Wertpapier
Ein Wertpapier ist eine Urkunde über ein Vermögensrecht. Hier erfährst du, welche Arten es gibt, was sie vom Sparbuch unterscheidet und was im Depot geschützt ist.
Was du über Wertpapiere wissen musst
- 💡 Definition: Ein Wertpapier verbrieft ein Vermögensrecht, zum Beispiel einen Anteil an einer Aktiengesellschaft oder eine Forderung gegen einen Staat; im Depot hältst du in der Regel Miteigentum an einem Sammelbestand statt eines einzelnen Papiers
- 🏦 Kein Wertpapier: Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld sind Geldeinlagen bei einer Bank; die Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Person gilt für solche Guthaben, nicht für Wertpapiere im Depot
- ⚠️ Bankpleite: Wertpapiere im Depot bleiben dein Eigentum; nur wenn die Bank sie im Sicherungsfall nicht herausgeben kann, ersetzt die Anlegerentschädigung höchstens 20.000 Euro pro Anleger. Vor Kursverlusten und der Pleite des Emittenten schützt dich das nicht
- 💰 Steuer: Dividenden, Anleihezinsen, Fondserträge und Kursgewinne tragen 27,5 % KESt; der Satz von 25 % gilt nur für Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten
Dem Begriff begegnest du beim Kauf eines ETF, auf der Abrechnung deiner Bank und beim Bundesschatz der Republik Österreich. Er entscheidet darüber, wie dein Geld bei einer Bankpleite geschützt ist und welcher KESt-Satz gilt.
Was ist ein Wertpapier?
Ein Wertpapier ist eine Urkunde über ein Vermögensrecht. Wer die Urkunde besitzt, kann das Recht ausüben und es durch Übergabe der Urkunde auf andere übertragen. Die bekanntesten Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden, sind Aktien und Anleihen.
Ein einzelnes Stück Papier bekommst du beim Kauf über eine Bank nicht in die Hand. Das Depotgesetz verpflichtet die Bank, gleichartige Wertpapiere gemeinsam in Sammelverwahrung zu halten, sofern du nicht ausdrücklich schriftlich eine gesonderte Verwahrung verlangst (§ 4 Depotgesetz). Du erwirbst dann Miteigentum am Sammelbestand, im Umfang deines Anteils (§ 5 Depotgesetz).
Das Wertpapieraufsichtsgesetz 2018 spricht von übertragbaren Wertpapieren. Gemeint sind Gattungen, die auf dem Kapitalmarkt gehandelt werden können, insbesondere Aktien, Schuldverschreibungen und Wertpapiere, deren Auszahlung sich nach einem anderen Wert wie einem Index richtet (§ 1 Z 5 WAG 2018). Wer ein Wertpapier ausgibt, um sich Kapital zu beschaffen, heißt Emittent.
Welche Arten von Wertpapieren gibt es?
Die folgenden vier Arten unterscheiden sich darin, was du rechtlich erwirbst, und damit auch darin, welches Risiko du trägst.
| Art | Was du erwirbst | Ertrag | Wichtigstes Risiko |
|---|---|---|---|
| Aktie | Anteil an einer Aktiengesellschaft mit Vermögens- und Mitspracherechten | Dividende, Kursgewinn | Kursverlust bis zum Totalverlust |
| Anleihe | Forderung gegen den Emittenten, etwa einen Staat oder ein Unternehmen | Zinsen, Rückzahlung am Laufzeitende | Zahlungsausfall des Emittenten; Kursschwankung bei Verkauf vor Laufzeitende |
| Fondsanteil, auch ETF-Anteil | Anteil an einem Investmentfonds; bei in Österreich aufgelegten Fonds Miteigentum an einem Sondervermögen | Ausschüttung, Wertsteigerung | Kursrisiko der Wertpapiere im Fonds |
| Zertifikat | Schuldverschreibung des Emittenten, deren Auszahlung von einem Basiswert abhängt | Auszahlung laut Bedingungen | Kursrisiko des Basiswerts und Zahlungsausfall des Emittenten |
Stand: September 2026. Quelle: § 1 Z 5 WAG 2018, §§ 2 und 3 InvFG 2011 (RIS, abgerufen am 11.09.2026), finanznavi.gv.at, FMA-Glossar „Investmentfonds“, Arbeiterkammer Wien „Sparen, aber sicher“.
