
Bundesschatz Österreich: Zinsen, Erfahrungen & Vergleich mit Festgeld
Der Bundesschatz ist das staatliche Sparprodukt der Republik Österreich: ohne Gebühren, mit Fixzinsen und AAA-Sicherheit. Aber er wird mit 27,5 % KESt besteuert statt mit 25 % wie Festgeld. Wir rechnen vor, wann sich das lohnt.
Was du über den Bundesschatz wissen musst
Das Wichtigste auf einen Blick
- ⚠️ 27,5 % KESt, nicht 25 %: Der Bundesschatz gilt rechtlich als Wertpapier und wird deshalb höher besteuert als jedes Sparbuch und jedes Festgeld
- 📉 Netto meist hinten: Auf 12 Monate bleiben beim Bundesschatz 1,89 % übrig, beim Bigbank Festgeld 2,36 % (Stand: 27. August 2026)
- 🥇 Stark bei 10 Jahren: 3,20 % mit Zinseszins bringen auf 10.000 EUR netto rund 2.684 EUR – etwa 247 EUR mehr als das beste AT-Festgeld, weil dort die Zinsen ausbezahlt statt kapitalisiert werden
- 🏛️ Sicherheit ohne Obergrenze: Direktforderung an die Republik Österreich (AAA-Rating), mündelsicher nach § 217 Z 1 ABGB, kein 100.000-Euro-Deckel
- ⏱️ Vorzeitiger Ausstieg ist teuer: Wer den 10-Jahres-Bundesschatz im 49. Monat auflöst, bekommt nur rund 20 % des vereinbarten Zinssatzes
Wie hoch sind die Bundesschatz-Zinsen aktuell?
Die Zinssätze werden täglich aktualisiert und gelten ab dem Kaufzeitpunkt fix für die gesamte Laufzeit. Weil auf Bundesschatz-Zinsen 27,5 % Kapitalertragsteuer anfallen, steht hier neben dem Brutto- auch der Nettozins.
| Laufzeit | Variante | Zinssatz brutto | Zinssatz netto (nach 27,5 % KESt) | Zinsberechnung |
|---|---|---|---|---|
| 1 Monat | Klassisch | 2,20 % | 1,60 % | Einfach (act/365) |
| 6 Monate | Grün | 2,40 % | 1,74 % | Einfach (act/365) |
| 12 Monate | Klassisch | 2,60 % | 1,89 % | Einfach (act/365) |
| 4 Jahre | Grün | 2,70 % | 1,96 % | Zinseszins |
| 10 Jahre | Klassisch | 3,20 % | 2,32 % | Zinseszins |
Datenstand: 4. August 2026 | Quelle: bundesschatz.at, Fixverzinsung p.a. bei Geldeingang am 04.08.2026
Bei Laufzeiten bis 12 Monate wird einfacher Zins berechnet (tagesgenau, act/365). Bei Laufzeiten über 12 Monate profitierst du vom Zinseszins-Effekt, du bekommst also Zinsen auf deine Zinsen. Besonders bei der 10-Jahres-Variante macht das einen spürbaren Unterschied.
Wie haben sich die Zinsen seit dem Start entwickelt?
Seit dem Launch im April 2024 haben sich die Zinsen deutlich verändert. Bei der 1-Monats-Variante lag der Startzins bei 3,50 %, heute sind es 2,20 %. Das spiegelt die EZB-Zinssenkungen wider. Der 10-Jahres-Zins ist dagegen von 2,50 % auf 3,20 % gestiegen, weil langfristige Anleiherenditen am Kapitalmarkt zugelegt haben.
Dein persönlicher Zinssatz wird beim Kauf fixiert und gilt für die gesamte Laufzeit, unabhängig davon, wie sich die Marktzinsen danach entwickeln.
Was ist der Bundesschatz?
Der Bundesschatz ist ein Wertpapier der Republik Österreich, das du direkt über die Plattform bundesschatz.at kaufst. Du leihst der Republik Geld und bekommst dafür einen fixen Zinssatz. Ohne Zwischenhändler, ohne Depot, ohne Gebühren.
