Was „kostenlos“ beim Geschäftskonto wirklich bedeutet
Das Wichtigste auf einen Blick
- 💰 Gratis Kontoführung: N26 Business Standard (0 EUR), Vivid Standard (0 EUR) und Holvi Flex (0 EUR*) bieten Kontoführung ohne Grundgebühr
- ⚠️ Versteckte Kosten: Buchungsgebühren (0,20–0,42 EUR), Bargeldabhebungen (2–3 EUR) und Kartenkosten fressen das Gratis-Versprechen auf
- 🏦 IBAN-Falle: Die meisten Gratis-Konten haben eine DE- oder FI-IBAN – für Finanzamt und eps kann das problematisch sein
- ✅ Für wen sich Gratis lohnt: EPU und Freelancer mit wenigen Buchungen und rein digitalem Zahlungsverkehr
Gratis Geschäftskonten klingen verlockend, aber wo ist der Haken? Wir vergleichen die Konditionen und zeigen, was wirklich kostenlos ist.
Ein kostenloses Geschäftskonto klingt nach der perfekten Lösung – keine Kontoführungsgebühr, keine monatlichen Fixkosten. Allerdings bedeutet „0 EUR Kontoführung“ nicht automatisch „keine Kosten“. Bei fast allen Gratis-Konten fallen Gebühren an anderer Stelle an.
Grundsätzlich gilt: Die Kontoführungsgebühr ist nur einer von mehreren Kostenblöcken. Dazu kommen Buchungsgebühren pro Überweisung, Kosten für Bargeldabhebungen und Kartengebühren. Laut WKO-Gründerservice empfiehlt sich eine klare Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen – ein eigenes Geschäftskonto erleichtert die Buchhaltung und schützt bei einer Betriebsprüfung. Ein vermeintlich kostenloses Firmenkonto kann dich am Ende mehr kosten als ein Konto mit 10 EUR Grundgebühr – wenn du viele Buchungen hast.
Die drei Kostenkategorien bei Geschäftskonten:
- Kontoführung: Die monatliche Grundgebühr (0–20 EUR)
- Transaktionen: Kosten pro Buchung, Überweisung oder Lastschrift (0–0,50 EUR)
- Zusatzservices: Karten, Bargeld, Fremdwährung, Buchhaltungsanbindung
Beispielrechnung: Du bist EPU und hast 50 Buchungen pro Monat. Bei einem Gratis-Konto mit 0,25 EUR pro Transaktion zahlst du 12,50 EUR monatlich – obwohl die Kontoführung „kostenlos“ ist. Ein Bezahlkonto mit 6,90 EUR Grundgebühr und unbegrenzten Gratisbuchungen wäre günstiger.
Gratis-Geschäftskonten in Österreich im Vergleich
Wir haben die verfügbaren Geschäftskonten ohne Kontoführungsgebühr in Österreich verglichen. Die Bewertung basiert auf dem Capitalo Score, der Kosten, Features und Nutzerbewertungen berücksichtigt (Stand: März 2026).
| Konto | Anbieter | Grundgebühr | Buchungsgebühr | IBAN | Bargeld | Capitalo Score |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Vivid Standard | Vivid Money | 0 EUR | 0 EUR (unbegrenzt) | DE | 0 EUR (In-/Ausland) | 94/140 (Gut) |
| Vivid Free Start | Vivid Money | 0 EUR | 0,20 EUR (ab 6. Buchung) | DE | 2,50 EUR Einzahlung | 85/140 (Gut) |
| Holvi Flex | Holvi | 0 EUR* | 0,25 EUR/Buchung | FI | 2,50 EUR | 80/140 (Befriedigend) |
| Wallester Free | Wallester | 0 EUR | 0 EUR (unbegrenzt) | - | 2 EUR / 4 EUR | 78/140 (Befriedigend) |
*Holvi Flex: Inaktivitätsgebühr von 4,50 EUR/Monat nach 30 Tagen ohne Transaktionen.
N26 Business Standard ist ebenfalls ein beliebtes Gratis-Konto in Österreich. Es bietet 0 EUR Kontoführung, 0,1 % Cashback und unbegrenzte SEPA-Überweisungen. Es steht allerdings nur Freelancern und Einzelunternehmern offen – nicht für GmbH oder andere Kapitalgesellschaften.
Wo ist der Haken? – Versteckte Kosten aufgedeckt
Die größte Frage unserer Leser lautet: „Wo ist der Haken?“ Hier die ehrliche Antwort – aufgeschlüsselt nach Kostenkategorie:
Buchungsgebühren
Bei vielen Gratis-Konten zahlst du pro Buchung. Was bei 10 Überweisungen im Monat kein Problem ist, summiert sich bei 100 Buchungen schnell:
| Konto | Gratis-Buchungen | Danach pro Buchung | Kosten bei 50 Buchungen/Monat |
|---|---|---|---|
| Vivid Standard | Unbegrenzt | 0 EUR | 0 EUR |
| Vivid Free Start | 5/Monat | 0,20 EUR | 9 EUR |
| Holvi Flex | 0 | 0,25 EUR | 12,50 EUR |
| Wallester Free | Unbegrenzt | 0 EUR | 0 EUR |
Bargeld & Karten
- Bargeldabhebung am Bankomaten: 0–3 EUR je nach Anbieter und Land
- Bareinzahlung: 1,50–2,50 EUR pro Einzahlung – oder gar nicht möglich
- Physische Debitkarte: Bei manchen Anbietern 7–10 EUR Einmalgebühr
- Kreditkarte: Nicht im Gratis-Tarif enthalten, kostet 5–10 EUR/Monat extra
Fremdwährung & Ausland
| Konto | FX-Gebühr | Auslands-ATM |
|---|---|---|
| Vivid Standard | 0,00 % | 0 EUR |
| Vivid Free Start | 2,00 % | 0 EUR |
| Holvi Flex | 2,50 % | 2,50 EUR |
| Wallester Free | 2,00 % | 4 EUR |
Sonstige Fallstricke
- Inaktivitätsgebühr: Holvi Flex verrechnet 4,50 EUR/Monat nach 30 Tagen ohne Buchung
- Überziehung: Bei den meisten Neobank-Konten nicht möglich – kein Kontokorrentkredit
- Buchhaltungsanbindung: Premium-Feature, oft erst ab Bezahltarif (z.B. Vivid ab 6,90 EUR/Monat)
AT-IBAN oder Auslands-IBAN – worauf du achten musst
Ein Punkt, den viele Unternehmer übersehen: Die meisten kostenlosen Geschäftskonten haben keine österreichische IBAN.
