Lexikon

Direktbank

Eine Direktbank ist eine Bank ohne Filialnetz. Hier liest du, wer sie beaufsichtigt, wie dein Geld geschützt ist und wann sie dir die KESt abzieht.

Was du über Direktbanken wissen musst

  • 🏦 Direktbank: Eine Direktbank betreut dich ohne Filialnetz über Internet, App, Telefon oder Post; hat sie ihren Sitz in Österreich, braucht sie eine Bankkonzession und untersteht wie jede Filialbank dem Bankwesengesetz und der Aufsicht von FMA und OeNB
  • 💰 Einlagensicherung: Einlagen sind bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut gesichert; sitzt die Direktbank in einem anderen EU-Staat, zahlt dessen Sicherungssystem, und ist sie nur eine Marke deiner Hausbank, gilt die Grenze für beide Guthaben zusammen
  • KESt: Hat die Direktbank ihren Sitz oder eine Zweigstelle in Österreich, zieht sie 25 % KESt von deinen Zinsen ab; fehlt beides, gibst du die Zinsen selbst in der Steuererklärung an, der Satz bleibt 25 %
  • ⚠️ Neobank: „Neobank“ ist kein Rechtsbegriff; ist der Anbieter ein E-Geld-Institut und keine Bank, gilt dein Guthaben gesetzlich nicht als Einlage und wird nicht verzinst

Du begegnest dem Begriff in Tagesgeld- und Festgeldvergleichen, beim Girokonto ohne Filiale und wenn du Erspartes vom Sparbuch deiner Hausbank zu einer Bank ohne Filiale umschichten willst.

Was ist eine Direktbank?

Eine Direktbank ist eine Bank, die ihre Geschäfte nicht über ein Filialnetz abwickelt, sondern über Direktkanäle wie Internet, App, Telefon oder Post. Kontoeröffnung, Überweisungen und Sparen erledigst du selbst, Rückfragen klärst du telefonisch oder schriftlich.

Rechtlich ist eine Direktbank eine Bank wie jede andere. Sie braucht eine Bankkonzession, darf Einlagen entgegennehmen und ist Mitglied einer Einlagensicherung. Der Unterschied zur Filialbank liegt im Vertriebsweg.

Ohne Filialen fallen bei einer Direktbank vor allem weniger Personalkosten an. Das ermöglicht ihr bessere Konditionen bei Zinsen oder Entgelten, verpflichtet sie aber nicht dazu. Ob ein Angebot tatsächlich günstiger ist, zeigt erst der Vergleich.

Viele Direktbanken sind Töchter von Finanzkonzernen oder größeren Banken, manche treten nur als Marke einer bestehenden Bank auf. Für die Einlagensicherung zählt, ob sie eine eigene Konzession hat. Eröffnet eine Direktbank eine Beratungsstelle, ist das keine klassische Filiale.

Direktbank, Filialbank, Neobank: der Unterschied

Filialbank und Direktbank unterscheiden sich im Weg zu dir, nicht im Recht. Beide brauchen eine Konzession, beide unterliegen der Bankenaufsicht und beide müssen Mitglied einer Einlagensicherung sein. Die Filialbank bietet zusätzlich Beratung und Schalter vor Ort.

Neobank ist ein Marktbegriff für digitale Anbieter, die ausschließlich per App und online arbeiten. Kein österreichisches Aufsichtsgesetz regelt Neobanken oder FinTechs als eigene Kategorie. Hinter einer Neobank kann eine Bank mit voller Konzession stehen, dann ist sie rechtlich eine Direktbank. Es kann aber auch ein E-Geld- oder Zahlungsinstitut sein, das ohne Bankkonzession arbeitet.

Für dich zählt der Unterschied bei deinem Guthaben. Ein E-Geld-Institut darf keine Einlagen entgegennehmen. Was du dort auflädst, gilt nicht als Einlage und darf nicht verzinst werden (§ 3 Abs. 4 und 5 E-Geldgesetz 2010). Das Institut muss die Kundengelder nach eigenen Regeln sichern (§ 12 E-Geldgesetz 2010). Die Einlagensicherung schützt dagegen Einlagen, und ein E-Geld-Guthaben ist gesetzlich keine.

Merkmal Filialbank Direktbank Neobank
Kontakt Filiale, Online-Banking, Telefon Internet, App, Telefon, Post App und online
Zulassung Bankkonzession Bankkonzession Bankkonzession oder Lizenz als E-Geld- bzw. Zahlungsinstitut
Einlagen und Zinsen ja ja nur mit Bankkonzession
Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person und Bank bis 100.000 Euro pro Person und Bank nur mit Bankkonzession; E-Geld-Guthaben sind keine Einlagen

Stand: 15.09.2026. Quellen: OeNB, Glossar „Direktbank“; FMA, „Was ist FinTech?“ und „Konzession & Notifikation“; E-Geldgesetz 2010 § 3; ESAEG § 7.

