Zinseszins
Zinseszins heißt: Gutgeschriebene Zinsen werden mitverzinst. Hier findest du die Formel, ein Rechenbeispiel und was nach KESt und Inflation davon übrig bleibt.
Was du über den Zinseszins wissen musst
- 📈 Zinsen auf Zinsen: Bleiben gutgeschriebene Zinsen auf dem Konto, verzinst die Bank sie ab der nächsten Periode mit; 10.000 Euro wachsen bei 3 % Modellzins und jährlicher Gutschrift in 10 Jahren ohne Steuer auf 13.439,16 Euro statt auf 13.000 Euro mit einfachem Zins
- 🧮 Formel: Bei jährlicher Gutschrift gilt Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre, den Zinssatz setzt du als Dezimalzahl ein (3 % = 0,03)
- 🏦 KESt: Bei einer österreichischen Bank gehen von Sparbuch-, Tagesgeld- und Festgeldzinsen schon bei der Gutschrift 25 % KESt ab; mitverzinst wird nur der Rest, aus 3 % werden 2,25 % Nettozins
- ⚠️ Auszahlung stoppt ihn: Zahlt die Bank die Zinsen auf ein Referenzkonto aus, statt sie deinem Guthaben zuzuschlagen, verzinsen sie sich nur noch mit dem Zinssatz des Referenzkontos
Du begegnest dem Zinseszins bei der Zinsgutschrift am Sparbuch, bei Tagesgeld mit monatlicher Gutschrift und bei Festgeld, dessen Konditionen zwischen Auszahlung und Wiederanlage der Zinsen unterscheiden.
Was ist der Zinseszins?
Der Zinseszins ist der Zins, den du auf bereits gutgeschriebene Zinsen bekommst. Die Bank schlägt die Zinsen einer Periode deinem Kapital zu und rechnet den Zinssatz ab der nächsten Periode auf den höheren Betrag. Dieses Zuschlagen heißt Kapitalisierung.
Beim einfachen Zins bleibt die Basis gleich: Du bekommst jedes Jahr Zinsen nur auf dein Startkapital, etwa weil die Zinsen ausbezahlt werden. Beim Zinseszins wächst die Basis mit jeder Gutschrift. Legst du 10.000 Euro zu 3 % an, bekommst du im ersten Jahr 300 Euro Zinsen und im zweiten 309 Euro, weil dann 10.300 Euro verzinst werden.
Der Abstand zum einfachen Zins ist anfangs klein und wird jedes Jahr größer, weil der Zinssatz auf eine wachsende Basis wirkt. Dein Kapital wächst exponentiell, nicht linear.
| Laufzeit | Einfacher Zins | Mit Zinseszins | Mehr durch Zinseszins |
|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 10.300,00 Euro | 10.300,00 Euro | 0,00 Euro |
| 10 Jahre | 13.000,00 Euro | 13.439,16 Euro | 439,16 Euro |
| 20 Jahre | 16.000,00 Euro | 18.061,11 Euro | 2.061,11 Euro |
| 30 Jahre | 19.000,00 Euro | 24.272,62 Euro | 5.272,62 Euro |
Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, Modellzins 3 % p.a., jährliche Gutschrift, ohne KESt. Kein Angebot einer Bank.
Zinseszins-Formel: So rechnest du
Das Endkapital bei jährlicher Gutschrift berechnest du mit der Zinseszinsformel:
Kn = K0 × (1 + p)n
K0 ist dein Startkapital, p der Jahreszinssatz als Dezimalzahl (3 % = 0,03), n die Zahl der Jahre und Kn das Endkapital. Die Zinsen allein sind Kn minus K0.
Ein Beispiel mit 10.000 Euro, 3 % und 10 Jahren: 10.000 × 1,0310 = 13.439,16 Euro. Von den 3.439,16 Euro Zinsen sind 3.000 Euro einfacher Zins und 439,16 Euro Zinseszins.
Die Formel setzt voraus, dass der Zinssatz über die ganze Laufzeit gleich bleibt. Ändert die Bank den Zinssatz, wie es bei Tagesgeld möglich ist, bleibt das Ergebnis eine Modellrechnung. Deinen eigenen Betrag rechnest du mit dem Tagesgeld-Rechner inklusive KESt durch.