Der wichtigste Unterschied liegt zwischen Fondsanteilen und Zertifikaten. Ein in Österreich aufgelegter Investmentfonds ist ein Sondervermögen im Miteigentum der Anteilinhaber; es wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft gehalten und haftet nicht für deren Schulden. Ein Zertifikat ist dagegen rechtlich eine Schuldverschreibung: Wird der Emittent zahlungsunfähig, kannst du dein Geld ganz oder teilweise verlieren, auch wenn sich der Basiswert gut entwickelt hat.
Wertpapier oder Einlage: Sparbuch, Festgeld und Bundesschatz
Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld sind keine Wertpapiere, sondern Geldeinlagen bei einer Bank. Du überlässt der Bank Geld und hast dafür eine Forderung auf Rückzahlung samt Zinsen. Das Bankwesengesetz nennt das Einlagengeschäft (§ 1 Abs. 1 Z 1 BWG). Auch das Sparbuch ist zwar eine Urkunde, aber eine über eine Geldeinlage (§ 31 BWG).
Der Bundesschatz hat wie ein Festgeld eine gewählte Laufzeit mit festem Zinssatz, ist rechtlich aber ein Wertpapier. Die Bedingungen der Republik Österreich bezeichnen Bundesschatzscheine als Inhaberwertpapiere, vertreten durch eine Sammelurkunde. Ein Bankdepot brauchst du dafür nicht: Die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) trägt deinen Anteil in ein eigenes Register ein, an der Börse wird der Bundesschatz nicht gehandelt.
Die Einordnung als Wertpapier hat zwei Folgen. Zinsen aus dem Bundesschatz tragen 27,5 % KESt statt 25 %, weil der niedrigere Satz nur für Geldeinlagen bei Kreditinstituten gilt. Und deine Forderung richtet sich gegen die Republik Österreich als Schuldnerin, nicht gegen eine Bank. Was das netto ausmacht, rechnet der Ratgeber Bundesschatz im Vergleich mit Festgeld vor.
| Merkmal | Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld | Wertpapier im Depot | Bundesschatz |
|---|---|---|---|
| Rechtsnatur | Geldeinlage bei einer Bank | Wertpapier, das die Bank für dich verwahrt | Wertpapier der Republik Österreich |
| Wo es geführt wird | Konto oder Sparbuch bei der Bank | Depot bei einer Bank oder einem Broker | Register der OeBFA |
| Wenn die Bank pleitegeht | Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank und Person | Wertpapiere bleiben dein Eigentum; Anlegerentschädigung bis 20.000 Euro, wenn die Herausgabe scheitert | Schuldnerin ist die Republik Österreich, keine Bank |
| Börsenhandel | nein | je nach Wertpapier | nein |
| KESt auf Erträge | 25 % | 27,5 % | 27,5 % |
Stand: September 2026. Quelle: §§ 1 und 31 BWG, §§ 7 und 46 ESAEG, § 27a Abs. 1 EStG 1988 (RIS, abgerufen am 11.09.2026); Bedingungen für Bundesschatzscheine 2024 bis 2054, Fassung vom 03.04.2024, und Häufige Fragen auf bundesschatz.at; OeNB „Einlagensicherung“; FMA „Sonderfall: Insolvenz des Anbieters“.
Was passiert mit deinen Wertpapieren, wenn die Bank pleitegeht?
Die Bank verwahrt und verwaltet Wertpapiere für dich; das Bankwesengesetz nennt das Depotgeschäft (§ 1 Abs. 1 Z 5 BWG). Die Wertpapiere gehören dadurch nicht der Bank, sondern bleiben in deinem Eigentum oder Miteigentum, auch wenn die Bank insolvent wird. Weil sie nicht zum Vermögen der Bank zählen, kannst du ihre Aussonderung aus der Insolvenzmasse verlangen (§ 44 Insolvenzordnung), in der Praxis die Übertragung auf ein Depot bei einer anderen Bank.
