Was du über Gemeinschaftskonten wissen musst
Das Wichtigste auf einen Blick
- 🏦 Bestes Gratis-Gemeinschaftskonto: DKB (Capitalo Score 106/130, 0 EUR ab 700 EUR Geldeingang)
- ⚖️ Oder-Konto vs. Und-Konto: Oder-Konto für den Alltag (jeder verfügt allein), Und-Konto für mehr Kontrolle
- 💰 Einlagensicherung: 100.000 EUR pro Person – bei zwei Inhabern also 200.000 EUR Schutz
- ⚠️ Neobank-Falle: N26, Revolut und Trade Republic bieten keine echten Gemeinschaftskonten an
Das beste Gemeinschaftskonto in Österreich 2026 ist die DKB mit einem Capitalo Score von 106/130 Punkten – kostenlos ab 700 EUR monatlichem Geldeingang. Für Paare, die eine Filialbank bevorzugen, ist Raiffeisen Bonus Smart mit 2,99 EUR pro Monat die günstigste Option.
Du ziehst mit deinem Partner zusammen, gründest eine WG oder möchtest als Familie die Haushaltskosten besser aufteilen? Dann ist ein Gemeinschaftskonto die naheliegende Lösung. Beide zahlen ein, beide können ausgeben – Miete, Strom, Einkäufe laufen über ein Konto. Klingt einfach. Allerdings stecken im Detail einige Punkte, die du vorher kennen solltest: Und-Konto oder Oder-Konto? Wer haftet bei Schulden? Was passiert bei einer Trennung?
In diesem Ratgeber erfährst du alles, was du für die richtige Entscheidung brauchst. Einen umfassenden Überblick über alle Girokonten in Österreich findest du auf unserer Hauptseite.
Was ist ein Gemeinschaftskonto?
Ein Gemeinschaftskonto ist ein ganz normales Girokonto – mit einem entscheidenden Unterschied: Es hat zwei oder mehr gleichberechtigte Kontoinhaber. Beide stehen im Vertrag, beide haben Rechte und Pflichten.
Rechtlich basiert das Gemeinschaftskonto in Österreich auf dem ABGB (Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch), §§890-892. Diese Paragraphen regeln die Miteigentümergemeinschaft und damit auch, wer wann über das Geld verfügen darf.
Wichtig: Ein Gemeinschaftskonto ist nicht dasselbe wie ein Einzelkonto mit Vollmacht. Bei einer Vollmacht bleibt nur eine Person Kontoinhaber – die andere hat lediglich Zugriff. Beim Gemeinschaftskonto sind beide vollwertige Inhaber mit allen Rechten und Pflichten.
Typische Szenarien für ein Gemeinschaftskonto:
- Paare: Gemeinsame Haushaltskosten (Miete, Strom, Versicherungen)
- Familien: Laufende Familienausgaben zentral verwalten
- WGs: Miete und Nebenkosten über ein Konto
- Vereine: Vereinskasse mit mehreren Zeichnungsberechtigten
Und-Konto vs. Oder-Konto – der wichtigste Unterschied
Bei einem Gemeinschaftskonto gibt es zwei grundlegend verschiedene Modelle. Welches du wählst, hat weitreichende Konsequenzen für Haftung, Alltag und Sicherheit.
Oder-Konto (Einzelverfügung)
Beim Oder-Konto kann jeder Inhaber allein und unabhängig über das Konto verfügen. Du kannst Überweisungen tätigen, Geld abheben oder Daueraufträge einrichten – ohne die Zustimmung des anderen Inhabers. Das ist der Standard bei den meisten österreichischen Banken.
Und-Konto (Gemeinschaftsverfügung)
Beim Und-Konto müssen alle Inhaber jeder Transaktion zustimmen. Keine Überweisung, keine Abhebung ohne das Einverständnis aller. Das bietet maximale Kontrolle, ist im Alltag aber umständlich.