Monatlich, vierteljährlich, jährlich: Wie oft die Bank Zinsen gutschreibt
Je öfter die Bank dir Zinsen gutschreibt, desto früher werden sie mitverzinst. Bei m Gutschriften pro Jahr lautet die Formel Kn = K0 × (1 + p/m)m × n.
Was dir das über ein Jahr bringt, zeigt die effektive Jahresrendite: (1 + p/m)m − 1. Sie ist der Zinssatz, der bei einer einzigen Gutschrift im Jahr dasselbe Ergebnis liefern würde. Vergleichst du zwei Angebote mit unterschiedlichem Gutschriftsrhythmus, vergleichst du diese Rendite.
| Gutschrift | Effektive Jahresrendite | Kapital nach 1 Jahr | Kapital nach 10 Jahren |
|---|---|---|---|
| Jährlich | 3,00 % | 10.300,00 Euro | 13.439,16 Euro |
| Vierteljährlich | 3,03 % | 10.303,39 Euro | 13.483,49 Euro |
| Monatlich | 3,04 % | 10.304,16 Euro | 13.493,54 Euro |
Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, nominal 3 % p.a., ohne KESt. Kein Angebot einer Bank.
Der Effekt des Rhythmus ist klein. Legst du 10.000 Euro zu 3 % an, bringt dir monatliche statt jährlicher Gutschrift im ersten Jahr 4,16 Euro mehr, nach KESt 2,33 Euro. Ein um 0,1 Prozentpunkte höherer Zinssatz bringt bei jährlicher Gutschrift 10 Euro, nach KESt 7,50 Euro, und damit mehr als der Wechsel auf monatliche Gutschrift.
Für Spareinlagen wie das Sparbuch schreibt das Bankwesengesetz einen Abschluss zum Ende des Kalenderjahres vor (§ 32 Abs. 5 BWG). Beim klassischen Sparbuch werden die Zinsen deshalb in der Regel einmal im Jahr gutgeschrieben und ab dem Folgejahr mitverzinst. Bei Tagesgeld und Festgeld legen die Konditionen fest, ob monatlich, vierteljährlich, jährlich oder erst am Laufzeitende gutgeschrieben wird; den Rhythmus je Angebot zeigt der Tagesgeld-Vergleich für Österreich.
Zinseszins nach KESt: Was netto wächst
In Österreich wirkt der Zinseszins auf Bankzinsen nur netto. Zinsen aus Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld unterliegen 25 % KESt (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Eine österreichische Bank zieht die Steuer im Zeitpunkt der Gutschrift ab (§ 95 Abs. 3 EStG 1988), auch wenn du die Zinsen nicht behebst. Mitverzinst werden nur die 75 %, die auf dem Konto bleiben.
Für die Formel heißt das: Setz den Nettozinssatz ein, also den Zinssatz mal 0,75. Aus 3 % werden 2,25 %. Das Finanzministerium rechnet es in den Einkommensteuerrichtlinien genauso vor: Von 50 Euro Sparbuchzinsen gehen 12,50 Euro KESt ab, im zweiten Jahr werden 1.037,50 Euro verzinst (EStR 2000 Rz 7741).
| Laufzeit | Kapital ohne Steuer | Kapital nach 25 % KESt | Zinsen netto |
|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 13.439,16 Euro | 12.492,03 Euro | 2.492,03 Euro |
| 20 Jahre | 18.061,11 Euro | 15.605,09 Euro | 5.605,09 Euro |
| 30 Jahre | 24.272,62 Euro | 19.493,93 Euro | 9.493,93 Euro |
Modellrechnung: Startkapital 10.000 Euro, Modellzins 3 % p.a., jährliche Gutschrift, KESt 25 % bei jeder Gutschrift. „Ohne Steuer" dient nur dem Vergleich. Kein Angebot einer Bank.