Die Einlagensicherung ist für Wertpapiere nicht zuständig, sie deckt Guthaben. Zu diesen Guthaben zählt aber das Verrechnungskonto neben dem Depot: Dividenden, Zinszahlungen und Verkaufserlöse, die dort liegen, sind im Rahmen der Einlagensicherung bis 100.000 Euro gedeckt. Wie diese Sicherung im Detail funktioniert, erklärt der Ratgeber Einlagensicherung in Österreich.
Für den Ausnahmefall gibt es die Anlegerentschädigung nach dem Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG). Sie greift, wenn die Bank im Sicherungsfall nicht in der Lage ist, dir deine Wertpapiere zurückzugeben. Ersetzt werden höchstens 20.000 Euro pro Anleger (§ 46 Abs. 1 ESAEG); für Unternehmen gelten eigene Grenzen. Die Entschädigung musst du beantragen, dafür hast du ab Kundmachung des Sicherungsfalls ein Jahr Zeit.
Das Depot schützt dich vor der Pleite deiner Bank, nicht vor der Pleite des Emittenten und nicht vor Kursverlusten. Wird ein Unternehmen zahlungsunfähig, dessen Anleihe oder Zertifikat du hältst, hilft dir weder die Aussonderung noch die Anlegerentschädigung.
Wie werden Wertpapiere in Österreich besteuert?
Erträge aus Wertpapieren unterliegen in Österreich einem besonderen Steuersatz von 27,5 % (§ 27a Abs. 1 Z 2 EStG 1988). Das gilt für Dividenden, Zinsen aus Anleihen, Erträge aus Investmentfonds und Kursgewinne beim Verkauf. Der Satz von 25 % bleibt Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten vorbehalten, also etwa dem Sparbuch.
Führt eine inländische Bank oder ein inländischer Broker dein Depot, behält diese Stelle die KESt ein und führt sie an das Finanzamt ab. Zieht dein Depotanbieter keine österreichische KESt ab, musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Wie Abzug, Verlustausgleich und Regelbesteuerung funktionieren, erklärt der Eintrag KESt in Österreich; welche Anbieter den Abzug übernehmen, zeigt der Überblick über steuereinfache Broker.
Wann du es mit einem Wertpapier zu tun hast und wann nicht
Wertpapier
- Aktien, Anleihen, Fondsanteile und ETF-Anteile in deinem Depot
- Zertifikate: rechtlich Schuldverschreibungen, deren Wert zusätzlich von der Zahlungsfähigkeit des Emittenten abhängt
- Grenzfall Bundesschatz: ein Wertpapier ohne Bankdepot, eingetragen im Register der OeBFA und nicht an der Börse handelbar
Kein Wertpapier
- Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld: Geldeinlagen bei einer Bank, gedeckt durch die Einlagensicherung
- Grenzfall Verrechnungskonto: Eine Dividende ist, sobald sie dort gutgeschrieben ist, ein Guthaben bei der Bank und fällt damit unter die Einlagensicherung, nicht mehr unter den Schutz des Depots
- Grenzfall Privatdarlehen: Leihst du jemandem privat Geld, hast du wie bei einer Anleihe eine Forderung, aber kein Wertpapier; die Zinsen tragen keine KESt, sondern werden nach dem Einkommensteuertarif besteuert (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG 1988)
Wie gut dein Geld geschützt ist, hängt weniger vom Produktnamen ab als von der Rechtsform. Bei einer Einlage trägst du das Risiko der Bank, abgefedert durch die Einlagensicherung. Bei einem Wertpapier im Depot ist die Bank nur Verwahrerin; dein Risiko liegt beim Emittenten und beim Kurs.
Konkrete Empfehlung: Kläre vor jedem Kauf zwei Fragen: Wer ist der Emittent, der zahlen muss, und kaufst du ein Sondervermögen wie beim Fonds oder eine Schuldverschreibung wie beim Zertifikat? Wertpapiere können im Wert schwanken, bis hin zum Totalverlust. Wenn du ein Depot eröffnen willst, zeigt dir der Depot-Vergleich für Österreich, worauf du bei Kosten und Steuereinfachheit achten solltest.