Wer eine Direktbank beaufsichtigt

Hat die Direktbank ihren Sitz in Österreich, braucht sie für das Einlagengeschäft eine Bankkonzession (§ 1 Abs. 1 Z 1 in Verbindung mit § 4 Abs. 1 BWG). Die laufende Aufsicht teilen sich die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Oesterreichische Nationalbank (OeNB). Banken, die als bedeutend eingestuft sind, beaufsichtigt die Europäische Zentralbank direkt.

Hat die Direktbank ihren Sitz in einem anderen Staat des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR), braucht sie keine österreichische Konzession. Die Zulassung in ihrem Herkunftsland berechtigt sie, auch in Österreich Bankgeschäfte anzubieten, entweder über eine Zweigstelle oder ohne Niederlassung im freien Dienstleistungsverkehr. Bevor sie startet, verständigt die Aufsichtsbehörde ihres Herkunftslandes die FMA (§ 9 BWG).

Beaufsichtigt wird eine solche Bank von der Behörde ihres Herkunftslandes (Art. 49 Abs. 1 Richtlinie 2013/36/EU). Für ihr Geschäft in Österreich muss sie zusätzlich ausgewählte Vorschriften des Bankwesengesetzes einhalten.

Sitz und zuständige Aufsichtsbehörde muss jede Bank auf ihrer Website leicht zugänglich angeben, meist im Impressum (§ 5 Abs. 1 E-Commerce-Gesetz). Dort siehst du vor der Kontoeröffnung, in welchem Land die Bank zu Hause ist.

Einlagensicherung: Das Sitzland entscheidet

Einlagen bei einer Direktbank sind genauso gesichert wie bei einer Filialbank: bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut (§ 7 Abs. 1 Z 5 ESAEG). Die EU hat diese Deckungssumme für alle Mitgliedstaaten vereinheitlicht (Richtlinie 2014/49/EU). Die österreichische Einlagensicherung zahlt im Sicherungsfall binnen sieben Arbeitstagen aus, einen Antrag musst du dafür nicht stellen.

Welche Sicherungseinrichtung zahlt, hängt vom Sitz der Bank ab. Für eine Direktbank mit Sitz in Österreich ist es die österreichische Einlagensicherung. Für eine Bank aus einem anderen EU-Staat ist es das Sicherungssystem ihres Heimatstaates, auch wenn sie in Österreich eine Zweigstelle betreibt. Die Regeln sind in den meisten EU-Staaten im Wesentlichen gleich, im Detail kann es Abweichungen geben.

Welches System für dein Geld zuständig ist, steht im Informationsbogen für Einleger. Die Bank muss ihn dir vor Vertragsabschluss aushändigen, bei einer Kontoeröffnung im Internet elektronisch.

Die 100.000 Euro gelten pro Kreditinstitut, nicht pro Marke. Tritt eine Bank unter mehreren Marken auf, zählen alle Guthaben bei diesen Marken zusammen. Hast du 70.000 Euro bei deiner Hausbank und 50.000 Euro bei deren Direktbank-Marke, sind 100.000 Euro gedeckt und 20.000 Euro nicht. Hat die Direktbank eine eigene Konzession, sind beide Beträge voll gedeckt.

Wie die Auszahlung abläuft und welche Sonderfälle es gibt, erklärt der Ratgeber zur Einlagensicherung in Österreich.

KESt: Wann eine Direktbank steuereinfach ist

Zinsen auf Guthaben bei Banken versteuerst du in Österreich mit 25 % Kapitalertragsteuer (§ 27a Abs. 1 Z 1 EStG 1988). Wer die Steuer abführt, hängt wieder vom Sitz der Bank ab.

Hat die Direktbank ihren Sitz in Österreich oder betreibt sie hier eine Zweigstelle, gelten ihre Zinsen als inländische Kapitalerträge (§ 93 Abs. 2 Z 1 EStG 1988). Die Bank zieht die KESt direkt ab, damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen in der Regel abgegolten. Im Marktjargon heißt so eine Bank steuereinfach.

Bietet eine Bank aus einem anderen Staat ihre Konten ohne österreichische Zweigstelle an, zieht niemand die KESt ab. Dann musst du die Zinsen in deiner Einkommensteuererklärung angeben. Der Satz bleibt 25 %, getrennt von deinem übrigen Einkommen. Bekommst du im Jahr 400 Euro Zinsen, zahlst du darauf 100 Euro Steuer über die Veranlagung.

Welche Beilage du dafür brauchst und was mit einer ausländischen Quellensteuer passiert, steht im Lexikoneintrag KESt in Österreich.