Über mehrere Jahre kostet dich die KESt dabei mehr als ein Viertel der Zinsen, die ohne Steuer angefallen wären. In 20 Jahren behält die Bank im Modell 1.868,36 Euro KESt ein. Weil diese Beträge nicht mehr auf dem Konto liegen, fehlen dir zusätzlich 587,66 Euro Zinseszins darauf. Netto bleiben dir 69,5 % der steuerfreien Zinsen.
Was die KESt sonst regelt, etwa wann du Zinsen einer ausländischen Bank selbst erklärst, steht im Lexikoneintrag KESt in Österreich.
Inflation: Wie viel Kaufkraft der Zinseszins bringt
Der Zinseszins vermehrt Euro, nicht Kaufkraft. Steigen die Preise, kannst du dir mit jedem Euro weniger kaufen. Wie viel Kaufkraft dein Kapital pro Jahr gewinnt, zeigt der Realzins: (1 + Nettozins) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1. Als Näherung reicht Nettozins minus Inflationsrate.
Mit 2,25 % Nettozins und einer angenommenen Inflation von 2 % bleibt dir ein Realzins von rund 0,25 % im Jahr. Aus deinen 10.000 Euro werden in zehn Jahren 12.492,03 Euro, in heutiger Kaufkraft sind das 10.247,82 Euro. Liegt die Inflation über dem Nettozins, schrumpft die Kaufkraft trotz Zinseszins.
72er-Regel: Wann sich dein Geld verdoppelt
Die 72er-Regel ist eine Faustformel für die Verdopplungszeit: 72 geteilt durch den Zinssatz in Prozent ergibt ungefähr die Jahre, bis sich ein Betrag durch Zinseszins verdoppelt. Bei 3 % schätzt sie 24 Jahre, genau gerechnet sind es 23,45 Jahre.
Die Regel ist eine Näherung und liegt bei niedrigen Zinssätzen etwas zu hoch: Bei 1 % schätzt sie 72 Jahre, exakt sind es 69,66. Für dein Guthaben nach KESt setzt du den Nettozins ein. Bei 2,25 % netto schätzt die Regel 32 Jahre, exakt sind es 31,15 Jahre. Genau rechnest du mit ln 2 ÷ ln (1 + p).
Wann der Zinseszins wirkt und wann nicht
Der Zinseszins wirkt
- Die Zinsen bleiben auf dem verzinsten Konto, etwa am Sparbuch nach dem Jahresabschluss oder beim Tagesgeld mit Gutschrift auf das Tagesgeldkonto
- Die Konditionen deines Festgelds schlagen die Zinsen während der Laufzeit dem Guthaben zu
- Die Laufzeit ist lang und du behebst nichts: Nach 30 Jahren macht der Zinseszins im Modell 5.272,62 Euro aus, mehr als ein Drittel aller Zinsen
Der Zinseszins wirkt nicht oder kaum
- Die Bank zahlt die Zinsen auf ein Referenzkonto aus: Dort verzinsen sie sich nur mit dessen Zinssatz
- Du behebst die Zinsen nach jeder Gutschrift: Dann bleibt es beim einfachen Zins
- Die Laufzeit ist kurz: Nach zwei Jahren beträgt der Unterschied im Modell 9 Euro
- Grenzfall Gutschrift am Laufzeitende: Schreibt ein Festgeld die Zinsen erst am Ende gut, entscheidet die in den Konditionen genannte Berechnungsart, ob mit Zinseszins gerechnet wird
- Grenzfall Schulden: Werden unbezahlte Zinsen dem offenen Betrag zugeschlagen, zahlst du Zinsen auf Zinsen; wie teuer das werden kann, zeigt der Ratgeber zur Teilzahlung mit der Kreditkarte
Vergleiche Sparangebote über den Zinssatz nach KESt und darüber, ob die Zinsen auf dem Konto bleiben. Der Gutschriftsrhythmus kommt erst danach, weil er dein Endkapital am wenigsten verändert.
Der Zinseszins belohnt vor allem Zeit. In den ersten Jahren fällt er kaum auf, nach Jahrzehnten macht er einen großen Teil der Zinsen aus. In Österreich rechnet er bei Bankzinsen immer mit dem Nettozins nach 25 % KESt, und real zählt, was nach der Inflation bleibt.
Konkrete Empfehlung: Prüf bei jedem Angebot, ob die Zinsen auf dem Sparkonto bleiben oder ausbezahlt werden, und rechne mit dem Nettozins. Aktuelle Zinssätze findest du bei den Tagesgeld-Angeboten in Österreich und bei Festgeld mit fixer Laufzeit.
Häufige Fragen zum Zinseszins
Du rechnest das Endkapital mit Kn = K0 × (1 + p)n aus: Startkapital mal (1 plus Zinssatz als Dezimalzahl) hoch Anzahl der Jahre. Ziehst du davon Startkapital und einfachen Zins ab, bleibt der Zinseszins. Bei 10.000 Euro, 3 % und 10 Jahren sind das 13.439,16 Euro Endkapital und 439,16 Euro Zinseszins. Bei Bankzinsen in Österreich setzt du für das Ergebnis nach KESt 75 % des Zinssatzes ein.
Wie hoch ist der Zinseszins für 10.000 Euro?Das hängt von deinem Zinssatz und der Laufzeit ab. Im Modell mit 3 % und jährlicher Gutschrift werden aus 10.000 Euro in 10 Jahren 13.439,16 Euro, davon 439,16 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt sind es 12.492,03 Euro. Nach 20 Jahren sind es ohne Steuer 18.061,11 Euro, nach KESt 15.605,09 Euro.
Wie hoch ist der Zinseszins für 1000 Euro über 10 Jahre?Mit 3 % und jährlicher Gutschrift werden aus 1.000 Euro in 10 Jahren 1.343,92 Euro. Von den 343,92 Euro Zinsen sind 43,92 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt bleiben 1.249,20 Euro.
Wie hoch ist der Zinseszinseffekt bei 100.000 €?Mit 3 % und jährlicher Gutschrift wachsen 100.000 Euro in 10 Jahren auf 134.391,64 Euro, davon sind 4.391,64 Euro Zinseszins. Nach 20 Jahren sind es 180.611,12 Euro mit 20.611,12 Euro Zinseszins. Nach 25 % KESt stehen nach 10 Jahren 124.920,34 Euro auf dem Konto, nach 20 Jahren 156.050,92 Euro.
Wie lautet die Formel zur Berechnung von Zinsen?Für den einfachen Zins gilt: Zinsen = Kapital × Zinssatz × Jahre, bei 10.000 Euro, 3 % und 2 Jahren also 600 Euro. Für den Zinseszins gilt: Endkapital = Kapital × (1 + Zinssatz) hoch Jahre, im selben Beispiel 10.609 Euro und damit 609 Euro Zinsen. Der Unterschied von 9 Euro ist der Zins auf die Zinsen des ersten Jahres.
Bringt eine monatliche Zinsgutschrift mehr?Ja, aber wenig. Bei 10.000 Euro und nominal 3 % bringt monatliche statt jährlicher Gutschrift im ersten Jahr 4,16 Euro mehr, nach KESt 2,33 Euro. Die effektive Jahresrendite steigt dadurch von 3,00 % auf 3,04 %. Ein höherer Zinssatz wirkt stärker als ein häufigerer Gutschriftsrhythmus.
Muss ich auf den Zinseszins Steuern zahlen?Ja. Der Zinseszins ist steuerlich einfach Zins: Jede Gutschrift auf Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld unterliegt 25 % KESt, egal ob sie auf dein Startkapital oder auf frühere Zinsen entfällt. Eine österreichische Bank zieht die KESt bei der Gutschrift ab, damit ist die Einkommensteuer darauf in der Regel abgegolten.
Rechtsstand: EStG 1988 §§ 27a und 95 sowie BWG § 32 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09.2026). Quellen: Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge" (Stand 01.01.2026) und Einkommensteuerrichtlinien 2000 Rz 7710 und 7741; oesterreich.gv.at, „Kapitalertragsteuer (KESt)" (Stand 20.01.2026). Alle Rechenbeispiele sind eigene Modellrechnungen mit 3 % Modellzins, gerundet auf Cent, und kein Angebot einer Bank.