Häufige Fragen zum Wertpapier
Ein Wertpapier ist ein verbrieftes Recht auf Vermögen: bei einer Aktie der Anteil an einem Unternehmen, bei einer Anleihe der Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung. Wer das Wertpapier besitzt, kann das Recht ausüben und es verkaufen. Kaufst du über eine Bank, verwahrt sie das Wertpapier in deinem Depot, in der Regel gemeinsam mit gleichartigen Stücken anderer Kundinnen und Kunden.
Was ist der Unterschied zwischen Wertpapier und Aktien?Wertpapier ist der Oberbegriff, die Aktie eine Art davon. Eine Aktie verbrieft einen Anteil an einer Aktiengesellschaft mit Vermögens- und Mitspracherechten. Andere Wertpapiere verbriefen etwas anderes: eine Anleihe eine Forderung gegen den Emittenten, ein Fondsanteil einen Anteil an einem Investmentfonds.
Welche Beispiele gibt es für Wertpapiere?Typische Wertpapiere sind Aktien, Anleihen von Staaten, Banken und Unternehmen, Pfandbriefe, Anteile an Investmentfonds und ETFs sowie Zertifikate. Auch der Bundesschatz der Republik Österreich ist ein Wertpapier, obwohl du ihn nicht über ein Bankdepot kaufst. Keine Wertpapiere sind Sparbuch, Tagesgeld und Festgeld.
Was passiert, wenn man Wertpapiere kauft?Du erteilst deiner Bank oder deinem Broker einen Auftrag, der zum Beispiel über eine Börse zum aktuellen Kurs ausgeführt wird. Der Kaufpreis samt Gebühren wird von deinem Verrechnungskonto abgebucht, das Wertpapier im Depot gutgeschrieben. Ab dann bist du Eigentümer oder Miteigentümer; Dividenden und Zinsen landen auf dem Verrechnungskonto, nach Abzug der KESt, wenn dein Anbieter sie einbehält.
Ist der Bundesschatz ein Wertpapier?Ja. Die Bedingungen für Bundesschatzscheine der Republik Österreich bezeichnen sie als Inhaberwertpapiere, vertreten durch eine Sammelurkunde. Deshalb tragen die Zinsen 27,5 % KESt und nicht 25 % wie Zinsen auf Sparbuch oder Festgeld. Anders als die meisten Wertpapiere liegt der Bundesschatz nicht in einem Bankdepot, sondern im Register der OeBFA, und er wird nicht an der Börse gehandelt.
Ist ein Sparbuch ein Wertpapier?Nicht im Sinne der Geldanlage. Das Sparbuch ist zwar eine Urkunde, aber über eine Geldeinlage bei einer Bank (§ 31 BWG). Es liegt in keinem Depot, fällt unter die Einlagensicherung bis 100.000 Euro, und seine Zinsen tragen 25 % KESt statt der 27,5 % auf Wertpapiererträge.
Sind meine Wertpapiere weg, wenn meine Bank pleitegeht?Nein. Wertpapiere im Depot bleiben dein Eigentum, die Bank verwahrt sie nur. Du kannst verlangen, dass sie auf ein Depot bei einer anderen Bank übertragen werden. Scheitert die Herausgabe, ersetzt die Anlegerentschädigung höchstens 20.000 Euro pro Anleger, auf Antrag. Gegen Kursverluste oder die Zahlungsunfähigkeit des Emittenten schützt beides nicht.
Rechtsstand: WAG 2018 § 1, InvFG 2011 §§ 2 und 3, BWG §§ 1 und 31, Depotgesetz §§ 4 und 5, Insolvenzordnung § 44, ESAEG §§ 7, 46 und 47, EStG 1988 §§ 27a und 93, jeweils in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09.2026). Quellen: Bedingungen für Bundesschatzscheine 2024 bis 2054 (Fassung vom 03.04.2024) und Häufige Fragen, bundesschatz.at; OeBFA; Finanzmarktaufsicht, „Sonderfall: Insolvenz des Anbieters“ und Glossar „Investmentfonds“; Oesterreichische Nationalbank, „Einlagensicherung“; Einlagensicherung AUSTRIA, „Informationen zur Anlegerentschädigung“; oesterreich.gv.at, „Wertpapier“ (Stand 19.03.2026); finanznavi.gv.at, „Wertpapiere: Aktien, Anleihen, Fondsanteile“; Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026); Arbeiterkammer Wien, „Sparen, aber sicher“.
Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung.