entschädigungseinrichtung dt. Banken | 100.000 EUR |
| Klarna | Schweden | Riksgälden (SE) | 105.186 EUR |
| Renault Bank direkt | Frankreich | FGDR (FR) | 100.000 EUR |
Grundsätzlich gilt: Innerhalb des EU/EWR-Raums sind deine Einlagen überall mit mindestens 100.000 EUR geschützt. Die Auszahlungsfrist beträgt EU-weit maximal 7 Arbeitstage (Stand: Feber 2026).
Passporting erklärt: Das sogenannte „Passporting“ erlaubt es EU-Banken, ohne eigene Konzession in anderen EU-Ländern tätig zu sein. Die Einlagensicherung bleibt dabei beim Heimatland der Bank. Wenn du also Festgeld bei der DKB (Deutschland) anlegst, greift die deutsche Einlagensicherung – nicht die österreichische.
So verteilst du dein Festgeld optimal auf mehrere Banken
Wenn du mehr als 100.000 EUR anlegen möchtest, ist eine Streuung auf mehrere Banken die sicherste Strategie. Dabei zählt jede Bank als eigenständiges Institut – unabhängig davon, welcher Sicherungseinrichtung sie angehört.
Beispiel: 300.000 EUR optimal verteilt
| Bank | Betrag | Sicherungseinrichtung | Schutz |
|---|---|---|---|
| Kommunalkredit Invest (12 Mon., 2,20% p.a.) | 100.000 EUR | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| Wüstenrot FIX (12 Mon., 2,03% p.a.) | 100.000 EUR | ESA (AT) | 100.000 EUR |
| DKB Festgeld (12 Mon., 2,00% p.a.) | 100.000 EUR | Deutsche Einlagensicherung | 100.000 EUR |
| Gesamt | 300.000 EUR | 3 verschiedene Institute | 300.000 EUR |
In diesem Beispiel sind alle 300.000 EUR vollständig durch die Einlagensicherung geschützt (Stand: Feber 2026). Der gewichtete Durchschnittszins liegt bei rund 2,08% p.a.
Checkliste für deine Streuungs-Strategie
- Maximal 95.000 EUR pro Bank: Lasse einen Puffer für Zinsen, damit du die 100.000-EUR-Grenze nicht überschreitest
- Sicherungseinrichtung prüfen: Schaue auf fma.gv.at oder einlagensicherung.at nach, welcher Einrichtung deine Bank angehört
- Ausländische Banken beachten: Nutze auch EU-Banken wie DKB oder Klarna – der Schutz ist gleichwertig
- Regelmäßig überprüfen: Prüfe mindestens einmal im Jahr, ob deine Verteilung noch passt
- KESt einplanen: Die Kapitalertragsteuer von 25% auf Festgeld-Zinsen reduziert deine Nettorendite, nicht aber den Schutz der Einlagensicherung
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