| Anbieter | IBAN-Präfix | Land |
|---|---|---|
| N26 | DE | Deutschland |
| Vivid Money | DE | Deutschland |
| Holvi | FI | Finnland |
| Wallester | - | Estland |
| easybank | AT | Österreich |
| Erste Bank | AT | Österreich |
Wann eine AT-IBAN wichtig ist:
- Finanzamt: Überweisungen an das Finanzamt funktionieren grundsätzlich auch mit einer DE-IBAN via SEPA. Allerdings fehlt bei Neobanken oft die spezielle Eingabemaske für Finanzamt-Zahlungen, die das Online-Banking österreichischer Banken bietet.
- eps-Zahlungen: Das österreichische Online-Bezahlsystem eps funktioniert nur mit Konten bei teilnehmenden AT-Banken.
- SEPA-Lastschriften: In der Theorie müssen alle SEPA-IBANs akzeptiert werden (gemäß SEPA-Verordnung Art. 9). In der Praxis lehnen einzelne Vertragspartner ausländische IBANs ab – sogenannte IBAN-Diskriminierung, die laut EU-SEPA-Verordnung Nr. 260/2012 verboten ist.
- Einlagensicherung: AT-Banken fallen unter die österreichische Einlagensicherung (ESF), Neobanken unter die jeweilige Landeseinlagensicherung (DE, FI, NL). In allen Fällen sind Einlagen bis 100.000 EUR pro Bank geschützt.
Grundsätzlich gilt: Für SEPA-Überweisungen und Lastschriften im EU-Raum musst du keine AT-IBAN haben. Wenn du allerdings Wert auf eps, Finanzamt-Komfort oder eine physische Servicestelle legst, ist eine österreichische Bank wie easybank, bank99 oder Erste Bank die sicherere Wahl – auch wenn die Kontoführung dann nicht gratis ist.
Gratis vs. Bezahlkonto – wann sich zahlen lohnt
Nicht jeder profitiert von einem kostenlosen Geschäftskonto. Hier ein Vergleich über 12 Monate:
| Kriterium | Gratis (Vivid Free Start) | Günstig (Vivid Pro, 18,90 EUR/Monat) | Filialbank (Erste Bank, 10,41 EUR/Monat) |
|---|---|---|---|
| Grundgebühr/Jahr | 0 EUR | 226,80 EUR | 124,92 EUR |
| 50 Buchungen/Monat | 108 EUR (9 EUR x 12) | 0 EUR (unbegrenzt) | 282 EUR (0,47 EUR x 600) |
| Debitkarte | Gratis | Gratis | Nicht inklusive |
| Bargeld (10x/Monat) | 300 EUR (2,50 EUR x 120) | 0 EUR | 0 EUR |
| IBAN | DE | DE | AT |
| Überziehung | Nein | Nein | Ja (8 % p.a.) |
| Jahreskosten | 408 EUR | 226,80 EUR | 406,92 EUR |
Fazit dieser Rechnung: Bei 50 monatlichen Buchungen und regelmäßigem Bargeldbedarf ist das vermeintlich „günstigste“ Gratis-Konto (Vivid Free Start) am teuersten. Das Vivid Pro Konto mit 18,90 EUR Grundgebühr und unbegrenzten Buchungen spart dir über 180 EUR im Jahr.
Ein kostenloses Geschäftskonto lohnt sich für dich, wenn:
- Du weniger als 20 Buchungen pro Monat hast
- Du kein Bargeld brauchst (keine Ein-/Auszahlungen)
- Dir eine DE- oder FI-IBAN reicht
- Du EPU oder Freelancer bist (kein GmbH-Konto nötig)
- Du mit einer App-basierten Kontoverwaltung zufrieden bist
Ein Bezahlkonto lohnt sich, wenn:
- Du mehr als 50 Buchungen pro Monat tätigst
- Du regelmäßig Bargeld einzahlen oder abheben musst
- Du eine AT-IBAN für Finanzamt oder eps benötigst
- Dein Unternehmen eine GmbH oder KG ist
- Du eine Buchhaltungsanbindung (BMD, ProSaldo) brauchst
- Du einen Kontokorrentkredit nutzen willst
Du bist noch unsicher, welches Konto zu dir passt? In unserem Geschäftskonto Vergleich findest du alle Anbieter im Überblick – inklusive der Bezahlkonten. Und wenn du wissen willst, welche Gebühren bei welcher Bank anfallen, schau dir unseren Geschäftskonto Kosten-Überblick an.

