
Depot übertragen in Österreich: Schritt für Schritt zum neuen Broker
Du willst dein Wertpapierdepot zu einem anderen Broker übertragen? Hier erfährst du, wie der Depotübertrag in Österreich abläuft, was er kostet und worauf du bei der KESt achten musst.
Wertpapierdepot übertragen in Österreich – der komplette Guide
- 💰 Kosten: Manche Banken verlangen Abgangsgebühren – der neue Broker übernimmt die Kosten oft teilweise oder bietet Wechselprämien
- ⏱️ Dauer: Rechne mit 2 bis 4 Wochen – in dieser Zeit kannst du die übertragenen Wertpapiere nicht handeln
- ⚠️ Steuern: Ohne korrekte Meldung der Anschaffungswerte löst der Übertrag KESt (27,5 %) aus – Anschaffungsdaten unbedingt mitübertragen lassen
- ✅ Tipp: Vor dem Wechsel prüfen, ob der neue Broker steuereinfach ist, und Bruchstücke aus ETF-Sparplänen separat verkaufen
Du zahlst zu viel Depotgebühren, der Sparplan-Kostenvergleich hat dich zum Nachdenken gebracht oder du willst endlich zu einem steuereinfachen Broker wechseln? Dann steht ein Depotübertrag an. Grundsätzlich gilt: In Österreich kannst du deine Wertpapiere jederzeit von einem Broker zum anderen übertragen. Allerdings gibt es ein paar Stolpersteine – vor allem bei der Steuer.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie der Depotübertrag in Österreich Schritt für Schritt funktioniert, welche Kosten auf dich zukommen und wie du die häufigste Steuerfalle (die sogenannte fiktive Veräußerung) sicher vermeidest.
Gründe für einen Depotübertrag
Warum wechseln Anleger überhaupt den Broker? Die häufigsten Gründe:
- Hohe Depotgebühren: Klassische Hausbanken wie Raiffeisen oder Bank Austria verlangen oft 20 bis 50 EUR pro Jahr für die Depotführung, während Neobroker wie Flatex AT oder Trade Republic keine Depotgebühr berechnen.
- Günstigere Ordergebühren: Bei Neobrokern zahlst du teils nur 1 EUR pro Trade – bei der Hausbank können es 15 bis 30 EUR sein.
- Steuereinfach wechseln: Wenn dein aktueller Broker die KESt nicht automatisch abführt, musst du jedes Jahr selbst die Steuererklärung machen. Ein steuereinfacher Broker nimmt dir das ab. Trade Republic ist in Österreich seit 2025 steuereinfach.
- Besseres ETF-Sparplan-Angebot: Manche Broker bieten kostenlose Sparplanausführungen oder eine größere Auswahl an besparbaren ETFs.
Wenn du dir nicht sicher bist, welcher Broker für dich passt, wirf einen Blick auf unseren Depotgebühren-Vergleich.
Schritt für Schritt: So funktioniert der Depotübertrag
Neues Depot eröffnen
Bevor du den Übertrag startest, brauchst du ein Depot beim neuen Broker. Die Eröffnung dauert bei den meisten Online-Brokern nur wenige Minuten – Legitimation per Video-Ident oder in der Bankfiliale. Sobald dein neues Depot aktiv ist, kannst du den Übertrag beauftragen.
Noch keinen neuen Broker gewählt? Hier findest du den passenden Depot-Vergleich.
Übertragsformular ausfüllen
Dein neuer Broker stellt ein Übertragsformular bereit (online oder als PDF). Dort gibst du folgende Daten an:
- Alte Depotnummer und Bankleitzahl
- Ob du einen Gesamtübertrag (alle Wertpapiere) oder Teilübertrag (nur bestimmte Positionen) möchtest
- Ob das alte Depot geschlossen werden soll
Wichtig: Kreuze unbedingt an, dass die Anschaffungswerte (Kaufdatum und Kaufkurs) mitübertragen werden sollen. Fehlt das, kann es teuer werden – dazu mehr im Steuer-Abschnitt.
Formular an den alten Broker senden
Je nach Broker reichst du das Formular per E-Mail, Post oder direkt über den neuen Broker ein. Viele Neobroker wie Flatex AT übernehmen den Prozess für dich und kontaktieren die abgebende Bank.
Warten und prüfen
Der eigentliche Übertrag läuft über die OeKB CSD (den österreichischen Zentralverwahrer). Rechne mit 2 bis 4 Wochen Bearbeitungszeit. In dieser Zeit sind die betroffenen Wertpapiere gesperrt – du kannst sie weder verkaufen noch neue Aufträge dafür erteilen.
Nach der Einbuchung beim neuen Broker: Prüfe, ob die Anschaffungsdaten (Kaufkurs, Kaufdatum) korrekt übernommen wurden. Fehler kommen vor und können bei einem späteren Verkauf zu falscher KESt-Berechnung führen.
Altes Depot schließen (optional)
Wenn alle Wertpapiere übertragen sind und das Verrechnungskonto leer ist, kannst du das alte Depot kündigen. Warte damit, bis wirklich alle Positionen beim neuen Broker angekommen sind.
Kosten und Dauer beim Depotübertrag
Was kostet der Depotübertrag?
