Finanzlexikon

Alle wichtigen Finanzbegriffe einfach erklärt. Von Aktie bis Zinssatz - hier findest du verständliche Definitionen.

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KESt (Kapitalertragsteuer)

Die KESt ist die Kapitalertragsteuer in Österreich. Hier erfährst du, welcher Satz für Zinsen und Wertpapiere gilt, wer sie abzieht und wann du selbst etwas tun musst. Was du über die KESt wissen musst 💰 Zwei Sätze: 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen bei Banken (Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Girokonto), 27,5 % auf Dividenden, Kursgewinne, Fondserträge, Anleihezinsen und Kryptowährungen (§ 27a Abs. 1 EStG 1988) 🏦 Endbesteuerung: Zieht eine inländische Bank oder ein inländischer Broker die KESt ab, ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel abgegolten und du musst sie nicht in die Steuererklärung aufnehmen ⚠️ Ausland: Zieht deine Bank oder dein Broker keine österreichische KESt ab, musst du die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben; der Sondersteuersatz von 25 bzw. 27,5 % gilt trotzdem 💡 Regelbesteuerungsoption: Wäre deine Steuer nach dem Einkommensteuertarif niedriger als die KESt, kannst du auf Antrag den Tarif anwenden lassen, allerdings nur für alle Kapitalerträge mit Sondersteuersatz gemeinsam Du begegnest der KESt auf dem Kontoauszug nach der Zinsgutschrift, auf der Abrechnung nach dem Verkauf von ETF-Anteilen und in Angeboten, die als „steuereinfach“ beworben werden. Was ist die Kapitalertragsteuer in Österreich? Die Kapitalertragsteuer (KESt) ist keine eigene Steuer, sondern eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen. Bei inländischen Kapitalerträgen wird die Einkommensteuer direkt an der Quelle erhoben: Die Bank oder die auszahlende Stelle behält die KESt ein und führt sie an das Finanzamt ab (§ 93 Abs. 1 EStG 1988). Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zählen vier Gruppen: Erträge aus der Überlassung von Kapital wie Zinsen und Dividenden, realisierte Wertsteigerungen wie Kursgewinne beim Verkauf, Einkünfte aus Derivaten und Einkünfte aus Kryptowährungen (§ 27 Abs. 1 EStG 1988). Für die meisten davon gilt ein fixer Sondersteuersatz. Er wird getrennt von deinem übrigen Einkommen angewendet und erhöht deshalb nicht den Steuersatz, mit dem dein Gehalt oder deine Pension besteuert wird. Nicht verwechseln: Die deutsche Abgeltungsteuer ist ein eigenes Steuerregime mit eigenen Regeln. Dieser Eintrag behandelt ausschließlich die österreichische KESt nach dem EStG 1988. KESt-Sätze: 25 % oder 27,5 %? Welcher Satz gilt, hängt nicht davon ab, ob ein Ertrag „Zinsen“ heißt, sondern woher er stammt. 25 % gelten für Geldeinlagen und nicht verbriefte Forderungen bei Kreditinstituten, 27,5 % für alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen (§ 27a Abs. 1 EStG 1988). Ertragsart Beispiele KESt-Satz Zinsen aus Geldeinlagen bei Kreditinstituten Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld, Girokonto, Bauspareinlage 25 % Zinsen aus Wertpapieren öffentlich angebotene Anleihen und andere Forderungswertpapiere 27,5 % Dividenden und Fondserträge Aktien, ETFs, Investmentfonds, auch ausschüttungsgleiche Erträge 27,5 % Kursgewinne Verkauf von Aktien, ETFs, Anleihen und verbrieften Derivaten 27,5 % Kryptowährungen Gewinne aus dem Verkauf, laufende Einkünfte aus Kryptowährungen 27,5 % Keine KESt, sondern Einkommensteuertarif Privatdarlehen, echte stille Beteiligung, nicht verbriefte Derivate ohne freiwilligen Steuerabzug Tarif Stand: September 2026. Quelle: § 27a Abs. 1 und 2 EStG 1988 (RIS, Fassung gültig ab 20.07.2024), BMF „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026), oesterreich.gv.at (Stand 20.01.2026). Die häufigste Verwechslung betrifft Zinsen außerhalb des Bankkontos. Die Zinsen einer Anleihe und die Ausschüttungen eines Geldmarktfonds fallen unter 27,5 %, weil sie nicht aus einer Einlage bei einer Bank stammen. Nur was du einer Bank als Einlage überlässt, wird mit 25 % besteuert. Wer zieht die KESt ab? Endbesteuerung und „steuereinfach“ Die KESt zieht die inländische Stelle ab, die den Ertrag gutschreibt oder den Verkauf abwickelt: bei Sparzinsen die Bank, bei Wertpapieren die depotführende Bank oder der Broker, bei Kryptowährungen seit 2024 verpflichtend der inländische Kryptodienstleister. Bei Zinsen gilt auch die österreichische Zweigstelle einer ausländischen Bank als inländischer Schuldner (§ 93 Abs. 2 Z 1 EStG 1988). Mit diesem Abzug ist die Einkommensteuer auf die Erträge in der Regel abgegolten. Das nennt man Endbesteuerung: Du musst die Erträge nicht mehr in deine Steuererklärung aufnehmen (§ 97 Abs. 1 EStG 1988). Keine Abgeltung tritt ein, wenn die Bank nach einem Depotübertrag die Anschaffungskosten nicht kennt und mit pauschalen Werten rechnen muss; dann sind die Erträge in der Steuererklärung zu erfassen (§ 93 Abs. 4 EStG 1988). Im Marktjargon heißen Banken und Broker, die diesen Abzug übernehmen, „steuereinfach“. Welche Anbieter das beim Wertpapierhandel sind, zeigt der Überblick über steuereinfache Broker in Österreich. Rechenbeispiel: So viel KESt fällt an Fall Ertrag KESt Bleibt dir Sparbuchzinsen im Jahr 200 Euro 50 Euro (25 %) 150 Euro Kursgewinn beim Verkauf von ETF-Anteilen 1.000 Euro 275 Euro (27,5 %) 725 Euro Eigene Beispielrechnung mit den Sätzen nach § 27a Abs. 1 EStG 1988. Wie sich die KESt auf die Rendite über mehrere Laufzeiten auswirkt, rechnet der Ratgeber KESt auf Festgeld durch. Ausländische Bank oder ausländischer Broker: Wann du selbst erklären musst Ohne inländische Stelle gibt es keinen KESt-Abzug. Das betrifft typischerweise Zinsen einer Bank ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich und Erträge aus einem Depot bei einem ausländischen Broker. In diesen Fällen bist du verpflichtet, die Erträge in deiner Einkommensteuererklärung anzugeben; Kapitalerträge gehören in die Beilage E 1kv. Der Steuersatz ändert sich dadurch nicht. Auch in der Veranlagung gilt der jeweilige Sondersteuersatz von 25 bzw. 27,5 %, getrennt vom übrigen Einkommen. Hat der ausländische Staat bereits eine Quellensteuer einbehalten, kann sie nach dem jeweiligen Doppelbesteuerungsabkommen auf die österreichische Steuer angerechnet werden. Für den Zinsvergleich heißt das: Bei gleichem Zins ist die österreichische Steuer auf Sparzinsen gleich hoch, egal ob die Bank im In- oder Ausland sitzt. Der Unterschied liegt im Aufwand, denn die Erklärung erledigst du selbst, in jedem Jahr, in dem Zinsen fließen. Aktuelle Angebote findest du unter Tagesgeld-Angebote in Österreich und Festgeld mit fixer Laufzeit. Verlustausgleich: Was mit Verlusten passiert Verkaufst du Wertpapiere mit Verlust, verrechnet die depotführende Bank diesen Verlust automatisch mit Gewinnen und Erträgen aus allen deinen Depots bei derselben Bank (§ 93 Abs. 6 EStG 1988). Hat sie für frühere Gewinne schon KESt abgezogen, schreibt sie dir diese wieder gut; die Gutschrift ist mit 27,5 % des Verlusts gedeckelt. Ein Beispiel: Du verkaufst Aktie A mit 1.000 Euro Gewinn und Aktie B mit 400 Euro Verlust, beide im selben Depot und im selben Jahr. Die KESt fällt nur auf den Saldo von 600 Euro an. Das sind 165 Euro statt 275 Euro. Drei Grenzen gelten. Verluste aus Wertpapieren und Derivaten dürfen nicht mit Zinsen aus Bankeinlagen verrechnet werden (§ 27 Abs. 8 Z 1 EStG 1988). Verluste aus Kapitalvermögen lassen sich nicht mit anderen Einkunftsarten wie deinem Gehalt ausgleichen. Und ein Vortrag nicht verrechneter Verluste in spätere Jahre ist nicht möglich. Liegen deine Depots bei verschiedenen Banken, gleicht keine Bank die Verluste der anderen aus. Diesen Ausgleich holst du über die Verlustausgleichsoption in der Steuererklärung nach; zu viel abgezogene KESt wird dann angerechnet und erstattet (§ 97 Abs. 2 EStG 1988). Wie das im Depot konkret abläuft, erklärt der Ratgeber KESt auf Aktien und ETFs. Verluste aus Aktien, ETFs oder Anleihen kannst du nicht mit Zinsen vom Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld verrechnen. Findet ein Verlust im selben Jahr keine Gewinne oder Erträge, mit denen er verrechnet werden darf, verfällt er, weil ein Verlustvortrag nicht zulässig ist. Regelbesteuerungsoption: KESt zurückholen Für Menschen mit geringem Einkommen sind die Sondersteuersätze nicht immer günstig. Wäre deine Steuer nach dem progressiven Einkommensteuertarif niedriger als die KESt, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption beantragen (§ 27a Abs. 5 EStG 1988). Dann werden deine Kapitalerträge nach dem Tarif besteuert, die bereits abgezogene KESt wird angerechnet und der zu viel bezahlte Teil erstattet. Die Option gilt nur ganz oder gar nicht. Du kannst sie nicht für ein einzelnes Sparbuch oder Depot wählen, sondern nur für alle Kapitalerträge, die einem Sondersteuersatz unterliegen. Vermittelst du einen Alleinverdiener- oder Kinderabsetzbetrag, ist die Erstattung betraglich eingeschränkt. Kosten wie Depotgebühren oder Finanzierungskosten darfst du bei Kapitalerträgen mit Sondersteuersatz nicht abziehen, auch dann nicht, wenn du die Regelbesteuerungsoption wählst. Wann die KESt für dich erledigt ist und wann nicht Erledigt durch den Abzug Zinsen von Sparbuch, Tagesgeld oder Festgeld bei einer Bank mit Sitz oder Zweigstelle in Österreich Dividenden und Kursgewinne in einem Depot bei einem steuereinfachen Broker Gewinne und Verluste aus Wertpapieren in Depots bei derselben Bank Du musst selbst tätig werden Zinsen einer Bank ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich und Erträge aus einem Auslandsdepot: Angabe in der Steuererklärung Zinsen aus einem Privatdarlehen: keine KESt, Besteuerung nach dem Tarif Grenzfall Gemeinschaftsdepot: Für Depots mit mehreren Inhabern führt die Bank keinen automatischen Verlustausgleich durch (§ 93 Abs. 6 Z 4 lit. d EStG 1988); Verluste lassen sich nur über die Steuererklärung verrechnen Grenzfall Depotübertrag: Beauftragst du die bisherige Bank nicht, der neuen Bank die Anschaffungskosten mitzuteilen, kann der Übertrag steuerlich wie ein Verkauf behandelt werden (§ 27 Abs. 6 Z 2 EStG 1988); rechnet die neue Bank mangels Anschaffungskosten mit pauschalen Werten, entfällt die Endbesteuerung Für Sparerinnen und Sparer mit Konto bei einer österreichischen Bank ist die KESt ein erledigter Posten: 25 % gehen automatisch ans Finanzamt, mehr ist nicht zu tun. Wer ein Depot führt oder bei einer ausländischen Bank anlegt, braucht dagegen zwei Informationen vor dem Abschluss: welcher Satz auf den Ertrag fällt und ob der Anbieter die KESt abzieht. Konkrete Empfehlung: Prüfe vor jeder Kontoeröffnung und jedem Depotwechsel, ob der Anbieter die österreichische KESt einbehält. Wenn nicht, plane die jährliche Beilage E 1kv ein und lass beim Depotübertrag die Anschaffungskosten an die neue Bank übermitteln. Wenn du Depots in Österreich vergleichen willst, achte neben den Kosten auf genau diesen Punkt. Häufige Fragen zur KESt Wie hoch ist derzeit die KESt in Österreich? Die KESt beträgt 25 % auf Zinsen aus Geldeinlagen und nicht verbrieften Forderungen bei Kreditinstituten, also etwa auf Sparbuch-, Tagesgeld-, Festgeld- und Girokontozinsen. Für alle anderen Einkünfte aus Kapitalvermögen, darunter Dividenden, Kursgewinne, Fondserträge, Anleihezinsen und Kryptowährungen, beträgt sie 27,5 % (§ 27a Abs. 1 EStG 1988, Stand September 2026). Was ist die KESt leicht erklärt? Die KESt ist die Steuer auf Erträge aus deinem Geld: Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Wertpapieren oder Kryptowährungen. Eine österreichische Bank oder ein österreichischer Broker zieht sie direkt vom Ertrag ab und überweist sie an das Finanzamt. Damit ist die Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt. Wann muss man KESt bezahlen? Bei einer inländischen Bank oder einem inländischen Broker zahlst du die KESt nicht selbst: Sie wird abgezogen, sobald dir der Ertrag zufließt, etwa bei der Zinsgutschrift, der Ausschüttung oder dem Verkauf. Nur wenn kein Abzug erfolgt, etwa bei einer ausländischen Bank, erklärst du die Erträge in der Einkommensteuererklärung für das betreffende Jahr, und das Finanzamt setzt die Steuer fest. Wie rechnet man KESt aus? Du multiplizierst den Ertrag mit dem Satz: Zinsen aus Bankeinlagen mit 25 %, alle anderen Kapitalerträge mit 27,5 %. Bei Kursgewinnen ist der Ertrag der Unterschied zwischen Verkaufserlös und Anschaffungskosten. 200 Euro Sparzinsen ergeben 50 Euro KESt, 1.000 Euro Kursgewinn ergeben 275 Euro KESt. Gibt es einen Freibetrag bei der KESt? Nein. Einen Freibetrag, bis zu dem Kapitalerträge steuerfrei bleiben, sieht das EStG 1988 bei der KESt nicht vor. Besteuert wird der bezogene Ertrag, Kosten wie Depotgebühren darfst du nicht abziehen. Liegt dein Einkommen so niedrig, dass der Tarif günstiger wäre, kannst du dir zu viel bezahlte KESt über die Regelbesteuerungsoption zurückholen. Wie viel Steuern bei 100.000 Euro Gewinn? Handelt es sich um 100.000 Euro Kursgewinn aus Wertpapieren oder Kryptowährungen, fallen 27,5 % an, also 27.500 Euro KESt. Stammen die 100.000 Euro aus Zinsen auf Bankeinlagen, sind es 25 %, also 25.000 Euro. Der Sondersteuersatz gilt unabhängig von deinem übrigen Einkommen, es sei denn, du wählst die Regelbesteuerungsoption. Muss ich Zinsen einer ausländischen Bank selbst versteuern? Ja, wenn die Bank keine österreichische KESt abzieht. Das ist bei Banken ohne Sitz oder Zweigstelle in Österreich der Regelfall. Du gibst die Zinsen dann in der Einkommensteuererklärung an (Beilage E 1kv), besteuert werden sie mit demselben Satz von 25 % wie bei einer inländischen Bank. Rechtsstand: EStG 1988 §§ 27, 27a, 93 und 97 in der tagesaktuellen Fassung (RIS, abgerufen am 10.09.2026). Quellen: Bundesministerium für Finanzen, „Besteuerung inländischer sowie im Inland bezogener Kapitalerträge“ (Stand 01.01.2026) und „Allgemeine Informationen zu Einkünften aus Kapitalvermögen“; oesterreich.gv.at, „Kapitalertragsteuer (KESt)“ (Stand 20.01.2026); BMF-Findok, Erlass zur Besteuerung von Kapitalvermögen; Wirtschaftskammer Österreich, „Besteuerung von Kapitalvermögen“. Datenstand: September 2026. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuerberatung.

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Sparbuch

Das Sparbuch ist eine Spareinlage mit Urkunde. Hier liest du, welche Arten es gibt, was ab 15.000 Euro gilt und wie Zinsen besteuert werden. Was du über das Sparbuch wissen musst 🏦 Sparurkunde: Ein Sparbuch ist eine Spareinlage, die eine Bank nur gegen eine Sparurkunde annimmt; Geld zahlt sie nur gegen Vorlage dieser Urkunde aus (§§ 31, 32 BWG). 🎯 15.000-Euro-Grenze: Unter 15.000 Euro darf das Sparbuch statt auf deinen Namen auf eine Bezeichnung oder Nummer mit Losungswort lauten; ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus. 💰 25 % KESt: Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie von den Zinsen 25 % KESt ab; damit ist die Einkommensteuer darauf abgegolten. ⚠️ Einlagensicherung: Sparbuchguthaben sind bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, wenn die Identität des Inhabers festgestellt ist oder binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird. Das Sparbuch ist eine klassische Sparform in Österreich. Rechtlich ist es eine Spareinlage nach dem Bankwesengesetz (BWG): Geld, das du nicht für Zahlungen, sondern zur Anlage bei einer Bank hältst und das die Bank nur gegen eine Sparurkunde entgegennimmt (§ 31 Abs 1 BWG). Was ist ein Sparbuch? Die Sparurkunde ist das Sparbuch selbst. Die Bank vermerkt darin jede Einzahlung und jede Auszahlung (§ 32 Abs 1 BWG). Auszahlungen aus einem Sparbuch gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs (§ 32 Abs 2 BWG). In der Praxis behebst du am Schalter deiner Bank, mit dem Sparbuch und einem amtlichen Lichtbildausweis. Ein Anspruch auf ein Sparbuch besteht nicht. Laut Arbeiterkammer sind Banken nicht verpflichtet, eines anzubieten, und viele führen klassische Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden. Namenssparbuch oder Losungswort-Sparbuch Seit 1. November 2000 eröffnet in Österreich keine Bank mehr ein Sparbuch, ohne die Identität der Sparerin oder des Sparers festzustellen. Welche der zwei heutigen Formen möglich ist, hängt vom Guthaben ab. Merkmal Namenssparbuch Losungswort-Sparbuch Guthaben beliebig, ab 15.000 Euro vorgeschrieben nur unter 15.000 Euro Lautet auf den Namen des identifizierten Kunden, eine Bezeichnung oder eine Nummer eine Bezeichnung oder eine Nummer, nie auf einen Personennamen Wer behebt nur der identifizierte Kunde jede Person, die das Sparbuch vorlegt, das Losungswort nennt und sich mit Lichtbildausweis identifiziert Rechtsgrundlage § 32 Abs 4 Z 2 BWG § 31 Abs 3, § 32 Abs 4 Z 1 BWG Stand: Bankwesengesetz in der Fassung BGBl. I Nr. 118/2016, abgerufen am 10.09.2026; oesterreich.gv.at, Stand 23.01.2026. Beim Losungswort-Sparbuch entscheidet, wer Sparbuch und Losungswort hat. Gibst du beides weiter, gibst du den Zugriff auf das Guthaben weiter. Bewahre das Losungswort getrennt vom Sparbuch auf und schreib es nie ins Sparbuch. Wer beides findet, kann bei einem Losungswort-Sparbuch mit dem eigenen Ausweis beheben. Was aus den anonymen Sparbüchern wurde Bis Ende Oktober 2000 ließen sich in Österreich Sparbücher ohne Ausweis eröffnen. Der Gesetzgeber hat diese Anonymität im Jahr 2000 aufgehoben, um Verpflichtungen gegenüber der Financial Action Task Force (FATF) gegen Geldwäsche zu erfüllen. Alte anonyme Sparbücher gibt es noch. Seit dem 30. Juni 2002 darf man sie ohne Identitätsfeststellung aber weder weitergeben noch erwerben (§ 31 Abs 5 BWG), und Ein- und Auszahlungen gibt es erst, wenn sich jemand ausweist. Täglich fällig, gebunden oder Kapitalsparbuch Nach der Verfügbarkeit unterscheiden Banken täglich fällige und gebundene Sparbücher. Beim täglich fälligen Sparbuch behebst du jederzeit; beim gebundenen vereinbarst du eine Laufzeit (§ 32 Abs 8 BWG) und bekommst dafür laut Arbeiterkammer zumeist einen höheren Zinssatz. Das Kapitalsparbuch ist eine Form des gebundenen Sparbuchs: Du zahlst einen Betrag einmal ein und bekommst für die ganze Laufzeit einen fixen Zinssatz. Was nach dem Laufzeitende eines Kapitalsparbuchs passiert, regeln die Sparbedingungen. Laut Arbeiterkammer verlängert sich die Bindung nicht automatisch, und das Guthaben wird danach nur mehr zum Satz für täglich fällige Einlagen verzinst. Vorzeitig beheben: so rechnen Vorschusszinsen Behebst du ein gebundenes Sparbuch vor Laufzeitende, darf die Bank Vorschusszinsen verrechnen: 1 Promille des vorzeitig behobenen Betrags für jeden vollen Monat, den die Bindung noch gelaufen wäre (§ 32 Abs 8 BWG). Die Vorschusszinsen sind gedeckelt. Die Bank darf nicht mehr verrechnen, als sie an Habenzinsen auf diesen Betrag vergütet hat; durch Vorschusszinsen verlierst du also nichts von deinem eingezahlten Kapital. Spesen, etwa bei der Auflösung, regeln die Sparbedingungen gesondert. Rechenbeispiel: Du behebst 10.000 Euro, 12 volle Monate vor Ende der Bindung. Vorschusszinsen: 10.000 Euro × 1 Promille × 12 = 120 Euro, höchstens aber die Habenzinsen, die auf diese 10.000 Euro angefallen sind. Manche Banken rechnen Kapitalsparbücher bei vorzeitiger Auflösung stattdessen nach einer gestaffelten Zinstabelle ab. Welche Regel für dich gilt, steht in deinen Sparbedingungen. Willst du Geld für eine feste Zeit binden, vergleiche die Bindung am Sparbuch mit Festgeld-Angeboten in Österreich. Zinsen und KESt am Sparbuch Den Zinssatz legt die Bank fest, fix oder variabel. Bei variabler Verzinsung koppelt sie ihn an einen Indikator wie den Leitzins, er steigt und fällt dann mit. Welche Zinsen Banken derzeit für täglich fällige Einlagen zahlen, zeigt der Sparzinsen-Vergleich für Österreich. Auf Sparbuchzinsen fallen 25 % Kapitalertragsteuer (KESt) an, auf die meisten anderen Kapitalerträge wie Dividenden 27,5 % (§ 27a Abs 1 EStG 1988). Führt eine österreichische Bank dein Sparbuch, zieht sie die KESt direkt ab und führt sie ans Finanzamt ab. Damit ist die Einkommensteuer auf die Zinsen abgegolten, und du trägst sie nicht in die Steuererklärung ein (Endbesteuerung). Wäre dein Einkommen nach dem normalen Tarif mit weniger als 25 % besteuert, kannst du in der Steuererklärung die Regelbesteuerungsoption beantragen und bekommst zu viel bezahlte KESt zurück. Die Option gilt immer für alle deine Kapitalerträge, nie für ein einzelnes Sparbuch (§ 27a Abs 5 EStG 1988). Wie die KESt bei gebundenen Einlagen wirkt, erklärt der Ratgeber KESt auf Festgeld. Stand: EStG 1988 § 27a in der Fassung BGBl. I Nr. 113/2024; Bundesministerium für Finanzen, abgerufen am 10.09.2026. Einlagensicherung: bis 100.000 Euro pro Person und Bank Sparbuchguthaben fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung. Gedeckt sind bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank (§ 7 Abs 1 Z 5 ESAEG), gleich ob das Sparbuch täglich fällig oder ein Kapitalsparbuch ist. Die 100.000-Euro-Grenze gilt für alle Einlagen bei derselben Bank zusammen. Liegen 70.000 Euro auf deinem Sparbuch und 50.000 Euro auf deinem Girokonto bei derselben Bank, sind davon 100.000 Euro gedeckt. Im Sicherungsfall zahlt die zuständige Sicherungseinrichtung gedeckte Einlagen innerhalb von sieben Arbeitstagen aus (§ 13 Abs 1 ESAEG). Für ein Sparbuch musst du es dafür vorlegen und ein vereinbartes Losungswort nennen. Für bestimmte Einlagen über 100.000 Euro gilt eine zeitlich begrenzte Deckung bis 500.000 Euro, etwa nach dem Verkauf einer privat genutzten Wohnimmobilie (§ 12 ESAEG). Wer welche Bank absichert, steht im Ratgeber Einlagensicherung in Österreich. Stand: Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (ESAEG), konsolidierte Fassung vom 10.09.2026. Wann ein Sparbuch passt und wann nicht Ein Sparbuch passt wenn du Bargeld am Schalter einzahlen und beheben willst wenn du für eine feste Laufzeit einen fixen Zinssatz willst, als Kapitalsparbuch wenn du einen Betrag unter 15.000 Euro mit Losungswort weitergeben willst Ein Sparbuch passt nicht wenn du jederzeit online über dein Geld verfügen willst: Ohne Vorlage des Sparbuchs gibt es keine Auszahlung wenn du mehr als 100.000 Euro bei einer einzigen Bank liegen hättest wenn deine Bank Sparbücher nur mehr für bestehende Kundinnen und Kunden eröffnet Ein Sonderfall ist das alte anonyme Sparbuch, etwa in einer Verlassenschaft oder in einer Lade gefunden. Die Bank zahlt es nur nach Identitätsfeststellung aus. Geht die Bank pleite, ist das Guthaben nur gedeckt, wenn die Identifizierung binnen 12 Monaten nach dem Sicherungsfall nachgeholt wird (§ 10 Abs 1 Z 6 ESAEG). Unsere Einschätzung: Das Sparbuch ist klar geregelt: Ausweispflicht, gesetzliche Obergrenze für Vorschusszinsen, Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Seine Schwäche ist der Zinssatz, den allein deine Bank festlegt. Frag bei deiner Bank nach, welcher Zinssatz für dein Sparbuch gerade gilt, und vergleiche ihn mit aktuellen Tagesgeld-Angeboten. Die gesetzliche Einlagensicherung einer österreichischen Bank gilt für Tagesgeld genauso wie für das Sparbuch. Häufige Fragen zum Sparbuch Ist es noch sinnvoll, ein Sparbuch zu haben? Das hängt vom Zinssatz ab und davon, wie du auf dein Geld zugreifen willst. Das Sparbuch ist bis 100.000 Euro pro Person und Bank gesetzlich gedeckt, behoben wird am Schalter. Den Zinssatz legt deine Bank fest; vergleiche ihn mit Tagesgeld und Festgeld, bevor du größere Beträge liegen lässt. Wie viel Geld darf man auf einem Sparbuch haben? Eine Obergrenze für das Guthaben kennt das Bankwesengesetz nicht. Zwei Grenzen zählen trotzdem: Unter 15.000 Euro ist ein Losungswort-Sparbuch möglich, ab 15.000 Euro zahlt die Bank nur an den identifizierten Kunden aus (§ 32 Abs 4 BWG). Die Einlagensicherung deckt 100.000 Euro pro Person und Bank. Wie viel Geld sollte man am Sparbuch haben? Eine Vorgabe gibt es nicht. Aufs täglich fällige Sparbuch gehört Geld, das du kurzfristig brauchen könntest, etwa als Reserve für unerwartete Ausgaben. Geld, das du länger nicht brauchst, kannst du gebunden anlegen, als Kapitalsparbuch oder als Festgeld. Über 100.000 Euro teilst du am besten auf mehrere Banken auf, nicht nur auf mehrere Marken derselben Bank, weil die Einlagensicherung je Bank gilt. Was ist der Unterschied zwischen Sparkonto und Sparbuch? Beim Sparbuch ist die Urkunde entscheidend: Geld gibt es nur gegen Vorlage des Sparbuchs, meist am Schalter. Ein Sparkonto, etwa ein Online-Sparkonto oder Tagesgeldkonto, führst du ohne Urkunde im Online-Banking. Bei einer österreichischen Bank gelten für beide dieselbe Einlagensicherung bis 100.000 Euro und derselbe KESt-Satz von 25 %. Was das für deine Zinsen heißt, zeigt unser Vergleich Sparbuch oder Tagesgeld. Kann ein Sparbuch zwei Inhaber haben? Ja, manche Banken führen Gemeinschaftssparbücher; ob deine Bank das anbietet, steht in ihren Bedingungen. In der Einlagensicherung zählt jeder legitimierte Inhaber mit bis zu 100.000 Euro. Habt ihr der Bank keine schriftliche Aufteilung gegeben, wird das Guthaben im Sicherungsfall zu gleichen Teilen auf euch verteilt (§ 11 Abs 1 ESAEG). Was tun, wenn das Sparbuch verloren ist? Melde den Verlust sofort deiner Bank und erstatte eine Verlust- oder Diebstahlsanzeige. Nach der Meldung darf die Bank vier Wochen lang nichts aus dem Sparbuch auszahlen (§ 31 Abs 4 BWG). Taucht es nicht auf, beantragst du beim zuständigen Landesgericht die Kraftloserklärung; die Aufgebotsfrist für ein Sparbuch beträgt sechs Monate (§ 7 Kraftloserklärungsgesetz 1951). Der Gerichtsbeschluss ersetzt das Sparbuch, aber nicht das Losungswort. Was passiert, wenn ich das Losungswort vergessen habe? Dann musst du der Bank auf andere Weise nachweisen, dass dir das Guthaben zusteht (§ 31 Abs 3 BWG). Gelingt der Nachweis, muss die Bank auszahlen (OGH 1 Ob 228/06w). Eine Kraftloserklärung hilft hier nicht: Sie ist für verlorene oder zerstörte Sparbücher gedacht, nicht für ein vergessenes Losungswort. Datenstand: September 2026 | Quellen: Bankwesengesetz §§ 31, 32 (BGBl. I Nr. 118/2016), EStG 1988 § 27a (BGBl. I Nr. 113/2024), ESAEG (Fassung vom 10.09.2026), Kraftloserklärungsgesetz 1951 § 7, Bundesministerium für Finanzen, oesterreich.gv.at, Parlament Österreich (2000), Einlagensicherung AUSTRIA, Österreichische Raiffeisen-Einlagensicherung, Arbeiterkammer, konsumentenfragen.at, OGH 1 Ob 228/06w. Dieser Eintrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.