Vergleich auf einen Blick
| Kriterium | Oder-Konto | Und-Konto |
|---|---|---|
| Verfügung | Jeder Inhaber allein | Nur gemeinsam |
| Alltagstauglichkeit | Hoch – flexibel | Eingeschränkt |
| Sicherheit | Geringer – Partner kann Konto räumen | Hoch – keine einseitigen Aktionen |
| Haftung | Gesamtschuldnerisch | Gesamtschuldnerisch |
| Pfändung | Gläubiger kann gesamtes Guthaben pfänden | Konto wird gesperrt |
| Bankenverfügbarkeit | Fast alle Banken | Nur wenige Banken, auf Anfrage |
| Empfehlung | Paare mit Vertrauen, Familien | Geschäftspartner, Vereine |
Gemeinschaftskonto Vergleich – die besten Anbieter 2026
Nicht jede Bank bietet Gemeinschaftskonten an – und die Konditionen unterscheiden sich deutlich. Hier die wichtigsten Optionen im Überblick (Stand: März 2026):
Kostenlose Gemeinschaftskonten (Direktbanken)
| Anbieter | Capitalo Score | Gebühr/Monat | Bedingung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| DKB | 106/130 ⭐ 4,1 | 0 EUR | ab 700 EUR Geldeingang | Online eröffnbar, Visa Debit |
| Anadi Bank | 110/140 ⭐ 3,9 | 0 EUR | ab 1.340 EUR Gehalt | Österreichische Bank |
| DADAT | 97/130 ⭐ 3,7 | 0 EUR | ab 1.000 EUR Geldeingang | Österreichische Direktbank |
| Bank Direkt | 96/130 ⭐ 3,7 | 0 EUR | ab 1.500 EUR Geldeingang | Raiffeisen-Tochter |
| easybank | 82/130 ⭐ 3,2 | 0 EUR | ab 400 EUR Geldeingang | Niedrigste Hürde |
Filialbanken mit Gemeinschaftskonto
| Anbieter | Capitalo Score | Gebühr/Monat | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Sparkasse | 88-91/130 | regional unterschiedlich | Größtes Filialnetz, George App |
| Erste Bank | 88/130 ⭐ 3,4 | 3,75 EUR | George App, breites Netz |
| Bank Austria | 84/130 ⭐ 3,2 | 3,61 EUR | GoGreen Modell |
| Raiffeisen | 83/130 ⭐ 3,2 | 2,99 EUR | Günstigste Filialbank |
| BAWAG | 66-109/130-150 | 6,08-11,84 EUR | Verschiedene Pakete |
Unsere Empfehlungen
👉 Bestes Gratis-Gemeinschaftskonto: Die DKB bietet mit einem Capitalo Score von 106/130 das beste Gesamtpaket für Paare (bei mindestens 700 EUR monatlichem Geldeingang). Visa Debitkarte inklusive und online eröffnbar.
👉 Günstigste Option: Die easybank hat mit 400 EUR den niedrigsten Mindestgeldeingang für ein kostenloses Gemeinschaftskonto. Ideal, wenn nur kleinere Beträge für Haushaltskosten eingezahlt werden.
👉 Beste Filialbank: Raiffeisen Bonus Smart ist mit 2,99 EUR pro Monat die günstigste Filialbank-Option. Wenn dir persönliche Beratung und ein dichtes Filialnetz wichtig sind, ist das die beste Wahl.
Alle Konten im Detail findest du in unserem Girokonto Vergleich.
Warum Neobanken keine echte Alternative sind
Viele suchen nach einem Gemeinschaftskonto bei N26, Revolut oder Trade Republic. Verständlich – die Konten sind kostenlos und die Apps modern. Allerdings gibt es ein grundlegendes Problem:
Wichtiger Hinweis
N26, Revolut und Trade Republic bieten in Österreich keine echten Gemeinschaftskonten an. Was sie anbieten (Shared Spaces, Sub-Accounts), ist rechtlich kein Gemeinschaftskonto. Es gibt nur einen Kontoinhaber – der andere hat lediglich Zugriff.
Was das in der Praxis bedeutet:
- Kein gemeinsamer Vertrag: Nur eine Person ist Kontoinhaber und haftet
- Kein gemeinsamer Anspruch: Bei Streit hat der Nicht-Inhaber keinen rechtlichen Anspruch auf das Guthaben
- Keine gemeinsame Einlagensicherung: Die 100.000 EUR Schutz gelten nur für den Kontoinhaber
- Kein Schutz bei Trennung: Der Inhaber kann das Konto jederzeit schließen oder den Zugriff entziehen
Wenn du ein echtes Gemeinschaftskonto mit allen rechtlichen Sicherheiten möchtest, brauchst du einen Anbieter, der beide Partner als vollwertige Kontoinhaber führt – also eine klassische Bank oder Direktbank aus der Vergleichstabelle oben.
Haftung, Pfändung und Einlagensicherung
Beim Gemeinschaftskonto teilst du nicht nur das Guthaben, sondern auch Risiken. Drei Punkte sind besonders wichtig:
Gesamtschuldnerische Haftung
Beim Oder-Konto (und teilweise auch beim Und-Konto) haften beide Inhaber gesamtschuldnerisch. Das heißt: Wenn das Konto überzogen wird, kann die Bank den vollen Betrag von jedem der Inhaber einfordern – nicht nur die Hälfte.
Pfändungsrisiko
Grundsätzlich gilt: Hat ein Kontoinhaber Schulden, können Gläubiger beim Oder-Konto auf das gesamte Guthaben zugreifen – nicht nur auf den "Anteil" des Schuldners. Beim Und-Konto wird das Konto in der Regel gesperrt.
Achtung bei Schulden
Wenn dein Partner Schulden hat, ist ein Oder-Konto riskant. Gläubiger können das gesamte Guthaben pfänden. In diesem Fall: Getrenntes Konto oder Und-Konto in Betracht ziehen.
Einlagensicherung: 200.000 EUR Schutz
Die Einlagensicherung in Österreich beträgt 100.000 EUR pro Person pro Bank (gesetzlich über die FMA geregelt). Bei einem Gemeinschaftskonto mit zwei Inhabern ergibt sich daraus ein Schutz von 200.000 EUR. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber Einzelkonten.
Sonderfälle: Trennung, Todesfall und Steuern
Was passiert bei einer Trennung?
Das hängt vom Kontotyp ab:
- Oder-Konto: Jeder Partner kann bis zum letzten Cent allein verfügen. Das bedeutet: Einer könnte das Konto theoretisch leerräumen. Ohne schriftliche Vereinbarung gilt 50:50-Teilung des Guthabens.
- Und-Konto: Niemand kann allein verfügen. Das Konto wird faktisch eingefroren, bis sich beide einigen oder ein Gericht entscheidet.
Empfehlung: Triff vor der Eröffnung eine schriftliche Vereinbarung, wie das Guthaben im Trennungsfall aufgeteilt wird. Das spart im Ernstfall viel Ärger.
Was passiert im Todesfall?
- Oder-Konto: Der überlebende Inhaber behält sein Verfügungsrecht. Allerdings geht der Erbanteil des Verstorbenen in die Verlassenschaft (Nachlassverfahren). Das heißt: Die Erben haben Anspruch auf den Anteil des Verstorbenen.
- Und-Konto: Das Konto wird gesperrt, bis die erbrechtlichen Fragen geklärt sind. Das kann mehrere Wochen oder Monate dauern.
Steuern: Schenkungsmeldepflicht beachten
Die Schenkungsteuer wurde in Österreich 2008 abgeschafft. Allerdings besteht eine Meldepflicht beim Finanzamt:
- Zwischen nahen Angehörigen (Ehepartner, Lebensgefährten): Meldepflicht ab 50.000 EUR innerhalb von 5 Jahren
- Zwischen nicht verwandten Personen (z.B. WG-Mitbewohner): Meldepflicht ab 15.000 EUR innerhalb von 5 Jahren
Regelmässige Überweisungen auf ein Gemeinschaftskonto können als Schenkung gewertet werden. Im Normalfall bei Paaren kein Problem – aber bei hohen Beträgen oder WGs solltest du das im Hinterkopf behalten.
Gemeinschaftskonto eröffnen – so geht's
Anbieter wählen
Vergleiche die Konditionen in unserem Girokonto Vergleich. Achte auf: Gemeinschaftskonto-Option, Gebühren, Mindestgeldeingang, Kartenanzahl.
Beide Inhaber identifizieren
Beide müssen sich legitimieren – per Video-Ident (online) oder in der Filiale. Dazu braucht jeder einen gültigen Lichtbildausweis (Reisepass oder Personalausweis) und einen Meldezettel.
Kontotyp wählen: Und- oder Oder-Konto
Die meisten Banken eröffnen standardmässig ein Oder-Konto. Wenn du ein Und-Konto möchtest, musst du das explizit angeben – nicht alle Banken bieten diese Option.
Interne Vereinbarung treffen
Haltet schriftlich fest: Wer zahlt wie viel ein? Wie wird das Guthaben bei Trennung aufgeteilt? Das ist keine Pflicht, aber schützt beide Seiten.
Benötigte Unterlagen:
- Gültiger Lichtbildausweis (beide Inhaber)
- Meldezettel (beide Inhaber)
- Einkommensnachweise (bei manchen Banken für Überziehungsrahmen)
- Steuerliche Identifikation (Steuernummer)
Mehr Details zum Ablauf findest du in unserem Ratgeber Konto eröffnen in Österreich.