Verwaltet wird der Bundesschatz von der Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Seit dem Launch am 22. April 2024 wurden über 135.000 Konten eröffnet und mehr als 6 Mrd. Euro investiert (laut BMF).
Die Einordnung als Wertpapier ist kein Detail für Juristen. Sie entscheidet über deinen Steuersatz und damit über die gesamte Rechnung auf dieser Seite.
Bundesschatz und deutscher Bundesschatzbrief sind nicht dasselbe
Der österreichische Bundesschatz wird häufig mit dem deutschen Bundesschatzbrief verwechselt. Den gibt es nicht mehr: Die Deutsche Finanzagentur hat das Privatkundengeschäft zum 1. Januar 2013 eingestellt, die letzten Bundesschatzbriefe des Typs B liefen am 1. September 2019 aus. Wer heute in Deutschland Bundeswertpapiere kaufen will, muss dies über die Börse tun. Der österreichische Bundesschatz ist ein eigenständiges, 2024 neu aufgelegtes Produkt und nur für Anleger mit Wohnsitz in der EU und steuerlicher Ansässigkeit zugänglich.
Bundesschatz oder Bundesanleihe: wo liegt der Unterschied?
Beide sind Schuldtitel der Republik Österreich, unterscheiden sich aber im Zugang und im Risiko:
- 🏛️ Bundesschatz: direkt bei der OeBFA, kein Depot nötig, ab 100 Euro, Rückzahlung immer zum Nennwert. Kein Kursrisiko.
- 📈 Österreichische Bundesanleihe: börsengehandelt, du brauchst ein Depot und zahlst Orderkosten. Wer vor Fälligkeit verkauft, trägt das volle Kursrisiko.
- 📊 Anleihen-ETF: streut über viele Emittenten, hat aber keinen fixen Rückzahlungstermin und laufende Fondskosten. Der Wert schwankt dauerhaft mit dem Zinsniveau.
Steuerlich gilt für alle drei derselbe Satz von 27,5 %. Der Bundesschatz ist unter ihnen die einzige Variante ohne Kursrisiko und ohne Nebenkosten.
Wie hoch ist die KESt beim Bundesschatz?
Auf Bundesschatz-Zinsen fallen 27,5 % Kapitalertragsteuer an. Damit wird der Bundesschatz höher besteuert als Sparbuch und Festgeld, auf die nur 25 % entfallen. Beide Sätze stehen im selben Paragrafen:
| Anlageform | KESt | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld | 25 % | § 27a Abs. 1 Z 1 EStG (Geldeinlagen bei Kreditinstituten) |
| Bundesschatz, Anleihen, Aktien, Fonds | 27,5 % | § 27a Abs. 1 Z 2 EStG (alle übrigen Einkünfte aus Kapitalvermögen) |
Der niedrigere Satz von 25 % gilt ausdrücklich nur für Geldeinlagen bei Kreditinstituten. Der Bundesschatz ist keine Bankeinlage, sondern ein verbrieftes Wertpapier gegenüber der Republik. Damit fällt er unter die Auffangregel und wird mit 27,5 % besteuert. Genau diese Unterscheidung wird in vielen Vergleichen übersehen.
Die KESt wird von der OeBFA automatisch einbehalten und abgeführt. Der Bundesschatz ist damit steuereinfach: Du bekommst die Zinsen bereits netto gutgeschrieben und musst nichts in der Steuererklärung angeben. Besteuert wird ausschließlich der Zinsertrag, nie dein eingezahltes Kapital.
Die 2,5 Prozentpunkte Differenz klingen klein, kosten aber rund ein Zehntel des Zinsertrags. Aus 100 Euro Zinsen bleiben beim Bundesschatz 72,50 Euro, beim Festgeld 75 Euro.