Anders als in Deutschland gibt es in Österreich keine gesetzliche Pflicht zur kostenlosen Depotübertragung. Grundsätzlich gilt:
- Die abgebende Bank darf Gebühren für den Abgang verlangen. Bei klassischen Banken sind das oft 20 bis 50 EUR pro Position.
- Die aufnehmende Bank verlangt in der Regel keine Gebühren.
- Manche Broker bieten Wechselprämien und erstatten die Abgangsgebühren teilweise – bei DADAT beispielsweise bis zu 250 EUR ab einem bestimmten Übertragswert.
- Teilüberträge kosten oft mehr als ein Gesamtübertrag, weil die alte Bank jede Position einzeln bearbeitet.
Wie lange dauert der Übertrag?
| Phase | Dauer |
|---|---|
| Depot-Eröffnung beim neuen Broker | 1–3 Tage |
| Bearbeitung durch alte Bank | 1–2 Wochen |
| Transfer über OeKB CSD | 1–2 Wochen |
| Gesamt | 2–4 Wochen |
👉 Tipp: Stoppe laufende Sparpläne beim alten Broker vor dem Übertrag. Sonst kann es passieren, dass während der Übertragung eine Sparplan-Ausführung fehlschlägt.
Steuerliche Aspekte beim Depotübertrag
Das Thema Steuern ist der heikelste Punkt beim Depotübertrag in Österreich. Hier die wichtigsten Regeln:
KESt und fiktive Veräußerung
Laut § 27 Abs. 6 Z 2 EStG gilt ein Depotübertrag steuerlich als fiktive Veräußerung. Das bedeutet: Ohne korrekte Meldung der Anschaffungswerte wird so getan, als hättest du deine Aktien oder ETFs verkauft – und auf den fiktiven Gewinn fallen 27,5 % KESt an.
Konkretes Beispiel: Du hast ETF-Anteile um 5.000 EUR gekauft, die jetzt 8.000 EUR wert sind. Ohne Meldung der Anschaffungswerte berechnet die neue Bank KESt auf 3.000 EUR Kursgewinn – das sind 825 EUR Steuer, die du dir hättest sparen können.
So vermeidest du das: Stelle sicher, dass die abgebende Bank die Anschaffungsdaten (Kaufkurs, Kaufdatum, ISIN) an die aufnehmende Bank übermittelt. Bei einem Inland-Übertrag zwischen zwei österreichischen Banken passiert das in der Regel automatisch – vorausgesetzt, du hast es im Übertragsformular angekreuzt.
Steuereinfach vs. nicht steuereinfach
In Österreich ist die Frage, ob ein Broker steuereinfach ist, besonders wichtig. Steuereinfache Broker führen die 27,5 % KESt automatisch ans Finanzamt ab. Bei nicht steuereinfachen Brokern (typischerweise ausländische Anbieter wie Interactive Brokers oder Scalable Capital) musst du die Steuern selbst über deine Einkommensteuererklärung abrechnen.
Was aber machst du, wenn du von einem steuereinfachen zu einem nicht steuereinfachen Broker wechselst? Hier gibt es einen entscheidenden Faktor: Die FinanzOnline-Meldung. Bei einem Übertrag ins Ausland oder zu einem nicht steuereinfachen Broker muss die abgebende Bank die Daten innerhalb eines Monats an das Finanzamt melden – sonst greift die fiktive Veräußerung.
Mehr zu steuereinfachen Optionen findest du in unserem Vergleich der steuereinfachen Broker. Einen Überblick über die KESt-Regelungen gibt unser Ratgeber KESt auf Wertpapiere.
FinanzOnline-Meldung bei Auslandsübertrag
Wenn du dein Depot von Österreich zu einem ausländischen Broker überträgst, muss die alte Bank folgende Daten an das Finanzamt melden:
- Name und Sozialversicherungsnummer (SVNR)
- ISIN und Stückzahl jeder Position
- Anschaffungskosten und Anschaffungsdatum
- Frist: innerhalb eines Monats nach der Übertragung
Ohne diese Meldung setzt das Finanzamt pauschale Anschaffungskosten an: Den aktuellen Kurswert abzüglich 0,5 % pro Monat seit dem Kauf, mindestens aber 50 % des aktuellen Kurses. Das kann deutlich teurer sein als die tatsächlichen Gewinne.
Sonderfälle und Stolpersteine
- Bruchstücke aus ETF-Sparplänen: Fractional Shares (Bruchstücke) können in der Regel nicht übertragen werden. Verkaufe sie vor dem Übertrag beim alten Broker und richte den Sparplan beim neuen Broker neu ein. Unser ETF-Sparplan Vergleich hilft dir bei der Auswahl.
- Übertrag auf eine andere Person: Wenn du Wertpapiere an jemand anderen überträgst (z. B. an ein Familienmitglied), gilt das als Schenkung. Dabei wird KESt auf die stillen Reserven fällig.
- Altbestand (vor 1.4.2012): Wertpapiere, die vor dem 1. April 2012 gekauft wurden, sind grundsätzlich von der KESt befreit. Trotzdem solltest du die Anschaffungsdaten mitübertragen lassen, damit der Altbestand-Status beim neuen Broker korrekt dokumentiert ist.
Checkliste vor dem Depotübertrag
Noch unsicher, welcher Broker der richtige ist? In unserem Vergleich der besten Online Broker findest du die wichtigsten Anbieter für Österreich im Überblick.