Wann eine Direktbank zu dir passt und wann nicht

Eine Direktbank passt

  • Du erledigst Überweisungen, Daueraufträge und Sparen gern selbst online oder per App
  • Du vergleichst Zinsen und Kontoentgelte selbst und wechselst, wenn ein Angebot besser zu dir passt
  • Die Bank hat Sitz oder Zweigstelle in Österreich: Dann ist die KESt mit dem Abzug erledigt

Eine Direktbank passt weniger

  • Du willst persönliche Beratung in einer Filiale oder zahlst regelmäßig Bargeld am Schalter ein: Einen eigenen Schalter hat eine Direktbank nicht
  • Die Bank sitzt im Ausland und hat keine Zweigstelle in Österreich: Du erklärst die Zinsen jedes Jahr selbst
  • Grenzfall Marke: Ist die Direktbank eine Marke deiner Hausbank, teilen sich beide Konten eine Sicherungsgrenze von 100.000 Euro
  • Grenzfall E-Geld: Ist der Anbieter ein E-Geld-Institut, ist dein Guthaben keine Einlage und bringt keine Zinsen

Prüf vor jeder Kontoeröffnung bei einer Direktbank drei Dinge: den Sitz der Bank im Impressum, das Sicherungssystem im Informationsbogen für Einleger und ob die Bank die KESt für dich abzieht.

Eine Direktbank ist eine vollwertige Bank ohne Filialen. Ob sie aus Österreich oder einem anderen EU-Staat kommt, ändert nichts an der Deckungssumme von 100.000 Euro, wohl aber daran, welche Sicherungseinrichtung zahlt und ob du die Zinsen selbst versteuerst. Bei Marken und E-Geld-Instituten lohnt sich ein zweiter Blick.

Konkrete Empfehlung: Vergleich zuerst Zinsen und Entgelte, dann prüf Sitz, Sicherungssystem und KESt-Abzug. Aktuelle Angebote findest du im Tagesgeld-Vergleich für Österreich, bei Festgeld mit fixer Laufzeit und im Girokonto-Vergleich.

Häufige Fragen zur Direktbank

Was versteht man unter Direktbank?

Unter einer Direktbank versteht man eine Bank ohne eigenes Filialnetz. Sie wickelt ihre Geschäfte über Internet, App, Telefon oder Post ab. Rechtlich ist sie eine vollwertige Bank mit Konzession, Bankenaufsicht und Einlagensicherung. Viele Direktbanken sind Töchter oder Marken größerer Banken.

Was sind die Nachteile einer Direktbank?

Du bekommst keine Beratung am Schalter und kannst Bargeld nicht in einer eigenen Filiale einzahlen. Hat die Bank weder Sitz noch Zweigstelle in Österreich, zieht sie keine KESt ab und du erklärst die Zinsen selbst. Ist die Direktbank nur eine Marke deiner Hausbank, teilen sich beide Konten die Einlagensicherung von 100.000 Euro.

Welche Direktbanken gibt es in Österreich?

Konten ohne Filiale bieten in Österreich drei Gruppen an: Direktbanken mit Sitz in Österreich, oft Töchter oder Marken heimischer Banken; Banken aus anderen EU-Staaten mit einer Zweigstelle in Österreich; und Banken aus anderen EU-Staaten, die ihre Konten ohne Niederlassung anbieten. Einzelne Banken stellt der Überblick über Banken in Österreich vor.

Welche Direktbank ist gut?

Das hängt davon ab, was du suchst: ein Girokonto, Tagesgeld oder Festgeld. Capitalo bewertet die Angebote in den Vergleichen mit dem Capitalo Score. Prüf zusätzlich Sitz, Sicherungssystem und KESt-Abzug, denn diese drei Punkte entscheiden, wie viel Aufwand dir das Konto neben den Zinsen macht.

Ist mein Geld bei einer Direktbank geschützt?

Ja, bis 100.000 Euro pro Person und Kreditinstitut, sofern es Einlagen bei einer Bank sind. Die Einlagensicherung gilt für Direktbanken genauso wie für Filialbanken. Bei einer Bank aus einem anderen EU-Staat zahlt das Sicherungssystem ihres Heimatstaates. Guthaben bei einem E-Geld-Institut sind keine Einlagen und fallen nicht darunter.

Ist eine Neobank eine Direktbank?

Nur wenn sie eine Bankkonzession hat. Neobank ist ein Marktbegriff für App-Anbieter, kein Rechtsbegriff. Hat der Anbieter eine volle Bankkonzession, ist er rechtlich eine Direktbank mit Einlagensicherung. Ist er ein E-Geld-Institut, darf er keine Einlagen annehmen und dein Guthaben nicht verzinsen.

Rechtsstand: BWG §§ 1, 4 und 9, ESAEG § 7 und Anlage (Informationsbogen für Einleger), EStG 1988 §§ 27a und 93, E-Geldgesetz 2010 §§ 3 und 12 sowie E-Commerce-Gesetz § 5 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 11.09. und 15.09.2026); Richtlinien 2014/49/EU und 2013/36/EU. Quellen: OeNB, Glossar „Direktbank“ und FAQ Einlagensicherung; FMA, „Einlagensicherung“, „Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit / EWR“ und „Bankenunion“; Bundesministerium für Finanzen, „Allgemeine Informationen zu Einkünften aus Kapitalvermögen“ (Stand 01.01.2026). Das Rechenbeispiel ist eine eigene Modellrechnung.

Synonyme

DirektbankenOnlinebankOnline-BankInternetbank