Beispielrechnung: 10.000 Euro für 12 Monate
| Position | Bundesschatz (2,60 %) | Bigbank Festgeld (3,15 %) |
|---|---|---|
| Brutto-Zinsen | 260,00 EUR | 315,00 EUR |
| KESt | 71,50 EUR (27,5 %) | 78,75 EUR (25 %) |
| Netto-Zinsen | 188,50 EUR | 236,25 EUR |
| Differenz | +47,75 EUR |
Datenstand: 4. August 2026 | Quellen: bundesschatz.at, Capitalo Konditionsdatenbank
Das Bigbank Festgeld ist wie der Bundesschatz steuereinfach und ab 1.000 Euro verfügbar. Über zwölf Monate bleiben davon 36,50 Euro mehr übrig als beim Bundesschatz. Bei 50.000 Euro sind es rund 183 Euro.
Gewinnfreibetrag für Selbständige
Steuer-Tipp für Unternehmer: Selbständige und Gewerbetreibende können den 4-Jahres-Bundesschatz für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag nutzen (§ 14 Abs. 7 Z 4 EStG). Voraussetzung ist eine Behaltedauer von vier Jahren, die der 4-Jahres-Bundesschatz exakt erfüllt. Kein Bankfestgeld bietet diesen Vorteil, weil Spareinlagen nicht zu den begünstigten Wertpapieren zählen. Wer den Gewinnfreibetrag ausschöpft, spart Einkommensteuer in einer Größenordnung, die den KESt-Nachteil deutlich übersteigt.
Mehr zur steuerlichen Behandlung von Festgeldzinsen findest du im Ratgeber zu Festgeld und Steuern.
Bundesschatz oder Festgeld: was bleibt netto übrig?
Die entscheidende Frage ist nicht, wer den höheren Bruttozins zeigt, sondern was nach Steuern übrig bleibt. Weil Bundesschatz und Festgeld unterschiedlich besteuert werden, sind Bruttozinsen hier nicht vergleichbar. Alle folgenden Tabellen zeigen deshalb den Nettozins: Bundesschatz nach 27,5 % KESt, Festgeld nach 25 % KESt.
12 Monate: Festgeld gewinnt deutlich
| Anbieter | Capitalo Score | Brutto | Netto | Steuereinfach | Mindestanlage |
|---|---|---|---|---|---|
| Urbo Bankas Festgeld | 70/125 | 3,13 % | 2,35 % | nein | 10.000 EUR |
| Bigbank Festgeld | 87/125 | 3,15 % | 2,36 % | nein | 1.000 EUR |
| Klarna Festgeld+ | 90/125 | 2,90 % | 2,18 % | nein | 1 EUR |
| DenizBank Festgeld | 96/125 | 2,90 % | 2,18 % | ja | 1.000 EUR |
| Kommunalkredit Invest Festgeld | 99/125 | 2,80 % | 2,10 % | ja | 10.000 EUR |
| Bundesschatz (Klassisch) | — | 2,60 % | 1,89 % | ja | 100 EUR |
Datenstand: 4. August 2026 | Nettozins = Bruttozins abzüglich KESt (Bundesschatz 27,5 %, Festgeld 25 %). Kommunalkredit Invest: 2,80 % gelten ab 10.000 EUR, darunter 2,20 %.
Auf zwölf Monate liegt der Bundesschatz netto rund 0,46 Prozentpunkte hinter dem besten AT-Festgeld. Selbst gegen steuereinfache Angebote wie das Angebot der Bigbank fehlen ihm 0,36 Prozentpunkte. Auch die steuereinfache DenizBank liegt mit 2,18 % netto klar vor ihm.
4 Jahre: der Abstand bleibt
| Anbieter | Capitalo Score | Brutto | Netto | Steuereinfach | Mindestanlage |
|---|---|---|---|---|---|
| BTG Pactual Festgeld | 76/125 | 3,11 % | 2,33 % | nein | 5.000 EUR |
| Klarna Festgeld+ | 90/125 | 3,05 % | 2,29 % | nein | 1 EUR |
| Bigbank Festgeld | 87/125 | 3,25 % | 2,44 % | nein | 1.000 EUR |
| Renault Bank Festgeld | 82/125 | 2,75 % | 2,06 % | ja | 2.500 EUR |
| Bundesschatz (Grün) | — | 2,70 % | 1,96 % | ja | 100 EUR |
Datenstand: 4. August 2026 | Laufzeit 48 Monate
Auch über vier Jahre reicht es netto nicht. Was für die grüne 4-Jahres-Variante spricht, liegt außerhalb der Rendite: Zinseszins über die gesamte Laufzeit, die nachhaltige Mittelverwendung und der Gewinnfreibetrag für Selbständige, den kein Bankfestgeld bieten kann.
10 Jahre: hier gewinnt der Bundesschatz
| Anbieter | Capitalo Score | Brutto | Netto | Steuereinfach | Mindestanlage |
|---|---|---|---|---|---|
| Bundesschatz (Klassisch) | — | 3,20 % | 2,32 % | ja | 100 EUR |
| Bigbank Festgeld | 87/125 | 3,25 % | 2,44 % | nein | 1.000 EUR |
| Kommunalkredit Invest Festgeld | 99/125 | 3,00 % | 2,25 % | ja | 10.000 EUR |
| Banca Sistema Festgeld | 75/125 | 3,00 % | 2,25 % | nein | 5.000 EUR |
| DKB Festgeld | 77/125 | 2,70 % | 2,03 % | ja | 2.500 EUR |
Datenstand: 4. August 2026 | Laufzeit 120 Monate. Kommunalkredit Invest: 3,00 % gelten ab 10.000 EUR, darunter 2,40 %.
Über zehn Jahre dreht das Bild. Der Bruttovorsprung von 0,20 Prozentpunkten reicht, um die höhere KESt auszugleichen: Netto bleiben 2,32 % gegenüber 2,25 % beim besten Festgeld. Dazu kommt ein Punkt, den die Tabelle nicht zeigt. Der Bundesschatz verzinst über zehn Jahre mit Zinseszins, während viele Festgelder die Zinsen jährlich ausschütten. Ob dein Festgeld die Zinsen mitverzinst oder auszahlt, steht in den Konditionen und entscheidet über mehrere hundert Euro Endkapital.
Die 27,5 % KESt kosten den Bundesschatz gut ein Zehntel seines Zinsertrags mehr als ein Festgeld. Bis vier Jahre gewinnt deshalb fast immer ein Festgeld mit hohem Bruttozins. Erst über zehn Jahre holen der höhere Bruttozins und der Zinseszins den Steuernachteil wieder rein.
Du willst die aktuellen Festgeld-Zinsen in Österreich im Detail vergleichen? Im Capitalo Festgeld-Vergleich findest du alle Anbieter mit Capitalo Score auf einen Blick.
Für wen sich der Bundesschatz lohnt und für wen nicht
Lohnt sich für dich, wenn
- du zehn Jahre wirklich binden kannst. Das ist die einzige Laufzeit, in der der Bundesschatz netto vorn liegt.
- du mehr als 100.000 Euro sicher parken willst. Die Einlagensicherung deckt pro Bank nur 100.000 Euro, die Staatsgarantie kennt keine Obergrenze.
- du selbständig bist und den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag ausschöpfen willst. Die Steuerersparnis schlägt den KESt-Nachteil.
- du Geld für ein Mündel oder eine vertretene Person anlegst. Der Bundesschatz ist mündelsicher, die meisten Alternativen sind es nicht.
- du bewusst nachhaltig anlegen willst. Die grünen Varianten finanzieren ausschließlich Klima- und Infrastrukturprojekte.
Lohnt sich nicht, wenn
- du unter zwölf Monaten anlegst. Bei sechs Monaten bleiben 1,74 % netto, beim Bigbank Festgeld 2,06 %. Gleicher Aufwand, weniger Ertrag.
- dein Anlagehorizont ein bis vier Jahre beträgt. In diesem Fenster ist der Abstand mit bis zu 0,46 Prozentpunkten netto am größten.
- du dir bei zehn Jahren nicht sicher bist. Ein Ausstieg im 49. Monat lässt vom 3,20-Prozent-Zins nur rund 0,65 % übrig.
- du unter 100.000 Euro anlegst und die gesetzliche Einlagensicherung ohnehin greift. Dann zahlst du für Sicherheit, die du schon hast.
- du keine ID Austria mit Vollfunktion hast und den analogen Weg per Post und Telefon scheust.
Wie sicher ist der Bundesschatz?
Der Bundesschatz gehört zu den sichersten Geldanlagen weltweit. Das klingt nach Marketing, ist aber durch harte Fakten belegt.
AAA-Rating: Die Republik Österreich zählt zu den wenigen Staaten mit der Bestnote AAA bei den führenden Ratingagenturen. Innerhalb Österreichs gibt es keinen Schuldner mit besserer Bonität.
Keine Einlagensicherung, und das ist gut so. Beim Bundesschatz hast du eine Direktforderung an die Republik Österreich. Bei einem Sparbuch hingegen hast du eine Forderung an eine Bank, die erst im Krisenfall über die Einlagensicherung (maximal 100.000 Euro) abgesichert wird. Die Staatsgarantie steht über der Einlagensicherung in der Sicherheitshierarchie.
Kein Kursrisiko. Anders als börsengehandelte Anleihen wird der Bundesschatz nicht am Sekundärmarkt gehandelt. Dein Kapital wird zum Nennwert zurückgezahlt, egal was die Zinsen am Markt machen.
Ist der Bundesschatz mündelsicher?
Ja. Bundesschatzscheine gelten gemäß § 217 Z 1 ABGB als mündelsicher und eignen sich damit für die treuhändische Vermögensanlage, etwa für Minderjährige oder Personen unter Erwachsenenvertretung. Das ist ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen Bankprodukten und Fonds: Wer Geld für ein Mündel anlegt, hat nur eine begrenzte Auswahl an zulässigen Anlageformen, und der Bundesschatz gehört dazu.
Wie kommst du vorzeitig an dein Geld?
Eine vorzeitige Auszahlung ist jederzeit möglich, du beantragst sie über das Postfach in deinem Bundesschatz-Konto. Dein eingezahltes Kapital bleibt dabei vollständig erhalten. Reduziert werden ausschließlich die Zinsen, über sogenannte Liquiditätskosten. Pro Kalenderjahr sind vorzeitige Auszahlungen bis 1.000.000 Euro möglich.
Wie stark die Zinsen gekürzt werden, hängt stark von der Laufzeit ab:
| Laufzeit | Berechnung der Liquiditätskosten | Beispiel |
|---|---|---|
| 1, 6 und 12 Monate | 0,05 Prozentpunkte Abzug je verbleibendem Monat | 12-Monats-Bundesschatz mit 2,60 %, Ausstieg nach 9 Monaten: 3 Restmonate × 0,05 = 2,45 % p.a. |
| 4 und 10 Jahre | Prozentualer Anteil des ursprünglichen Zinssatzes laut OeBFA-Staffeltabelle | 10-Jahres-Bundesschatz mit 3,20 %, Ausstieg im 49. Monat: 20,42 % davon = rund 0,65 % p.a. |
Quelle: bundesschatz.at, Details zur vorzeitigen Auszahlung | Stand: 4. August 2026
Bei den kurzen Laufzeiten ist der Ausstieg günstig und praktisch vernachlässigbar. Bei den langen Laufzeiten ist er es nicht: Wer den 10-Jahres-Bundesschatz nach gut vier Jahren auflöst, bekommt nur rund ein Fünftel des vereinbarten Zinssatzes und liegt damit unter jedem Tagesgeldkonto. Die 10-Jahres-Variante lohnt sich deshalb nur, wenn du das Geld tatsächlich zehn Jahre nicht brauchst.
Wie kaufst du den Bundesschatz?
Voraussetzungen: Volljährig (18+), Wohnsitz in der EU, ID Austria mit Vollfunktion.
ID Austria aktivieren
Du brauchst ID Austria mit Vollfunktion. Falls du das noch nicht hast, kannst du dich bei jedem Magistrat, jeder Bezirkshauptmannschaft oder online über die ID Austria App registrieren.
Konto auf bundesschatz.at eröffnen
Gehe auf bundesschatz.at, melde dich mit ID Austria an und gib deine Daten ein: Name, Adresse, Telefon, E-Mail, steuerliche Ansässigkeit und dein Referenzkonto. Das dauert rund 60 Sekunden.
Geld überweisen und Laufzeit wählen
Überweise den gewünschten Betrag (ab 100 Euro) auf das Konto der Republik Österreich. Im Verwendungszweck gibst du deine Registrierungsnummer und die gewünschte Laufzeit an. Innerhalb von 1 bis 2 Werktagen wird dein Bundesschatz aktiviert.
Geht der Bundesschatz auch ohne ID Austria?
Ja. Seit Juli 2024 gibt es einen analogen Weg. Du kannst dein Konto per Post, Telefon (+43 1 513 84 11) oder am Postschalter eröffnen. Die Verwaltung läuft dann per Telefon und Brief, mit denselben Zinsen wie beim digitalen Zugang.
Was ist der grüne Bundesschatz?
Zwei der fünf Bundesschatz-Varianten tragen das Label „Grün": die 6-Monats-Variante (2,40 % p.a.) und die 4-Jahres-Variante (2,70 % p.a.). Die Zinsen sind identisch mit den klassischen Varianten, die Besteuerung ebenfalls.
Der Unterschied: Dein Geld fließt ausschließlich in nachhaltige Projekte der Republik Österreich. Dazu zählen unter anderem:
- 🌱 Erneuerbare Energien für den Ausbau von Solar- und Windkraft
- 🚆 Bahninfrastruktur für die Modernisierung des Schienennetzes
- 🦋 Biodiversität für den Schutz von Lebensräumen und Artenvielfalt
- 🪵 Holzbau für CO₂-Speicherung durch nachhaltige Bauweise
- ⚡ Elektromobilität für Ladeinfrastruktur und Förderungen
Österreich ist damit einer der ersten Staaten, der ein grünes Sparprodukt direkt und gebührenfrei an Privatanleger vertreibt (laut BMF und OeBFA).
Welche Vor- und Nachteile hat der Bundesschatz?
Vorteile
- Direktforderung an die Republik Österreich mit AAA-Rating, ohne Betragsobergrenze
- Mündelsicher nach § 217 Z 1 ABGB
- Steuereinfach: Die OeBFA führt die KESt automatisch ab
- Keine Gebühren: kein Depot, keine Transaktionskosten, keine Kontoführung
- Fixzins für die gesamte Laufzeit garantiert, kein Kursrisiko
- Mindestanlage nur 100 Euro, keine Obergrenze
- Zinseszins bei Laufzeiten über 12 Monate
- Grüne Varianten für nachhaltige Anleger
- Gewinnfreibetrag-fähig (4-Jahres-Variante)
Nachteile
- 27,5 % KESt statt 25 % wie bei Sparbuch und Festgeld
- Netto schlechter als gutes AT-Festgeld bei allen Laufzeiten unter zehn Jahren
- Harte Zinskürzung bei vorzeitigem Ausstieg aus den langen Laufzeiten
- ID Austria mit Vollfunktion erforderlich, sonst analoger Umweg
- Keine tägliche Verfügbarkeit, das Geld ist über die Laufzeit gebunden
- Maximal 1.000.000 Euro vorzeitige Auszahlung pro Kalenderjahr
Fazit: ein Sicherheitsprodukt, kein Renditeprodukt
Der Bundesschatz wird oft als steuerlich attraktiv beschrieben. Das Gegenteil stimmt: Mit 27,5 % KESt wird er höher besteuert als jedes Sparbuch und jedes Festgeld. Wer nur auf die Nettorendite schaut, findet bei Laufzeiten unter zehn Jahren durchgehend bessere Angebote, bei zwölf Monaten mit bis zu 0,46 Prozentpunkten Abstand.
Seine Stärke liegt woanders. Der Bundesschatz ist das einzige Produkt in Österreich, bei dem die Republik selbst dein Schuldner ist. Wer mehr als 100.000 Euro sicher parken will, bekommt eine Absicherung, die keine Bank bieten kann. Er ist mündelsicher. Und bei zehn Jahren Bindung schlägt er mit 2,32 % netto tatsächlich jedes AT-Festgeld.
Unsere Einschätzung: Nimm den Bundesschatz für die 10-Jahres-Variante, für Beträge über der Einlagensicherungsgrenze, für Mündelgelder oder für den Gewinnfreibetrag. Für alles zwischen einem Monat und vier Jahren ist ein steuereinfaches Festgeld die bessere Wahl. Und binde dich nur dann auf zehn Jahre, wenn du das Geld wirklich zehn Jahre entbehren kannst: Der vorzeitige Ausstieg kostet dich den Großteil der Zinsen.
Häufige Fragen zum Bundesschatz
Ist der Bundesschatz sicher?
Ja. Der Bundesschatz ist eine Direktforderung an die Republik Österreich, die ein AAA-Rating von DBRS Morningstar hält (bestätigt im Jänner 2025). Innerhalb Österreichs gibt es keinen Schuldner mit besserer Bonität. Die Sicherheit übertrifft die klassische Einlagensicherung, die bei Bankprodukten auf 100.000 EUR begrenzt ist.
Wie hoch sind die Bundesschatz Zinsen aktuell?
Die aktuellen Zinssätze (Stand: August 2026): 2,20% (1 Monat), 2,40% (6 Monate, grün), 2,60% (12 Monate), 2,70% (4 Jahre, grün), 3,20% (10 Jahre). Die Zinsen werden täglich aktualisiert und gelten ab Kauf fix für die gesamte Laufzeit.
Wie wird der Bundesschatz besteuert?
Bundesschatz-Zinsen unterliegen der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 %. Das ist mehr als die 25 % auf Sparbuch- und Festgeldzinsen. Der Grund steht im selben Paragrafen: § 27a Abs. 1 Z 1 EStG sieht 25 % für Geldeinlagen bei Kreditinstituten vor, § 27a Abs. 1 Z 2 EStG 27,5 % für alle übrigen Kapitaleinkünfte. Der Bundesschatz ist keine Bankeinlage, sondern ein Wertpapier der Republik, und fällt damit unter den höheren Satz. Die KESt wird automatisch von der OeBFA abgeführt, du musst nichts in der Steuererklärung angeben.
Kann ich den Bundesschatz vorzeitig auflösen?
Ja, eine vorzeitige Auszahlung ist jederzeit möglich. Es fallen Liquiditätskosten an, die von den aufgelaufenen Zinsen abgezogen werden – dein eingezahltes Kapital bleibt vollständig erhalten. Die maximale vorzeitige Auszahlung beträgt 1.000.000 EUR pro Kalenderjahr.
Brauche ich ID Austria für den Bundesschatz?
Für den digitalen Zugang brauchst du ID Austria mit Vollfunktion. Seit Juli 2024 gibt es alternativ einen analogen Weg über Post, Telefon oder Postschalter. Die Zinsen sind in beiden Fällen identisch.
Ist der Bundesschatz besser als Festgeld?
Nach Steuern nur bei zehn Jahren Laufzeit. Auf 12 Monate bleiben beim Bundesschatz 1,89 % netto übrig, beim Bigbank Festgeld 2,36 % (Stand: 27. August 2026). Auch auf vier Jahre liegen mehrere Festgelder vorn. Erst bei zehn Jahren dreht das Bild – allerdings nicht am Prozentsatz, sondern an der Verzinsungsart: Der Bundesschatz kapitalisiert die Zinsen, Festgeld zahlt sie aus. Auf 10.000 EUR bleiben nach Steuern rund 2.684 EUR gegenüber 2.438 EUR beim besten AT-Festgeld. Unabhängig von der Rendite gilt: Der Bundesschatz ist eine Direktforderung an die Republik Österreich ohne 100.000-Euro-Deckel, dafür ist der vorzeitige Ausstieg teuer.
Gibt es eine Einlagensicherung beim Bundesschatz?
Nein – und das ist kein Nachteil. Beim Bundesschatz hast du eine Direktforderung an die Republik Österreich (AAA-Rating). Die Einlagensicherung schützt nur Bankeinlagen bis 100.000 EUR pro Bank. Die Staatsgarantie steht in der Sicherheitshierarchie darüber.
Was ist der grüne Bundesschatz?
Der grüne Bundesschatz ist in den Laufzeiten 6 Monate und 4 Jahre verfügbar. Die Zinsen sind identisch mit den klassischen Varianten. Der Unterschied: Dein Geld finanziert ausschließlich nachhaltige Projekte wie erneuerbare Energien, Bahninfrastruktur und Biodiversitätsschutz.
Welche Nachteile hat der Bundesschatz?
Drei Nachteile fallen ins Gewicht. Erstens die Steuer: 27,5 % KESt statt 25 % wie bei Sparbuch und Festgeld. Zweitens die Nettorendite, die bei allen Laufzeiten unter zehn Jahren hinter guten AT-Festgeldern liegt. Drittens der vorzeitige Ausstieg aus den langen Laufzeiten, der einen Großteil der Zinsen kostet. Dazu kommt, dass du ID Austria mit Vollfunktion brauchst, wenn du den digitalen Weg gehen willst.
Ist der Bundesschatz mündelsicher?
Ja. Bundesschatzscheine gelten gemäß § 217 Z 1 ABGB als mündelsicher und eignen sich damit für die treuhändische Vermögensanlage, etwa für Minderjährige oder Personen unter Erwachsenenvertretung. Das ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal: Wer Geld für ein Mündel anlegt, hat nur eine begrenzte Auswahl zulässiger Anlageformen, und die meisten Bankprodukte und Fonds gehören nicht dazu.
Was kostet der vorzeitige Ausstieg beim Bundesschatz?
Dein Kapital bekommst du immer vollständig zurück, gekürzt werden nur die Zinsen. Bei den Laufzeiten 1, 6 und 12 Monate werden 0,05 Prozentpunkte je verbleibendem Monat abgezogen. Aus 2,60 % auf 12 Monate werden bei Ausstieg nach 9 Monaten also 2,45 %. Bei den Laufzeiten 4 und 10 Jahre gilt eine Staffeltabelle der OeBFA, und die ist deutlich härter: Wer den 10-Jahres-Bundesschatz im 49. Monat auflöst, bekommt nur 20,42 % des vereinbarten Zinssatzes, aus 3,20 % werden rund 0,65 % p.a. Pro Kalenderjahr sind vorzeitige Auszahlungen bis 1.000.000 Euro möglich.
Ist der Bundesschatz dasselbe wie der deutsche Bundesschatzbrief?
Nein. Den deutschen Bundesschatzbrief gibt es nicht mehr: Die Deutsche Finanzagentur hat das Privatkundengeschäft zum 1. Januar 2013 eingestellt, die letzten Papiere des Typs B liefen am 1. September 2019 aus. Der österreichische Bundesschatz ist ein eigenständiges Produkt, das die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) im April 2024 neu aufgelegt hat. Er ist Anlegern mit Wohnsitz in der EU zugänglich und wird direkt über bundesschatz.at abgeschlossen.

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Alexander Senger
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Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.
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